Jazzsommer

30.07.2013

Hoffnungsträger

Bei Benedikt Jahnels Jazzpiano-Spiel löst sich das Zeitgefühl auf.
Bild: Eriksson

Jan Kiesewetters Gamma-Rama und das Benedikt Jahnel Trio

Es gibt sie nicht mehr, die Konzerte in der Stadt im Rahmen des Internationalen Augsburger Jazzsommers, die sich der lokalen und nationalen Szene gewidmet hatten. Ausgleich schaffte ein Ausnahmekonzert im Botanischen Garten, das sich des weniger Bekannten annahm und mit dem Augsburger Saxofonisten Jan Kiesewetter und dem aus Geretsried stammenden Benedikt Jahnel zwei Newcomer der deutschen Jazzszene präsentierte, die – ein jeder auf seine Art – zu einer ganz eigenen musikalischen Sprache gefunden haben.

Jan Kiesewetter, der 2011 mit dem Kunstförderpreis der Stadt Augsburg im Bereich Jazz ausgezeichnet wurde, brachte mit seinem Projekt Gamma-Rama ein Quartett in den Pavillon, das sich der schalkhaften Kompositionen des Augsburgers mit experimentierfreudiger Hingabe annahm. Gebrochene Metren, freie Improvisationen und die Freude an der Herausforderung prägten das Spiel von Bernd Huber (Gitarre), Uli Fiedler (Kontrabass) und Tilman Herpichböhm (Schlagzeug), die Mastermind Kiesewetters kompositorisch wie solistisch spannende Eskapaden mit kraftvollem Agieren unterstützten.

Weitaus ruhiger ging es beim Trio des Pianisten Benedikt Jahnel zu. Er gilt zu Recht als Hoffnungsträger der deutschen Jazzszene. Mit drei Kompositionen aus seinem ersten Album „Modular Concepts“ (Material R, Harmonia Mundi) eröffnete das Benedikt Jahnel Trio den zweiten Teil des Abends. Sphärische, abstrakte Klänge entlockte Jahnel dem Flügel, verband seine beiden Seelen, des Mathematikers einerseits, des feinfühligen Freidenkers andererseits, zu einem ausdrucksstarken Ganzen.

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Es war die bewusste Wahrnehmung der vierten Dimension, ihre Dehnung, die Annäherung an die Auflösung des Zeitgefühls, die Jahnel und seine beiden Mitstreiter erforschten. Jahnels streifendem, hauchenden, punktuell gesetzten Pianospiel passten sich der in Madrid lebende Kontrabassist Antonio Miguel und der New Yorker Schlagzeuger Owen Howard mit sensiblem Einfühlungsvermögen an.

Verdichtet fand sich Jahnels musikalischer Fluss mit den Werken aus der zweiten, aktuellen CD „Equilibrium“. Brillant die Mixtur beider Welten, beider CDs, die sich in den brandaktuellen, bisher noch nicht veröffentlichten Stücken fand.

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