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Augsburg

16.07.2019

Hundehalter wehren sich gegen Leinenpflicht im Stadtwald - mit Erfolg

Für Hunde wird es keine neue Freilauffläche der Stadt und bis auf Weiteres auch keine Leinenpflicht im Augsburger Stadtwald geben. Für die Pläne der Umweltverwaltung gab es keine Mehrheit.
Bild: Charly Höpfl

Eine Leinenpflicht im Augsburger Stadtwald? Viele Hundehalter reagierten empört und wehrten sich gegen den Vorstoß. Dieser Protest war erfolgreich.

Augsburgs Stadträte wurden von E-Mails empörter Hundehalter regelrecht überschwemmt. Die Sitzung des Umweltausschusses war am Montag überfüllt von Besuchern, die daheim einen Hund haben. Anlass waren die Pläne von Umweltreferent Reiner Erben (Grüne), in zwei Jahren eine Leinenpflicht für Hunde im Naturschutzgebiet Stadtwald zu prüfen. Die Protestwelle gegen einen „Leinenzwang“ zeigte nun aber Wirkung.

Wie berichtet, wollte die Stadt zunächst ein neues Angebot für Hundehalter machen. Probeweise sollte am Südende des Siebentischparks eine eingezäunte Freilauffläche für Hunde eingerichtet werden. Das Gelände an der Ilsungstraße sollte rund 9000 Quadratmeter groß sein. Für die Einrichtung kalkulierte die Stadt mit Kosten von rund 10.000 Euro. Der jährliche Unterhalt – unter anderem für das Mähen und Reinigen – sollte etwa 8500 Euro kosten.

Das Angebot für Hundehalter sollte zunächst für zwei Jahre gelten. Nach der Testphase wollte Erben dann aber prüfen lassen, ob sich diese Freilauffläche vor Ort bewährt, oder ob eine Leinenpflicht für Hunde im Stadtwald eingeführt muss, um Wildtiere und Biotope im Naturschutzgebiet besser zu schützen. Nach Angaben des Amtes für Grünordnung gibt es dort immer wieder Probleme mit nicht angeleinten Hunden, die Tiere aufschrecken.

Hundehalter wehrten sich gegen Leinenpflicht in Augsburg

Erbens Pläne sind nun aber vom Tisch. In der Umweltausschusssitzung am Montag liefen rund 40 verärgerte Hundebesitzer auf. Eine Unterschriftenliste gegen „Leinenzwang“ im Stadtwald kursierte. Auch eine Online-Petition wendet sich gegen das Vorhaben. Im Internet wird sogar darüber debattiert, juristisch gegen die Stadt vorzugehen. Mehrere Stadträte berichteten, sie hätten massenhaft Protest-E-Mails bekommen – teilweise auch mit Drohungen.

Der Referent betonte am Montag, eine Leinenpflicht im Stadtwald stehe noch nicht zur Abstimmung, sondern im ersten Schritt nur der neue Hunde-Freilaufplatz. Viele Hundebesitzer würden sich ein solches Angebot der Stadt wünschen. Eine Mehrheit der Stadträte wollte dem Beschlussvorschlag trotzdem nicht folgen. Er wurde mit sechs gegen fünf Stimmen abgelehnt. Das hat Gründe.

Zwar hatten sich die Grünen für den Vorschlag der Verwaltung ausgesprochen. Das FFH-Gebiet Stadtwald müsse erhalten werden und in Einklang mit der Naherholung gebracht werden, so Martina Wild. Die Hunde-Freilauffläche vor Ort sei der Versuch, einen Kompromiss zu erzielen. ÖDP-Stadtrat Christian Pettinger sah das Angebot der Stadt als „eine Art Bewährungsprobe für Hundebesitzer“. Diese müssten ihr Verhalten ändern, um den Stadtwald besser zu schützen.

Eine Verordnung gibt vor, dass Hunde dort nicht unkontrolliert herumlaufen dürfen. Auch Gabriele Thoma (SPD) plädierte dafür, es erst einmal mit der eingezäunten Hundewiese zu versuchen. Nicht alle 8500 Augsburger Hundehalter hätten ihre Tiere im Griff. „Ich habe selber schon zwei Jeans eingebüßt.“

Leinenpflicht-Pläne finden keine Mehrheit in Augsburg

Die Mehrheit im Ausschuss sprach sich aber gegen die Pläne aus. Thomas Lis (Pro Augsburg) vermisste vor allem belastbare Zahlen für eine Entscheidung, um wie viele Verstöße mit Hunden es im Stadtwald geht. Er und andere Stadträte hätten sich Fachleute aus der städtischen Forstverwaltung und des Landschaftspflegeverbandes gewünscht, die eine Einschätzung des Problems geben.

