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Augsburg

02.11.2019

Hochsaison auf den Augsburger Friedhöfen

Ein FCA-Fan kniet am Grab von Helmut Haller, der 2012 auf dem Augsburger Nordfriedhof in Oberhausen beigesetzt wurde.
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Ein FCA-Fan kniet am Grab von Helmut Haller, der 2012 auf dem Augsburger Nordfriedhof in Oberhausen beigesetzt wurde.
Foto: Annette Zoepf

In Augsburg gibt es jetzt auch Beisetzungen in Urnengemeinschaften, um offen gelassene Grabstellen mit Stelen neu zu gestalten und die Grabpflege zu erleichtern.

Schon an der Pforte begegnen dem Besucher an vielen Friedhofstoren die für Anfang November typischen Geräusche. Kies knirscht unter Schuhsohlen, die sich an diesen Orten eher gemessenen Schrittes fortbewegen. Hier und da scheppert ein Fächerrechen, der eine Grabstelle von dürren Blättern befreit. Auf den breiteren Wegen macht sich Friedhofspersonal mit Laubsaugern und -bläsern zu schaffen. Deshalb beherrscht neben dem „Alltagsgeschäft“ rege Betriebsamkeit die Orte von Ruhe und Frieden.

Neben dem Alltagsgeschäft gibt es laut Helmut Riedl vom Amt für Friedhofswesen derzeit ziemlich viel zu tun – es herrscht Hochsaison für die Friedhofsmitarbeiter.

Trend auf den Augsburger Friedhöfen

Von seinem Arbeitsplatz aus, der am Westfriedhof gelegen ist, verfolgt Riedl übers Jahr aber einen sich in der Großstadt ausbreitenden Trend: „Nur noch 36 Prozent sind Erdbestattungen, 64 Prozent sind Urnenbeisetzungen.“ Und weil immer mehr Gräber aufgelassen werden, häuften sich unschöne, ungepflegte Lücken auf den Arealen.

Diesem Trend begegnet das Amt für Friedhofswesen mit neuen Bestattungsformen. Aktuell werden laut Helmut Riedl etwa auf dem Neuen Haunstetter Friedhof zwei bis drei aufgelassene Gräber zusammengenommen, eingefasst und als Urnengemeinschaften ausgewiesen. In der Mitte werde eine Stele platziert, auf der die Inschriften der Verstorbenen zu lesen sind. „Wir versuchen, den Leuten entgegenzukommen“, sagt Helmut Riedl, der noch eine andere Besonderheit im Angebot hat, um den Pflegeaufwand zu minimieren.

Eine Ruhestätte mit Blick auf die Sterne

Weniger religiös geprägte Menschen können sich eine Ruhestätte im Bereich eines Sternzeichens – Tierkreiszeichens – aussuchen. Auf dem Neuen Ostfriedhof ist das seiner Auskunft nach ebenso möglich, wie einen Platz unter Äpfeln oder im Memoriam-Garten zu reservieren. Bestattungen auf Friedhainen oder unter Bäumen werden, wie Helmut Riedl sagt, immer beliebter. Allerdings beobachtet er auch, dass Urnenbeisetzungen in eher ländlichen Regionen – etwa in Inningen und Bergheim – „noch nicht angekommen“ sind. Dort gebe die Bevölkerung noch immer der konservativen Ruhestätte vor der eher anonymen den Vorzug.

Die Familiengräber werden von den Angehörigen gesäubert und dezent schmückt. Sie tragen Bukette und Grabgestecke aus ihren Fahrzeugen am Parkplatz vor dem Friedhofsportal zu ihrem Bestimmungsort. Es ist aber auch die Zeit, in der Menschen ihrer Vorbilder und Idole gedenken. So ist etwa auf dem Nordfriedhof eine Grabstelle anzutreffen, an der manch Sport- beziehungsweise Fußballbegeisterter im stillen Gedenken eine Kerze entzündet. Unvergessen ist der 2012 gestorbene Augsburger Fußball-Crack und Weltmeister Helmut Haller, auf dessen Ruhestätte bereits eine Flamme brennt.

Aussegnungshalle im Jugendstil

Als Verpflichtung sehen es Gregor Lang und Alfred Hausmann, den Namen Otto Holzer in Ehren zu halten. In Hochzoll, wo heute der Bürgertreff in der Neuschwansteinstraße und ein seitlich davon gelegener Fußweg den Namen des ehemaligen Stadtbaurats trägt, finden zurzeit viele Veranstaltungen der Kulturtage des Stadtteils statt. Der verdienstvolle Augsburger fand auf dem Westfriedhof seine letzte Ruhe, dessen Krematorium und Aussegnungshalle er zu Lebzeiten im Jugendstil errichten ließ. Ehrengräber wie das seine werden in Augsburg laut Helmut Riedl vom Ältestenrat geprüft und beschlossen. Schließlich übernehme die Stadt in der Folge die Grabgebühren und auch die Kosten für die folgende Pflege. Insgesamt seien ihm aktuell 17 solcher Grabstätten bekannt.

Eine Besonderheit ist auf dem Alten Ostfriedhof in Lechhausen zu entdecken. Dort liegt Jakob Rachl (1892 bis 1983), der seinerzeit mit einer Erfindung die Hausarbeit revolutionierte. „Irma“ hieß damals sein Dampfbügeleisen, dessen Nachfolger bis heute an den Bügeltischen die Arbeit erleichtern. Ein weitläufiger Verwandter machte 2013 auf die Rachl-Grabstätte aufmerksam und erinnerte daran, dass in einer „ziemlichen Bruchbude“ täglich 100 Plätteisen in Handarbeit entstanden.


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