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Augsburg-Stadt

24.05.2014

Hessing-Klinik: Elf Ärzte gehen

Die Hessing-Klinik im Stadtteil Göggingen erlebt eine Kündigungswelle von Ärzten.
Bild: Archiv

Die Hessing-Klink verliert elf Mediziner. Viele folgen dem Wirbelsäulenexperten Prof. Wild an ein anderes Krankenhaus in der Region. 

Es ist ein Aderlass, der einmalig in der Geschichte der Hessing-Klinik sein dürfte: In den letzten sechs Monaten haben elf Mediziner die renommierte Klinik in Göggingen verlassen beziehungsweise werden es tun. Angefangen hatte die Kündigungswelle mit dem Wirbelsäulenspezialisten Prof. Dr. Alexander Wild. Er geht ans Donauwörther Krankenhaus. Ihm folgen sechs weitere Mediziner, allesamt Orthopäden und Chirurgen mit Schwerpunkten in Wirbelsäulen-, Unfall-, Schulter-, Hüft-, Knie- und Fußchirurgie. Auch Wilds bisherige Chefsekretärin folgt ihm nach Donauwörth.

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Fragen nach dem Warum

Nach Informationen unserer Zeitung verlassen weiterhin zwei Leitende Oberärzte, ein Chefarzt und eine Fachärztin die Hessing-Klinik. Sie gehen nicht ans Donauwörther Krankenhaus, sondern nach München beziehungsweise in eine Praxis.

War schon der Abgang des Chefarztes Alexander Wild rätselhaft, so wirft die nun erfolgte Kündigungswelle weitere Fragen nach dem Warum auf. Stiftungsdirektor Wolfgang Winkler war gestern bis Redaktionsschluss nicht erreichbar. So konnte auch die Frage nicht geklärt werden, welche Auswirkungen die Kündigungswelle auf Operationspläne und Wartezeiten hat.

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Dr. Oliver Lembcke erklärte auf Anfrage, sein Abschied habe mit der vor zwei Jahren begonnenen Umstrukturierung zu tun. „In dieser Umstrukturierung finde ich mich nicht wieder.“ Den Kollegen, die mit ihm ab 1. Juli in Donauwörth anfangen werden, gehe es genauso. „Ich möchte den Patienten nicht nur am Fuß oder nicht nur am Knie behandeln dürfen.“

Doch genau das sehe das neue Konzept bei der Hessing-Klinik vor. Für jedes Problem am oder im Körper des Patienten gibt es bei Hessing ab sofort einen hochspezialisierten Facharzt. Ist das Knie behandelt, werde der Patient „weitergereicht“. Lembcke, selbst noch Leitender Oberarzt an der Klinik für orthopädische Wirbelsäulentherapie, bezweifelt, dass der Patient auf diese Art Vertrauen aufbauen könne, wenn er künftig statt von zwei von fünf Ärzten behandelt und beraten wird.

„Für mich als Arzt ist diese Behandlungsmethode unbefriedigend, für den Patienten ist sie unverständlich“, sagt Lembcke. Auch Patientenwünsche nach einem bestimmten Chirurgen, den sie von einer früheren Operation bereits kennen, könnten so nicht mehr berücksichtigt werden. Bereits bei Terminvergabe werde der Patient zum entsprechenden Spezialisten geschickt.

Scheidender Arzt lobt Standard des Hauses

Skeptisch äußert sich auch einer von Lembckes Kollegen, der namentlich nicht genannt werden möchte, da er, wie alle anderen auch, noch bis zum 30. Juni bei der Hessing-Stiftung beschäftigt ist. Doch auch er sagt: „Ich wollte operativ breiter aufgestellt werden, als das bislang der Fall war.“ Er sei zu jung, um sich jetzt schon auf einen einzigen Fachbereich, wie in seinem Fall die Wirbelsäule, festlegen zu lassen, sagt der 38-Jährige. Die Wirbelsäule sei ein weites medizinisches Feld, darauf könnte man sich wohl spezialisieren. Aber: „Ich sehe mich als ganzheitlichen Arzt. Ich möchte den Patienten nicht wegschicken, der außer über Schmerzen an der Wirbelsäule auch über Beschwerden im Beckenbereich klagt.“

Ob das neue Konzept nach der Umstrukturierung aufgehen wird, mag keiner der Mediziner, die bei Hessing gekündigt haben, beurteilen. Sie betonen nur, für sie mache es keinen Sinn. Der 38-Jährige, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sagt zudem: „Hessing ist nach wie vor ein sehr gutes Krankenhaus mit sehr guten Ärzten. Ich würde mich jederzeit von ihnen behandeln lassen.“

Die Donauwörther dürfte der Ärztesegen freuen. Drei Stellen waren nach Informationen unserer Zeitung in dem neuen Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Donau-Ries-Klinik noch unbesetzt, jetzt bekommt es gleich sechs hochkarätige Fachärzte.

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