Alexander Süßmair (parteilos) fände es gut, wenn im Naturschutzgebiet kontrolliert würde, um belastbare Fakten für eine Entscheidung zu erhalten. Er und andere Stadträte glauben auch nicht, dass die Hundewiese gut angenommen werden würde. Ähnliche Angebote seien vor Jahren in Kommunen eingeführt worden, wo es eine generelle Leinenpflicht für Hunde gebe. In Augsburg gebe es aber viele andere Möglichkeiten, Gassi zu gehen.

CSU-Stadtrat Peter Schwab kritisierte die geplante Verknüpfung der Hunde-Freilauffläche mit der Prüfung einer Leinenpflicht im Stadtwald. Indirekt sprach er damit an, dass das neue Angebot – sollte es nicht angenommen werden – als Argument für neue Verbote herhalten könnte. „Hier schmeckt der Köder nur dem Angler, aber nicht dem Fisch“, argumentierte er. Schwab ist beruflich Polizist und der Meinung, dass es für den Schutz des Stadtwaldes ausreichend gesetzliche Regelungen gibt.

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17.07.2019

Unser Hund hätte sich über eine große Freilauffläche zum Tollen und Spielen sehr gefreut. Andernorts finden sich solche Freilaufflächen guten Anklang. Zu schade, wenn sie jetzt nicht käme.

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17.07.2019

Es ist schon komisch, wie schnell der Stadtrat einknickt, wenn sich ein paar Hundehalter zusammentun. Anscheinend einzig der parteilose Stadtrat Süßmair traut es sich eine Kontrolle zu fordern.
Meine Erlebnisse mit Hunden im Stadtwald sprechen eine andere Sprache. Wenn Hunde auf jemanden zulaufen bekommt man in den allermeisten Fällen zu hören, dass er nichts macht. Ein Hundetrainer hat mal geschrieben, dass dann der Hund nicht das macht was das Herrchen / das Frauchen will.
Und so etwas wie Hundetraining haben sowieso die wenigsten Hundehalter absolviert, obwohl das sinnvoll wäre.
Dafür schmeisst man die Kotbeutel in der Gegend rum, Abfallkübel stehen ja nur zum Spaß rum.
Kontrollen wären also auch ohne eine Leinenpflicht geboten, aber natürlich nur, wenn sich nicht ein paar Hundehalter darüber aufregen.

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17.07.2019

Leider ist die Debatte (auf allen Seiten wohlgemerkt) von Unsachlichkeiten geprägt. Immer wieder tendenziöse Formulierungen wie "ein paar Hundehalter" (ein paar Tausend trifft es wohl besser), "in den allermeisten Fällen" (wirklich?) oder die "wenigsten Hundehalter" (naja). Die andere Fraktion schreibt gerne von "ein paar Hundegegner" usw. Das bringt doch nichts, zieht sich aber überall durch.

Ich bin von herumfliegenden Kotbeuteln genauso wenig begeistert wie von dem ganzen anderen (Plastik-) Müll, den man im Stadtwald - genauso wie überall sonst - antrifft. Ordnungsgelder für solche Vermüllung verhängen? Gerne! Hat nur eben wenig mit Hunden zu tun, sondern mit dem Problem Mensch.

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16.07.2019

… und interessant auch, dass es ausgerechnet die Grünen zu sein scheinen, die hier Zäune aufstellen wollen und mit Verboten liebäugeln. Ich merke mir das mal bis zur nächsten Wahl. Oder habe ich da etwas falsch verstanden, dann bitte ich um Aufklärung!?

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16.07.2019

Merkwürdig, die CSU ist doch sonst immer für law and order...

Könnte man einmal statistische Zahlen erheben? Z.B. an zwei Sommer-Wochenenden an den Zugangswegen zählen, wie viele (große) Hunde ohne Leine das Stadtwald-Areal betreten? Meine Vermutung als Freizeit-Radler ist, dass das Problem nicht so klein ist wie teils dargestellt.

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16.07.2019

Der Stadtwald ist doch groß, Herr Anan. Und darüber hinaus in weiten Teilen sogar eingezäunt. