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Augsburg

29.11.2020

Holbein-Schüler weichen auf Räume in der Musikschule im Zeughaus aus

Die Lehrer Angela Nüsseler und Thomas Körner-Wilsdorf bereiten den Musiksaal im Zeughaus für den Unterricht vor. Ab Montag werden dort die Zwölftklässler des Holbein-Gymnasiums unterrichtet.
Foto: Silvio Wyszengrad

Plus Am Holbein-Gymnasium herrscht akute Raumnot. Die Corona-Pandemie hat das Problem verschärft. Die Abiturienten können nun Säle im Zeughaus nutzen. Die Stadt sucht weitere Räume.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte die Idee vor einigen Wochen ins Spiel gebracht: Schulen sollten auf andere Räume ausweichen – etwa in Pfarrzentren und Museen – um mehr Abstand zwischen den Schülern zu erreichen. Solche Räume wären zwar nicht immer für den Unterricht geeignet. In Zeiten der Corona-Pandemie sei aber viel Kreativität und auch Toleranz von allen Seiten gefragt, argumentierte sie. Leichter gesagt, als getan, musste die Schulfamilie des Holbein-Gymnasiums nun feststellen. Es gab eine Reihe von Absagen. Aber jetzt: eine Zusage.

Im Zeughaus bekommt das Holbein-Gymnasium nun Räume. Dort soll coronakonformer Unterricht stattfinden.
Foto: Sammlung Häußler (Archivfoto)

Die Schule kann ab sofort zwei große Säle der Sing- und Musikschule Mozartstadt im Zeughaus nutzen – doch das reicht noch lange nicht aus. Aber der Reihe nach.

Seit den Allerheiligenferien befinden sich die Schüler der weiterführenden Schulen und ab Montag auch die Schüler ab der siebten Jahrgangsstufe von Mittel- und Förderschulen im Wechselunterricht, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann.

Mit Müh und Not habe es das Holbein-Gymnasium realisieren können, dass die zwölfte Jahrgangsstufe weiterhin im Präsenzunterricht bleiben kann. "Das war absolut notwendig. Für die elfte Jahrgangsstufe und die fünften Klassen wäre es auch gut, aber dafür gibt es am Holbein-Gymnasium einfach nicht genug Räume", sagt Anne Schuester vom Elternbeirat. Seit Jahren herrsche an der Schule, die über 1100 Schüler besuchen, generelle Raumnot, bestätigt auch Schulleiter Dieter Fiedler. "Wir bräuchten noch vor der Generalsanierung mehr Räume. Vor allem wenn 2025 mit dem Vollausbau des G9 ein Jahrgang dazukommt", sagt er. Derzeit stünden dem Holbein-Gymnasium 6091 Quadratmeter zur Verfügung, informiert Lehrer Thomas Körner-Wilsdorf. Viel zu wenig, denn bereits jetzt müssten 14 Klassenzimmer der benachbarten Ulrichschule genutzt werden, um alle Schüler unterzubringen. Spätestens mit der Realisierung des G9-Zugs bräuchten sie mindestens 1200 Quadratmeter mehr. "Wir platzen jetzt schon aus allen Nähten", betont Schulleiter Dieter Fiedler.

Holbein-Gymnasium: Eltern und Lehrer fragten in Lokalen und bei Museen

Kein leichtes Unterfangen, wenn in Zeiten der Corona-Pandemie Abstände eingehalten werden sollen und für verschiedene Jahrgänge gemeinsamer Präsenzunterricht wünschenswert wäre. Eltern und Lehrer setzten in den vergangenen Wochen alle Hebel in Bewegung, um weitere Räume aufzutreiben, die vom Holbein-Gymnasium fußläufig erreichbar sind. "Wir haben bei Gastronomien angefragt, die derzeit geschlossen haben, bei Pfarrzentren, bei Museen, aber alles ohne Erfolg", sagt Anne Schuester. Das leerstehende Leopold-Mozart-Zentrum komme nicht in Frage, weil ein Fluchtweg fehle, fügt Lehrerin Angela Nüsseler an. "Und für die großen Räume im Hotel Maximilian's oder im Tagungshotel Haus Sankt Ulrich fehlt uns einfach das Budget", sagt sie.

Augsburger Musikschule musste ihren Präsenzunterricht einstellen

Nachdem sich das Bildungsreferat einschaltete, konnten nun zwei große Säle der Sing- und Musikschule Mozartstadt im Zeughaus kurzfristig zur Verfügung gestellt werden. "Normalerweise proben hier große Ensemble wie Chöre, Orchester und Kammerorchester", berichtet Direktor Karl Höldrich. Doch aufgrund der hohen Inzidenzwerte in Augsburg ist der Präsenzunterricht nun untersagt. Für die Sing- und Musikschule sei das eine schwierige Situation. "Aber so haben die Räume wenigstens noch einen Nutzen für die Abiturienten des Holbein-Gymnasiums", sagt Höldrich.

Am Holbein-Gymnasium herrscht eine generelle Raumnot.
Foto: Silvio Wyszengrad (Archivfoto)

Bildungsreferentin Martina Wild (Grüne) freut sich, dass für das Holbein-Gymnasium so eine schnelle Lösung gefunden werden konnte. In Anbetracht der 70 zu betreuenden öffentlichen Schulen in Augsburg sei eine kostenpflichtige Anmietung externer Raumkapazitäten für alle Schulen nicht darstellbar. Wild: "Mit Blick auf die bekanntermaßen angespannte Raumsituation an einzelnen weiterführenden Schulen prüfen wir jedoch, ob im Bedarfsfall für die Abschlussjahrgänge städtische Ausweichräumlichkeiten im Schulumfeld angeboten werden können." Diese Suche sei auch für die Stadt kein leichtes Unterfangen. Die Räume müssten etwa fußläufig erreichbar, gut zu lüften und beheizbar sein, es müssen geeignete Fluchtwege vorhanden und der Zugang müsste mit eigenem Personal gewährleistet sein.

Elternbeirat wünscht sich weitere Räume für 5. und 11. Jahrgangsstufe

Ein Teil der Q12 des Holbein-Gymnasiums werde nun die Säle in der Sing- und Musikschule nutzen. "Andere Schulen weichen mit ihren Abschlussklassen in ihre Turnhalle aus. Das können wir nicht, weil wir eine Seminarschule sind", betont Schulleiter Fiedler. Die Zwölftklässler würden derzeit unter anderem in den Kunst- und Musikräumen der Schule unterrichtet. Anne Schuester freut sich über den Teilerfolg. "Es sind einfach noch zu wenig Räume. Mein Wunsch wäre es, Räume für die 5. und 11. Jahrgangsstufe zu finden. Die Suche geht also weiter."

Auch die Stadt Augsburg sucht Räume fürs Holbein-Gymnasium

Und auch im Bildungsreferat ist die Suche nach Ausweichmöglichkeiten noch nicht abgeschlossen. "Nach Rücksprache mit den Ministerialbeauftragten der Realschulen und Gymnasium sowie dem staatlichen Schulamt befinden wir uns zudem in der Prüfung für Räumlichkeiten für die Abschlussprüfungen im kommenden Frühling. Da uns die Sicherstellung einer guten Prüfungssituation sehr wichtig ist, versuchen wir dafür geeignete Räumlichkeiten zu finden", sagt die Bildungsreferentin.

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