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Oldtimer

13.01.2019

Hier werden Männer zu Enthusiasten

Nur gucken, nicht kaufen: Johann Wiedemann restauriert alte Motorräder, doch verkaufen will er sie nicht. 
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Nur gucken, nicht kaufen: Johann Wiedemann restauriert alte Motorräder, doch verkaufen will er sie nicht. 
Bild: Bernd Hohlen

Die Augsburger Oldtimerschau lockt hunderte Besucher, die sich über historische Fahrzeuge austauschen. Darf man(n) um ein altes Auto auch mal weinen?

Oldtimer liegen im Trend. Bundesweit stieg die Zahl der Fahrzeuge mit dem „H“-Kennzeichen in den vergangenen zehn Jahren um 163 Prozent. Die Augsburger Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle meldet sogar 667 Prozent Zuwachs. Das „H“ steht für „Historisch“, um es zu bekommen, müssen die Fahrzeuge 30 Jahre alt sein.

Wie beliebt alte Fahrzeuge sind, war am Wochenende bei der Oldtimermesse Moto Technica auf dem Messegelände zu sehen: Hunderte Besucher verschafften sich dort einen Überblick, kamen ins Fachsimpeln oder kauften Zubehör für ihre Vehikel. Die Zahlen belegen den Trend zum „Alt-Auto“: Im Jahr 2008 gab es in der Stadt Augsburg 275 Oldtimer, im Jahr 2018 sind es bereits 1834 Fahrzeuge. Doch alte Autos als Wertanlage zu kaufen, ist fast so kompliziert wie eine Wertanlage in Kunst.

Die Oldtimer Szene ist zudem wenig einheitlich. Es gibt den losen Verbund der Oldtimerfreunde, den vereinsgeführten Oldtimerclub, den Restaurator, den Replikator, den Sammler mit musealem Charakter, den Versteigerer und die Liebhaber von alten Fahrzeugen. Was fast alle gemeinsam haben, ist eine aktive Vernetzung. Die aber unterliegt einer gewissen Geheimhaltung. Grund genug, auf eine Oldtimermesse zu gehen. Denn Mühsal scheint Teil des Oldtimer-Geschäftes zu sein.

Im Internet nach Ersatzteilen suchen? Langweilig!

„Heute schaut man ins Internet, um nach einem Ersatzteil zu suchen. Das ist doch langweilig“, sagt Peter Frey vom Oldtimerclub Augsburg. Beim Oldtimerfahrer kulminieren einige männlich belegte Attribute: das Jagen, das Sammeln und das Fahren. Das Basteln nicht zu vergessen. Es gibt einige Werkstätten in der Region, die sich auf das Restaurieren von Oldtimern spezialisiert haben. Besser ist es aber, sich selbst auszukennen. Da sind sich alle einig. Auch Till Rosenkranz von „Trend Car Outlet“ in Kissing sieht es so. Er hat im vergangenen Jahr bei der Moto Technica erfolgreich Oldtimer versteigert. Dieses Jahr fiel die Auktion aus, weil es Probleme bei der Logistik gab. „Beim Kauf sollte man darauf achten, dass ein Drittel der Anschaffung beiseite gelegt wird. Oldtimer brauchen Pflege. Wer nicht so viel Geld hat, sollte es als Liebhaberei betreiben“, sagt er. Weil dann die Verluste besser verkraftbar sind? „Genau so ist es“, sagt Rosenkranz. Peter Frey will gar nicht erst verraten, wo er und seine 40 Vereinsfreunde ihre Fahrzeuge restaurieren.

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Die Moto Technica 2019 in Bildern
Bild: Bernd Hohlen


Diese Zurückgenommenheit spürt man öfter in der Szene. Die Moto Technica wird von Otto Wonisch aus Nördlingen veranstaltet. 250 Stände sind in den Hallen der Messe und außerhalb aufgebaut. Auf die Frage nach dem frostigen Veranstaltungszeitraum sagt er: „Im Winter wird restauriert und im Sommer gefahren. So ist das in der Branche.“ Das klingt plausibel und erklärt die stark vertretenen Stände mit Ersatzteilen.

Ein Fund, mit dem er nicht gerechnet hatte

Ein seltenes Bauteil sucht Friedhelm Bechtel für seinen Gerätehalter „Fendt GT 225“, Baujahr 1963. Später sagt er: „Das Teil habe ich nicht bekommen, dafür eine Originalleuchte für nur sechs Euro.“ Er freut sich, denn mit dem Fund hatte er nicht gerechnet. Stefan Forstmeier fährt seit sieben Jahren zum Stöbern von Ingolstadt nach Augsburg. Er besitzt fünf alte Motorräder. „Ich suche nichts Bestimmtes, aber ich nehme immer etwas mit“, sagt er. „Klar“, erklärt Veranstalter Otto Wonisch zu, „die Händler kommen aus Österreich, England, Italien und der Schweiz. Da findet man schon etwas.“ Patrick Suter ist so ein Händler aus der Schweiz. Er war siebzehn Jahre lang nur Besucher in Augsburg, nun bietet er selbst Ersatzteile und Devotionalien an. Bei ihm wurde Stefan Forstmeier aber nicht fündig.

Johann Wiedmann, 78, verkauft nichts. Sein Stand ist trotzdem beliebt bei den Besuchern. Er restauriert leidenschaftlich alte Motorräder und stellt sie nur aus. Seine amerikanische „Henderson“ war erst nach vier Jahren Arbeit vorzeigbar. Ihr Wert? Will er nicht verraten. Sein Motorrad Marke „Wanderer“, Baujahr 1923, kostet wohl 35000 Euro. Die Liebe zu seinen „Knatterdingern“ ist ihm an den Augen abzulesen. Welche emotionale Bindung Menschen zu ihrem alten Fahrzeug haben können, schildert Peter Frey. „Ich habe meinen „Mercedes 230“ einem 90-Jährigen Mann abgekauft, der aus Sicherheitsgründen mit dem Auto nicht mehr fahren wollte. Als ich vom Hof fuhr, sind ihm die Tränen heruntergelaufen.“

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