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Augsburg

01.06.2015

Hotel-Bienen im Anflug: Imkern in der Großstadt ist Trend

Hoch oben auf dem Dach des Hotels Steigenberger Drei Mohren versorgen Imker Andreas Stiel (Bild) und sein Kollege Christoph Mayer rund 600 000 Honigbienen.
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Hoch oben auf dem Dach des Hotels Steigenberger Drei Mohren versorgen Imker Andreas Stiel (Bild) und sein Kollege Christoph Mayer rund 600 000 Honigbienen.
Bild: Anne Wall

Hundertausende schwärmen neuerdings vom Dach des Drei Mohren in der Maximilianstraße aus. Ihren Honig gibt es bald zu kaufen. Warum Imkern in der Stadt immer mehr Anhänger findet.

An warmen sonnigen Tagen herrscht in der Maximilianstraße besonders viel Verkehr. Nicht unten auf der Straße. Oben in der Luft. Hunderttausende von Honigbienen schwärmen vom Hotel Steigenberger Drei Mohren aus, um Nahrung zu suchen. Seit diesem Frühjahr stehen Bienenkästen auf dem begrünten Dach. Und das Traditionshotel ist nicht der einzige Standort für Bienenvölker mitten in der Stadt.

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Trend hat Augsburg voll erfasst

In vielen Großstädten erlebt das Imkern eine neue Blüte. Nun hat der Trend auch Augsburg voll erfasst. Das Drei Mohren ist das neueste Beispiel. Die beiden Imker Christoph Mayer und Andreas Stiel haben hoch oben auf dem Dach Kästen für zehn Bienenvölker mit rund 600 000 Tieren aufgestellt. Vorsichtshalber sind sie weit weg vom Publikumsgeschehen postiert. Denn es gibt viele Menschen, die Angst haben gestochen zu werden. Stiel beruhigt: Im Normalfall gebe es keine Probleme. Honigbienen seien heute so gezüchtet, dass sie sanftmütig sind, nahe beim Bienenstock bleiben und einen guten Honigertrag abliefern. „Die sind mit sich selbst beschäftigt“, sagt er.

Die Hotelbienen sind nicht die einzigen in der Maxstraße. Nebenan im Schaezlerpalais stehen weitere Bienenstöcke im ehemaligen Hühnerhaus und auf der Dachterrasse. Mayer hat sie dort vor zwei Jahren aufgestellt. Mit den Ergebnissen seiner kleinen fleißigen Honigproduzenten ist er sehr zufrieden. Bis zu 500 Gläser werden pro Jahr in Augsburger Museumsshops verkauft. „Er ist als Mitbringsel bei Besuchern sehr gefragt“, sagt Mayer. In der Stadt sei der Honigertrag etwa doppelt so hoch wie auf dem Land.

Hotel-Bienen im Anflug: Imkern in der Großstadt ist Trend

Tatsache ist, dass sich Bienen heutzutage in Städten oft wohler fühlen. Das mildere Mikroklima kommt den wärmeliebenden Tieren entgegen. In der Stadt finden sie oft ein vielfältigeres Nahrungsangebot als auf dem Land, wo sich Monokulturen wie Raps und Mais immer mehr ausbreiten. Gerade in Augsburg mit seinen vielen Straßenbäumen, Parks und Naturschutzgebieten seien Blüten die ganze Saison über vorhanden, sagen die Imker. Mit Nahrung in Hülle und Fülle seien die Stadtbienen außerdem gesünder als von Monokulturen geschwächte Völker auf dem Land.

Bienensterben "heuer wieder ganz gewaltig"

Entwarnung vor dem allgegenwärtigen Bienensterben gibt es allerdings auch in Augsburg nicht. „Heuer war es wieder ganz gewaltig“, sagt Gerhard Beier, der Imker im Botanischen Garten. Über die Hälfte seiner Völker sind diesmal eingegangen. Schuld ist vor allem die Varroa-Milbe. Ende der 1970er Jahre wurde sie nach Deutschland eingeschleppt. Bekämpft werden dürfe sie nur biologisch, sagt Beier. Zwar gebe es verschiedene Methoden, die Milbe in Schach zu halten. Ein dauerhaft wirksames Mittel gegen den Bienenschädling gebe es aber bis heute nicht.

Schädlinge, Monokulturen, Planzenschutzmittel: Die Umwelt für Bienen ist schwierig geworden. „Die Situation ist mittlerweile dramatisch“, sagt Beier. „Wenn es so weitergeht, gibt es in 20 Jahren keine Imker mehr.“ Deshalb fordert er mehr Schutz für diese Tiere und setzt sich auch selbst dafür ein. Für das Umweltnetzwerk Nanu erklärt er Besuchern im Botanischen Garten das Leben der Honigbienen. Rund 200 Besucher pro Saison nehmen an seinen Führungen teil. Auch Vincent ist mit seiner Mutter Carola Walser gekommen. Warum? „Weil Bienen die Menschheit retten“, sagt der Achtjährige. Er ist schon gut informiert und will noch mehr wissen. Ohne die Bestäubung der Bienen gäbe es keine Früchte und damit kein Obst zum Essen, erklärt er. Viele Menschen in der Stadt interessieren sich inzwischen sehr für das Naturthema.

Die Imker haben keine Nachwuchsprobleme, wie sie sagen. „Zu uns kommen auch immer mehr Leute, die einen Bienenkasten auf ihrem Balkon haben wollen“, sagt Mayer, angefangen beim Arbeiter bis hin zum Akademiker. Auch an mehreren Augsburger Schulen gibt es inzwischen Bienenkästen. So sind an der Centerville-Schule vor Kurzem die „Capito-Bienen“ eingezogen – ein Projekt der Kinderseite „Capito“ unserer Zeitung, die wöchtentlich Wissenswertes über die Insekten berichtet. Solche Bienen werden als praktisches Beispiel auch in den Unterricht integriert.

Hoteldirektorin Anja Bantle freut sich schon sehr auf den ersten Drei-Mohren-Honig. Er wird am Dienstag geschleudert. Der Gedanke des städtischen Imkerns verbunden mit der eigenständigen Herstellung eines Naturprodukts hat es ihr angetan. Im Hotel soll der Honig in die Zubereitung von Speisen einfließen und am Frühstücksbüffet zu haben sein. Demnächst wird er auch an der Rezeption verkauft. Wer will, kann außerdem Bienenpate im Hotel werden und damit gemeinnützige Projekte unterstützen. „Mit dem Bienenprojekt leisten wir einen kleinen Beitrag zum lokalen Umweltschutz“, sagt Verkaufsdirektor Sebastian Werner.

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