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Soziales

14.08.2012

Hilfe für Kindersoldaten

Gartenarbeit als Therapie: Von Krieg und Flucht traumatisierte Flüchtlinge betreut ein Projekt in Augsburg.
Bild: Caritas

Das Netzwerk HIFF kümmert sich um traumatisierte Flüchtlinge. Sie haben Krieg und Schrecken hinter sich. Manche sind noch nicht einmal erwachsen. Der Bedarf ist so groß, dass das Projekt schon an seine Grenzen stößt

Wer als Kindersoldat missbraucht worden war, trägt daran sein ganzes Leben. Viele werden psychisch labil. Und sie bleiben es, auch wenn sie nach ihrer Flucht in einem sicheren Land wie Deutschland angekommen sind. Deshalb benötigen sie besondere, auf sie abgestimmte Hilfen und eine spezielle, auch therapeutische Begleitung, wissen Experten. In Augsburg kümmert sich das Hilfsnetzwerk für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge (HIFF) um diese schwer traumatisierten früheren Kindersoldaten.

Das Projekt steht aber nicht nur den ehemaligen Kindersoldaten zur Seite. Es sorgt sich auch um Kinder und Jugendliche, die keine Angehörigen haben und unbegleitet im Fluchtland leben, und um werdende Mütter und Mütter minderjähriger Kinder.

Das Projekt HIFF in Augsburg wurde nun erweitert auf die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in Neuburg und auf die Gemeinschaftsunterkünfte für Familien und jene für alleinstehende Männer in Augsburg. Hinzu gekommen ist auch die Zusammenarbeit mit Refugio München, einer Einrichtung für therapeutische Hilfen für traumatisierte Flüchtlinge. Refugio stellt die Diplom-Psychologin Anna Cibis für zehn Stunden pro Woche für die Erstellung von Diagnosen ab. Sie soll zudem ein Therapeutennetzwerk aufbauen.

Hilfe für Kindersoldaten

Werner Neumann vom Diözesan-Caritasverband leitet das HIFF-Projekt. Er berichtet, dass 90 Menschen in einem Jahr betreut werden sollten. Doch ist die Zahl bereits erreicht. „Eigentlich müssten wir schon jetzt Personal aufstocken“, sagt er. „Die hohe Anzahl von besonders schutzbedürftigen Menschen beweist, wie wichtig das Projekt ist.“

Derzeit betreut es vor allem Flüchtlinge aus Sierra Leone, Nigeria und Afghanistan. Sierra Leone ist für den Einsatz von Kindersoldaten bekannt. In Afghanistan herrschen Krieg und Stammeskämpfe. Kriegstraumata beschäftigen deshalb heute die Flüchtlingsbetreuer mehr als andere psychische Erkrankungen. Depressionen, Schizophrenien oder Krankheiten wie Angst- oder Zwangsstörungen stehen deshalb nicht mehr nur im Mittelpunkt.

Von außen betrachtet erscheint der Alltag der Mitarbeiter des HIFF-Projektes fast wie eine „nette Begleitung“ im Alltag. „Die Oberfläche täuscht aber“, weiß Neumann. Die sozialpädagogische Arbeit sei „bitter nötig“, um diese Menschen „von ganz unten“ abholen und ihnen wieder ein Gerüst zur Selbsthilfe mitgeben zu können.

Dazu gehört es, Vertrauen dadurch aufzubauen, indem die HIFF-Mitarbeiter die Flüchtlinge zum Arzt begleiten, ihnen erklären, warum sie ein Medikament nehmen müssen. Auch wenn der Flüchtling beim Ausländeramt Fragen zu klären hat oder Beratung benötigt, stehen die Mitarbeiter ihm zur Seite.

HIFF hat auch Arbeitsangebote. Traumatisierte Menschen haben es verlernt, ihren Tag zu strukturieren. „Da müssen wir helfen, denn es geht um Menschen wie du und ich“, betont Neumann. (AZ)

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