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Augsburg

05.11.2013

Hoffnung, aber keine Erlösung bei Weltbild

Die Bistümer sagen für den stark angeschlagenen Weltbild-Verlag Finanzspritze zu. Am Firmensitz in Lechhausen fällt die Freude darüber eher verhalten aus.

So wirklich dran glauben, wollte gestern kaum jemand. Weltbild gerettet? Etliche Mitarbeiter blieben skeptisch. „Wir haben in den vergangenen Monaten so viel erlebt“, sagte eine Angestellte während ihrer Raucherpause, „wer weiß, was jetzt noch kommt.“ Dabei waren es gestern endlich einmal positive Schlagzeilen über die Augsburger Verlagsgruppe. Die Gesellschafter haben eine weitere Finanzspritze zugesagt, die Bistümer wollen Weltbild retten. Damit dürften die Insolvenzgerüchte vom Tisch sein.

Weltbild-Mitarbeiter: Sorgen nicht vom Tisch

„Natürlich ist das gut“, sagte eine Mitarbeiterin am Nachmittag am Firmensitz in Lechhausen. Sie ist im Einkauf tätig und hatte aus den Medien von der Millionen-Unterstützung erfahren. Ihren Namen wollte auch sie lieber nicht verraten. Sie sei erleichtert, sagte sie. Doch so ganz scheinen die Sorgen nicht vom Tisch. „Ob das Geld reicht?“, fragt sich die Frau. Und so wie sie denken viele.

Die Verlagsgruppe, die zuletzt rote Zahlen schrieb, kämpft nicht mit kurzfristigen konjunkturellen Problemen. Sie steht vor einem gewaltigen Umbruch. Das sieht auch Augsburgs Wirtschaftsreferentin Eva Weber so: „Es muss noch viel Arbeit im Unternehmen geleistet werden.“ Gleichwohl sei die Unterstützung der Bistümer ein wichtiger Schritt und ein Zeichen, „dass den Gesellschaftern etwas an Weltbild liegt“, so Weber weiter.

Hoffnung, aber keine Erlösung bei Weltbild

Kundenverhalten hat sich geändert

Viele Jahre machte die Verlagsgruppe vor allem mit dem klassischen Filialgeschäft und dem Katalogversand gutes Geld. Doch das Kundenverhalten hat sich geändert. Immer weniger wird heute im Laden gekauft, immer seltener aus dem Katalog bestellt. Der Internethandel dominiert die Branche. Doch da haben Konkurrenten wie Amazon die Nase deutlich vorne. Will Weltbild aufholen, muss es kräftig investieren und radikal umbauen. Das haben zuletzt rund 140 Mitarbeiter im Call-Center zu spüren bekommen. Ihre Abteilung soll ausgelagert werden, weil klassische Tätigkeiten wie die Bestellerfassung im Internetzeitalter rückläufig seien.

Deswegen waren sich gestern längst nicht alle Mitarbeiter sicher, ob die gesicherte Existenz ihres Arbeitgebers auch den Fortbestand ihres eigenen Arbeitsplatzes bedeutet. Man wartet ab. „Es hilft ja nichts, sich verrückt zu machen“, sagte ein Marketingmitarbeiter gestern. Er ist bereits seit 13 Jahren dabei. „Man kann es ja doch nicht ändern.“ Der Werbefachmann ist leidensfähig geworden. „Es ist ja nicht die erste Krise“, sagte er.

Insolvenz-Gerüchte stürzten Mitarbeiter in Ungewissheit

Schon 2009 sollte Weltbild verkauft werden. Weil die kirchlichen Eigentümer damals nicht den erhofften Erlös erzielen konnten, gaben sie den Plan auf – vorerst. 2011 ploppten plötzlich Vorwürfe wegen vermeintlich erotischer Inhalte im Sortiment auf. Und erneut war ein Verkauf im Gespräch. Gewerkschaft und Betriebsrat fürchteten sogar eine Zerschlagung. Schließlich zeichnete sich Mitte 2012 ab, dass Weltbild in eine Stiftung überführt werden sollte. Eine Lösung, mit der beide Seiten leben konnten. Doch umgesetzt wurde sie bislang nicht. Stattdessen keimten im September Insolvenz-Gerüchte auf und stürzten die Mitarbeiter erneut in Ungewissheit.

Auch wenn viele von ihnen sich gestern zur aktuellen Entwicklung bei ihrem Arbeitgeber nicht äußern wollten, einen Wunsch hatten sie doch. „Die Medien müssen weiter berichten“, sagte eine Frau. „Solange wir im Fokus stehen, kann die Kirche hier nicht einfach Arbeitsplätze vernichten.“

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