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Augsburg

09.10.2015

Hotel Drei Mohren: Wo Kaiser schliefen und Künstler wild feierten

Einen Blick in die Geschichte des Hotels Drei Mohren eröffnet die Chronik von Thomas Wiercinski.
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Einen Blick in die Geschichte des Hotels Drei Mohren eröffnet die Chronik von Thomas Wiercinski.

Eine neue Chronik berichtet nicht nur von der 300 Jahre alten Geschichte des Hotels Drei Mohren. Sie erzählt auch von Gästen wie Clark Gable und Zarah Leander.

Es gibt kuriose Episoden in der Chronik des Hotels Drei Mohren. Etwa als 1985 Country-Sänger Johnny Cash dort übernachtete. Im Rausch traktierte er mit einem Messer nachts seine Zimmertür. „Er hat sie aber im Anschluss bezahlt“, fand Thomas Wiercinski heraus. In den vergangenen knapp vier Jahren hat er für die Chronik des Traditionshauses recherchiert und geschrieben. Gestern wurde sie vorgestellt. „Wir rechneten anfangs damit, dass die Chronik 250 Seiten umfassen wird, nun sind es über 300 Seiten geworden“, sagte Dagmar Waßmann, Vorstand der Drei Mohren AG: „Aber unser Autor hat auch so viel Spannendes herausgefunden, was vorher noch gar nicht bekannt war: etwa, dass die Gebrüder Grimm im Hotel Drei Mohren waren.“ Sie ist froh, nun solch ein umfassendes wie unterhaltsames Werk in den Händen halten zu können.

Der Kaiser kam nach der Wahl

Darin würden die Leser nicht nur viel über das Hotel, sondern auch über die Stadtgeschichte erfahren. So beeindruckte das Drei Mohren seit knapp drei Jahrhunderten durch seine illustre Gästeschaft. Kaiser und Könige fuhren vor der Fürstenherberge vor, die an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt lag. Der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Franz II., legte 1792 wenige Tage nach seiner Wahl zum Kaiser mit seinem großen Tross auf der Rückfahrt einen Stopp im Drei Mohren ein. „Hinter dem Hotel, dort wo heute die Parkgarage ist, war Platz für die Kutschremisen und 120 Pferde“, erzählt Wiercinski.

Auf dem repräsentativen Balkon, der damals noch zur Maximilianstraße hinaus ragte, fand ein Huldigungsakt statt. „Es war eine Art Vereidigung, wo die Bevölkerung ihrem Kaiser Treue schwor“, so der Kunsthistoriker, der auch das Ballonmuseum in Gersthofen leitet.

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Der Mohr, das Wahrzeichen des Hotels "Drei Mohren". Seinen Namen hat es, weil ein Augsburger am heutigen Standort bereits im 15. Jahrhundert drei dunkelhäutigen Menschen Obdach angeboten haben soll.
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Die Geschichte des Hotels "Drei Mohren"
Bild: Silvio Wyszengrad

Auch Casanova war im Drei Mohren

Er hat in den vier Jahren viel gelesen: in alten Gäste- und Hochzeitsbüchern des Hotels, in den Archiven der Stadt und unserer Zeitung. Was er an Informationen zusammentrug, liest sich wie eine spannende Zeitreise. Da ist von Friedrich dem Großen zu lesen, Kaiserin Josephine von Frankreich, Mozart, Casanova, Paganini, Thomas Mann, Zarah Leander, Clark Gable, Loriot oder Michael Gorbatschow, der im Drei Mohren wohnte, als er 2005 den Friedenspreis der Stadt entgegennahm.

Röntgen, Diesel und Zeppelin

Joseph Haydn übernachtete auf dem Weg von Wien nach London in Augsburg, Alexander von Humboldt mit dem Ziel „nach Tibet in Asien“. „Alle Mitglieder des Bayerischen Königshauses waren Stammgäste im Hotel Drei Mohren, bis auf Ludwig II.“, fand er heraus. Wiercinski skizziert in der Chronik den Wandel der Zeit. Denn mit der Industrialisierung kamen andere Gäste ins Haus. Nun zählten viele bekannte Ingenieure und Wissenschaftler zu den Stammgästen des Hotels, etwa Rudolf Diesel. Wilhelm Conrad Röntgen findet sich genauso auf der Gästeliste, wie auch Ferdinand von Zeppelin.

Hotel Drei Mohren: Wo Kaiser schliefen und Künstler wild feierten
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Neueröffnung des Hotels "Drei Mohren" im Jahr 2012
Bild: Ruth Plössel

Aber auch die Augsburger genossen ihre Besuche im Drei Mohren. Der Lichterhof im Inneren des Hauses war ein beliebter Treffpunkt, später wurde daraus der Palmengarten, wo sich die Gesellschaft zum Kaffee oder zum Essen traf. Und es gab auch „verruchte Zeiten“. 1919 bezogen Münchner Kabarettisten zwei Zimmer des Hotels und feierten mit Tänzerinnen und Sängerinnen. „Etliche Abende entgleisten. Der Alkohol floss in rauen Mengen und es ging drunter und drüber“, sagt Wiercinski. Bei der Polizei sammelten sich die Beschwerden über die „schlechten Sitten“, die in das Traditionshaus eingezogen waren. Nach eineinhalb Jahren wurde das „bunte Treiben“ beendet.

„Auffallend ist, dass das Haus immer wieder erneuert und umgebaut wurde“, sagt der Chronist. Durch die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg wurde das Drei Mohren stark zerstört. Doch kurz nach Ende des Kriegs entschlossen sich die Eigentümer, es wieder aufzubauen. Diesmal ohne Lichterhof und Palmengarten, dafür mit einer neuen Zielrichtung: Der Tourismus sollte nun im Vordergrund stehen. Und auch wieder die Feierlichkeiten der Augsburger Gesellschaft. Legendäre Faschingsfeste wurden hier gegeben. Die Perlachia hat seit ihrer Gründung dort ihre Heimstatt.

Stichflamme aus dem Mond

Während der Vorstellung der Chronik erinnerte Oberbürgermeister Kurt Gribl an eine Anekdote, die ihm besonders gefiel. Beim Perlachia-Ball in der Faschingssaison 1988/89 wurde die Städtepartnerschaft mit Dayton gefeiert. „In der Teehalle war eine Mondlandschaft aufgebaut. Um 11.14 Uhr, also mit dreiminütiger Verspätung, kam eine Stichflamme aus dem Mond und das Prinzenpaar trat heraus. Später ritt Fred Rai in die Teehalle“, berichtete Gribl von der heißen Feier.

Nicht alle Gäste hatten übrigens eine angenehme Nacht. Die Schauspielerin Lieselotte Pulver schrieb ins Gästebuch mit einem Augenzwinkern, dass es in der Nacht eine Weltmeisterschaft im Türenknallen im Hotel gegeben hatte und ihr Zimmernachbar dabei gewonnen hätte.

Buch

„Hotel Drei Mohren Augsburg“. Seit 1722, Kaiser Künstler Kaufleute zu Gast. Hirmer Verlag München, 336 Seiten

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