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Augsburg

11.09.2016

Hier kommt das Buch zum Leser

Seit seiner Bilderbuchzeit ist der elfjährige Felix regelmäßiger Gast im Bücherbus der Stadtbücherei. Hier gibt er Taschenbücher an Samantha Federl, die Leiterin des Bücherbusses, zurück.
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Seit seiner Bilderbuchzeit ist der elfjährige Felix regelmäßiger Gast im Bücherbus der Stadtbücherei. Hier gibt er Taschenbücher an Samantha Federl, die Leiterin des Bücherbusses, zurück.
Bild: Annette Zoepf

Der neue Bücherbus ist jetzt wieder unterwegs. Doch auch die vier Stadtteilbibliotheken versorgen die Augsburger mit Lektüre. Wie Sie noch attraktiver werden wollen.

Auf dem Rathausplatz parkte der neue Bücherbus nur ausnahmsweise beim Fest anlässlich seiner Inbetriebnahme. Seit Montag steuern Fahrer Wolfgang Fäustlin und seine Kollegen mit dem mehr als eine halbe Million Euro teuren Volvo die Stadtteile und Wohnquartiere an, die mit öffentlichen Bibliotheken nicht gut ausgestattet oder weit davon entfernt sind.

Zur Jungfernfahrt des 12,5 Meter langen und mit rund 4500 Medien bestückten Busses ging es am Montag in den Herrenbach und Spickel, wo sich unter anderem Hannelore Rosenhammer mit frischem Lesefutter versorgte. Zitat: „Ich bin heute extra in die Gentnerstraße im Spickel gekommen, weil mir der nächste Termin in Hochzoll, wo ich normalerweise vorbeikomme, nicht passt.“ Der neue Bus gefalle ihr sehr gut, sagt die Leserin.

Willkommen sind alle Altersgruppen. Laut Diplombibliothekarin Samantha Federl nutzen vor allem Kinder und Senioren die rollende Bücherei. Auch Gehbehinderte oder Rollstuhlfahrer können jetzt mithilfe eines hydraulischen Lifts problemlos ins Innere gelangen, wo an wärmeren Tagen dank einer Klimaanlage angenehme Temperaturen herrschen. Federl schätzt ihre vielfältige Aufgabe: „Die Arbeit ist abwechslungsreich, weil jeder Stadtteil anders ist.“

Insgesamt 24 Haltestellen in 15 Stadtteilen steuert der Bücherbus in vierzehntägigem Turnus an. Darüber hinaus sind neben der Zentrale der Stadtbücherei am Ernst-Reuter-Platz auch die vier Filialen beliebte Anlaufstellen. Ein Überblick:

Kriegshaber

Die jüngste Zweigstelle eröffnete vor knapp drei Jahren in der ehemaligen Kuka-Halle an der Ulmer Straße – dort ist auch ein Bürgerbüro untergebracht. Büchereileiterin Regine Hart und ihr Team, zu dem auch Ehrenamtliche aus den katholischen Pfarreien zählen, haben als Hauptzielgruppe Kinder im Blick. Mit Veranstaltungen wie einem Bilderbuchkino sollen auch Mädchen und Buben im Vorschulalter an Bücher herangeführt werden. Es gibt Kooperationen mit Kindertagesstätten und Schulen. Hart möchte die Stadtteilbücherei in den nächsten Jahren noch bekannter machen und weitere Leser und Mediennutzer gewinnen. Eines ist ihr bereits gelungen. Durch die Ausweitung der Öffnungszeiten sind die Entleihzahlen merklich gestiegen.

Haunstetten

Über besonders eifrige Leser freuen sich die neue Leiterin Petra Löw und ihr Team im ehemaligen Rathaus, wo es ebenfalls ein Miteinander von Stadtteilbücherei und Bürgerbüro gibt. Mit 73000 Entleihungen im vergangenen Jahr nimmt die Filiale die Spitzenposition bei den Zweigstellen ein. Löw strebt eine enge Verknüpfung mit dem Stadtteil an.

Da auch in der Tattenbachstraße Kinder zur Hauptzielgruppe zählen (etwa mit Angeboten wie Kindertreff und Bilderbuchkino), soll die Zusammenarbeit mit Schulen und Kitas ausgebaut werden. Und auch eine Ausweitung der Öffnungszeiten (derzeit 15 Stunden) der barrierefrei zugänglichen Stadtteilbibliothek ist angedacht, um die Attraktivität noch zu steigern.

Göggingen

Von behindertengerecht ausgestatteten Räumlichkeiten können die Mitarbeiter der Filiale im Alten Rathaus Göggingen unter Leitung von Marius Müller nur träumen. An einer Umgestaltung oder gegebenenfalls einem Ortswechsel führt deshalb für Stadtbüchereichef Manfred Lutzenberger kein Weg vorbei, soll sich die Zweigstelle auch weiterhin großer Beliebtheit erfreuen. Wie sehr sich der Stadtteil mit seiner Bücherei identifiziert, zeigt sich an den Bücherfreunden Göggingen. Der Kreis unterstützt die Einrichtung mit zahlreichen Aktionen.

In Göggingen zählen Kinder ebenfalls zu besonders eifrigen Nutzern. An den hohen Entleihzahlen haben aber auch die anderen Generationen ihren Anteil. Diese könnten sich noch weiter erhöhen, da die Öffnungszeiten (derzeit 11 Stunden) ausgedehnt werden sollen.

Lechhausen

Diesen Schritt hat Lechhausen im Mai 2016 vollzogen. Seither sind Martina Kein und ihr Team in der Blücherstraße 23 Stunden pro Woche für ihre Besucher vom Vorschulkind bis zum Senior da. Eng ist die Zusammenarbeit mit Schulen. Für die nahegelegene Luitpold-Grundschule gibt es sogar zusätzliche Öffnungszeiten. Über ein Projekt der Stiftung Lesen unterhält die Bücherei einen Leseclub, bei dem die Schiller-Schule Partner ist. Es ist gut möglich, dass Kinder – gleich welcher Schule oder Kita – künftig neben den vertrauten Gesichtern auch einen vierbeinigen „Bibliothekar“ antreffen. Die Lechhauser Filiale will mithilfe eines „Lesehunds“ leseschwache und schüchterne Kinder zum Buch hinführen.

Wünschenswert wäre aus Sicht von Manfred Lutzenberger auch eine Standortverbesserung in dem großen Stadtteil. „Wir wollen weg von dem Hinterhofcharakter und halten einen Zugang von der Straße und mehr Platz für notwendig“, sagt Lutzenberger. Ob sich diese Wünsche am bisherigen oder einem neuen Standort verwirklichen lassen, stehe noch nicht fest.

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