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21.11.2017

Holzkopf wird musterhaft

Katja Schild erzählte von Pinocchio
Bild: Christian Hartmann

Philharmoniker bringen „Pinocchio“ zum Klingen

Nettes Kinderbuch, pädagogischer Leitfaden, gar Entwicklungsroman mit literarischen Dimensionen (wie es Umberto Eco feststellte) – oder einfach fantasiestrotzendes Märchen? „Pinocchio“, die Geschichte des Italieners Carlo Collodi (1826 - 1890) um die „unglaublichen Abenteuer“ der berühmtesten Holzpuppe der Welt, erfreute in der Gersthofer Stadthalle beim Familienkonzert der Augsburger Philharmoniker die kleinen, aber auch ihre begleitenden erwachsenen Zuhörer gleichermaßen. Das von dem Heidelberger Komponisten Martin Bärenz (*1956) geschaffene „Kinder-Melodram“ bringt die acht Stationen der Entwicklung, der in jeder Beziehung störrischen Holzpuppe, bis zum vernünftigen Menschenknaben mit seiner Musik gehörig zum Klingen. Und die Textfassung des bekannten Komikers Herbert Feuerstein war für Katja Schild, die auf Kindertheater spezialisierte Münchner Rezitatorin, Schauspielerin und Sängerin, sozusagen ein gefundenes Fressen.

Und es gibt viel zu fabulieren in der Story, es gilt den unterschiedlichsten Märchenfiguren mit der Stimme akustisch Charakter zu verleihen, sei es dem naiven, leichtsinnigen Pinocchio im Anfangszustand als Holzfigur, die vom Schnitzer Ceppetto in seiner Werkstatt aufgefunden wird und vom ihm mit bester Absicht in die Schule gelotst werden will, oder dem anderen Figurenpersonal vom schnöden Gelichter bis zur sanften Fee mit den blauen Haaren. Da umschleichen ihn die zwielichtigen Kater und Fuchs immer wieder mit gefährlich-hämischer Stimmgestalt, wenn sie ihn auf die schiefe Bahn bringen, ihm sein Geld abluchsen wollen, das Ceppetto zum Kauf von Schulbüchern vorgesehen hat. Da schildert Katja Schild mit anarchischer Gewalt raue See, wenn Ceppetto im Kahn den ausgerissenen Pinocchio sucht und vom Riesenwal verschluckt wird, oder wenn sich Pinocchio fatalerweise dem Eselexpress anschließt wo ihm, wie den andern Kindern, als Zirkussklaven Eselshäute wachsen.

Doch Pinocchio ist nicht nur leichtsinnig und blöde verführbar, er zeigt durchaus auch guten Willen: Er erfährt, dass ihm die Nase nicht mehr unangenehm wächst, wenn er mal nicht lügt. Ein schmerzhafter, aber letztlich zufriedenmachender Prozess: Aus der störrischen Holzpuppe wird ein lieber fleißiger Knabe aus Fleisch und Blut. Nicht zuletzt hilft ihm dabei die sprechende Grille Grico. Deren Ermahnungen, rau aber herzlich, legen Feuerstein und Bärenz sehr modern in die Stimme eines Rappers (Manuel Emme), der mit dem mitsingenden und -trommelnden Kinderchor des Theaters von Station zu Station pädagogisch tut und macht.

Die Musik von Martin Bärenz, in der leitmotivisch Pinocchio natürlich das feine Klappern des Xylofons zugeteilt ist, schildert mit tollen Farben und Rhythmen, mit stimmungsfördernder Tonmalerei das krasse und auch versöhnliche Geschehen. Dirigentin Katsiaryna Ihnatsyeva-Cadek zelebrierte mit den Philharmonikern dieses gefeierte musikalische Märchenfest.

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