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Augsburger Geschichte

23.01.2021

Historische Medaillen überliefern Augsburger Stadtgeschichte

Prachtvolle Ulrichsmedaille von 1873 mit Öse als Anhänger geprägt.
Bild: Maximilianmuseum

Plus Das Augsburger Rathaus und die erste Eisenbahnbrücke über den Lech zieren „Denkmünzen“. Auch Porträts von Bayern-Königen sind auf den kleinen Kostbarkeiten zu finden.

„Die Medaille ist eine Erfindung der Renaissance“ steht im Münzkabinett des Maximilianmuseums an der Wand. Museen sind derzeit geschlossen, die Münz- und Medaillenschätze im Maximilianmuseum also nicht zu besichtigen. Von den kleinen, kunstvollen Zeugnissen Augsburger Geschichte gibt es jedoch Bilder. Sie ermöglichen die Präsentation im Augsburg-Album.

Augsburg-Medaillen sind kleine Kostbarkeiten

Historische Augsburg-Medaillen sind kleine Kostbarkeiten. Sie erfordern eine genaue Betrachtung, erst dadurch erschließt sich die Kunstfertigkeit der Medailleure. Im Maximilianmuseum dienen Schiebe-Lupen an den Vitrinen zur Vergrößerung. Medaillen sind schließlich Schaustücke: Auf kleinstmöglicher Fläche verherrlichen sie eine Person, ein Ereignis oder ein Bauwerk. Medailleure schufen die Prägestempel für „Schaumünzen“ und „Denkmünzen“. So wurden einst solche Medaillen genannt. Der Unterschied zwischen Medaille und Münze: Medaillen sind keine Zahlungsmittel, „Denkmünzen“ sind Luxusartikel.

Medaille aus Blei auf Diva Philippina Philippine Welser, gegossen um 1580, dem Todesjahr der berühmten Augsburgerin
Bild: Maximilianmuseum

Augsburger Medaillen waren bereits im 16. Jahrhundert von außerordentlicher Schönheit. Ein Beispiel ist das Porträt von Philippine Welser. Im Besitz des Maximilianmuseums ist ein Bleiguss um 1580. Das war das Todesjahr der berühmten Augsburgerin. Die Guss- oder Prägemetalle der Medaillen reichen von Blei, Zinn und Bronze bis zu Silber und Gold. Im Gegensatz zu Münzgeld war der Materialwert bei Medaillen nie das Entscheidende, sondern der Anlass für ihre Herstellung.

Augsburg bot technisch, handwerklich und künstlerisch beste Voraussetzungen für die Produktion kunstvoller Münzen und Medaillen: Es gab in der Stadt stets herausragende Zeichner, Graveure, Ziseleure, Stempelschneider sowie Gold- und Silberschmiede – zudem bis 1806 eine reichsstädtische Münzanstalt.

1914 Ehrenmedaille Probe-Prägung in Zinn
31 Bilder
Diese Medaillen erzählen Augsburger Stadtgeschichte
Bild: Maximilianmuseum

Sie prägte nicht nur Augsburger Geld wie Dukaten, Taler, Pfennige und Heller, in der „Stadtmünz“ entstanden auch Medaillen. Allein der Medailleur Philipp Heinrich Müller (1654–1719) schuf Prägestempel für rund 260 Münzen und über 400 Medaillen.

1806 verlor Augsburg die Münzhoheit und damit seine städtische Münzanstalt. Ab diesem Zeitpunkt waren Medailleure ausschließlich freie Unternehmer. Sie produzierten Medaillen meist auf Bestellung. Es gab im 19. Jahrhundert zuhauf Anlässe für „Gelegenheitsmedaillen“. Von einem Großteil befindet sich zumindest ein Exemplar im Maximilianmuseum. Um 1910 umfassten die Museumsbestände über 11.000 Prägungen. Es waren nicht nur Augsburger Münzen und Medaillen, sondern auch Prägungen aus aller Herren Ländern.

Schon immer war davon aus Platzgründen nur ein kleiner Teil ausstellbar. Gezeigt werden in den Vitrinen vor allem besondere Münzprägungen und Medaillen aus Reichsstadtzeiten. Im Tresor befinden sich auch viele „moderne“ Prägungen.

Nach 1806 entstanden Augsburgs "moderne" Medaillen

Als „modern“ werden Medaillen von Numismatikern (Wissenschaftler, die sich mit Münzen und Medaillen beschäftigen) bezeichnet, die nach Verlust der Reichsfreiheit Augsburgs im Jahre 1806 entstanden. Sie sind im 1910 erstmals gedruckten Katalog „Die Erzeugnisse der Stempelschneidekunst in Augsburg“ aufgelistet. Eine genaue Beschreibung, der Anlass, das Ausgabejahr und der Medailleur sind erfasst.

Zur Eröffnung der München-Augsburger Eisenbahn 1840 wurde die Medaille mit einem Zug auf der Lechbrücke in Zinn, Bronze, Silber und Gold geprägt.
Bild: Maximilianmuseum

Die thematische Vielfalt „moderner“ Medaillen ist weit gespannt. Augsburgs Medailleure des 19. Jahrhunderts huldigten bayerischen Königen mit wundervollen Porträts. Zur Eröffnung der „München-Augsburger Eisenbahn“ im Oktober 1840 gab es eine Medaille in Bronze, Zinn, Silber und Gold. An das 300-Jahr-Jubiläum der Überreichung der Confessio Augustana (1830) erinnert eine Medaille mit der Abbildung der alten Bischofspfalz. Das Rathaus ist bereits vor der Einweihung 1620 ein Medaillen-Motiv. Es ist danach oftmals auf Medaillen wiedergegeben. Zu Gedenktagen an den Bistumsheiligen Sankt Ulrich wurden im 19. Jahrhundert zahlreiche Ulrichskreuze und Medaillen hergestellt. Beide waren bei Wallfahrern und bei Sammlern sehr gefragt.

Rudolf Diesel kam spät zu Medaillenehren in Augsburg

Im 20. Jahrhundert waren vermehrt Personen „medaillenwürdig“, beispielsweise 1908 und 1938 Friedrich von Hessing. 1909 wurde eine Medaille für den Luftschiff-Pionier August von Parseval geprägt. Auguste Piccard und sein „Mitfahrer“ Paul Kipfer beim Ballonaufstieg in die Stratosphäre am 27. Mai 1931 sind auf einer Silbermedaille porträtiert. Rudolf Diesel kam spät zu Medaillenehren: 1997 ließ ihn die MAN auf einer Gedenkmedaille abbilden. Zur 2000-Jahr-Feier Augsburgs 1985 kamen Nachprägungen historischer Augsburg-Medaillen sowie Neuschöpfungen in den Handel. Eine Vielzahl Augsburger Münzen und Medaillen ist digital zu „besichtigen“: Das Angebot im Internethandel ist reichhaltig.

Weitere stadthistorische Exkursionen von Franz Häußler finden Sie hier.

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