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Augsburg

10.11.2018

Helikopter-Firma Babcock am Flughafen schließt

Die Firma Babcock wird ihren deutschen Standort am Augsburger Flughafen aufgeben. Das Unternehmen hatte vor zwei Jahren die Firma Heli Aviation übernommen.
Bild: Michael Hochgemuth

Die Ansiedlung sorgte vor sieben Jahren für Unruhe bei Anwohnern in Augsburg. Nun macht der internationale Branchenriese Babcock seine Niederlassung dicht.

Das internationale Hubschrauberunternehmen Babcock wird seine deutsche Niederlassung am Augsburger Flughafen zum März 2019 schließen. Babcock bestätigte am Freitag nach mehrmaliger Nachfrage entsprechende Informationen unserer Redaktion. Etwa 30 Mitarbeiter, die zuletzt noch in Augsburg tätig waren, verlieren den Arbeitsplatz Bereits im Sommer hatte Babcock 20 Mitarbeitern in Augsburg gekündigt, nachdem die Firma keine humanitären Einsätze fürs Rote Kreuz im Sudan mehr fliegt. "In der Zwischenzeit werden wir uns darauf konzentrieren, den Flugbetrieb unserer Flugschule, die Ausbildung der Flugschüler sowie die laufenden Instandhaltungsarbeiten für unsere Bestandskunden sicherzustellen", so ein Sprecher des Unternehmens.

Der Branchenriese Babcock hatte im Jahr 2016 die Hubschrauberfirma Heli Aviation übernommen, die seit 2011 ihren Sitz von Wallerstein an den Augsburger Flughafen verlegt hatte. Die Ansiedlung von Heli Aviation sorgte damals für massive Anwohnerproteste aus Affing, Derching und den nördlichen Augsburger Stadtteilen. Denn eines der Hauptstandbeine des Unternehmens war der Schulungsbetrieb für Piloten, unter anderem für ausländische Polizeibehörden – verbunden mit entsprechendem Flugbetrieb und Lärm. Die Lärmbelastung überschritt zwar nicht die Grenzwerte, allerdings beklagten Anwohner, dass das Knattern der Rotoren subjektiv deutlich störender sei als ein ab- oder anfliegendes Flugzeug. Der Versuch, rechtlich dagegen vorzugehen, scheiterte.

Flughafen Augsburg drohen Einnahmeausfälle

Auch bei Babcock blieb der Schulungsbetrieb eines der Standbeine, allerdings mit weiter rückläufiger Tendenz. Lag die Zahl der Hubschrauber-Flugbewegungen (also Starts und Landungen) am Flughafen vor sieben Jahren noch bei 24.000 pro Jahr, waren es im vergangenen Jahr nur noch 10.500. Neben dem Schulungsbetrieb spielte für Babcock zuletzt noch das Thema Wartung von Helikoptern eine Rolle.

Für den Augsburger Flughafen ist damit absehbar, dass die Zahl der Flugbewegungen (und somit der einzunehmenden Start- und Landegebühren) sinken wird. Der Flughafen schaffte es zuletzt, beim Betriebsergebnis eine schwarze Null zu schreiben (wegen Investitionen aus der Vergangenheit steckt die Stadt aber jährlich noch eine Million Euro in den Flugfahren). Insofern dürfte auch der Weggang von Babcock Wenigereinnahmen für den Flughafen bringen. Allerdings waren die 10.500 Helikopter-Flugbewegungen im vergangenen Jahr nicht allein durch Babcock verursacht.

Es gibt eine weitere Hubschrauber-Schule, zudem erledigt Airbus Helicopters am Augsburger Flughafen Wartungsarbeiten von Maschinen. In der Flughafen-Kalkulation eine gewichtige Rolle spielen die vermieteten Hangars für Geschäftsmaschinen.

Bei Babcock in Augsburg, so ist von Mitarbeitern zu hören, ist der Betrieb inzwischen massiv heruntergefahren worden. Neben Verwaltungsmitarbeitern sind Mechaniker und Fluglehrer betroffen. Ende Oktober gab es eine Betriebsversammlung, auf der das Aus verkündet wurde. Die Flugschüler und Charterkunden würden seit einigen Wochen in der Luft hängen, ist zu hören.

Dass Flugschüler ihre Ausbildung noch abschließen können, gilt als fraglich, heißt es. Offen ist, warum Babcock in Deutschland die Segel streicht. Die Helikoptersparte "Babcock Mission Critical" ist weltweit beim Thema Luftrettung oder der Versorgung von Ölbohrinseln tätig. Mitarbeiter hatten bereits im Sommer gemutmaßt, dass das Ende des Sudan-Engagements der Anfang vom Ende sein dürfte.

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