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Konzert

27.11.2017

Hier schleudern die Tasten Blitze

Stephanie Knauer

Die Augsburger Pianistin Stephanie Knauer spielte zeitgenössische Tonkünstler – sogar auf dem Kinderklavier

Wie unterschiedlich neue Klaviermusik klingen kann, demonstrierte Stephanie Knauer im Konzert des Tonkünstlerverbandes. Die Augsburgerin, die sich als vielseitige Musikerin einen Namen gemacht hat, führte am Freitagabend im Saal des Leopold-Mozart-Zentrums vor, dass zeitgenössische Komponisten in der Lage sind, aus den Tasten mit Expression und Konstruktion eine breite Klangpalette zu entfalten.

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Aus „Les Anges de Chagall“ des Norwegers Kjell Mork Karlsen (*1947) hörte man im blitzenden Tastengewitter wie in ruhig dämmernden Klangnischen förmlich die Engel des Malers im Chagall-Museum Nizza ihre biblischen Geschichten erzählen – ein Wechselspiel aus Akkorden und linearen Spuren. Auch „Pensieri di Cristallo“ von Daniele Gasparini (*1975) lebte vom Kontrast „kristallin“ funkelnder Klangobjekte und sanftem Glanz. Ein Unikum des legendären John Cage (1912–1992) amüsierte das Publikum aufs Beste. Seine Suite für Toy Piano, die Stephanie Knauer auch auf einem solchen Mini-Kinderklavier exerzierte, verbreitete mit seinem skurrilen Geklingel und Anschlags-Geknister eine ebenso spöttische wie auch manchmal sogar unheimliche Clowns-Aura.

Das Stück „Les Tombeaux de Ravels et Satie“ des Münchners Cornelius Hirsch (*1954) schien die beiden großen Franzosen unter einem gemeinsamen Grabmal (Tombeau) vereinen zu wollen. Der Titel rührt von Ravels „Le Tombeau de Couperin“ her, und Satie, der rätselhaft-bizarre Minimalist, gab mit seiner bekanntesten „Gymnopédie“ den elegisch schwingenden, harmonisch-gestisch changierenden Rahmen vor – eine chamäleonhaft sich verändernde Huldigung an den langsamen Dreiertakt – valse triste modern.

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Aus härterem Holz geschnitzt war dagegen „Sechzig“ von Karl F. Gerber (*1954), dessen musikalische Zahlenspiele oft zu stählernen Repetitionen und Motorik-Mustern führen. Der Satz „Träumen?“ aus den „5 Minaturen“ von Hans-Michael Rummler (*1946) begann sehr soft, zelebriert zart zitternde musikalische Berührungen, ehe alles in einem galoppierenden Tornado endete. Mit einer Improvisation zwischen Tango nuevo, Blues, Ragtime beendete die Pianistin Stephanie Knauer ihr Konzert.

Wie sie mit brillant geschliffener Technik, explosivem Ausdrucksumfang und feinem Laufwerk dieses Avantgarde-Tableau darbot, animierte das Publikum – zu Recht – zu beeindrucktem Applaus.

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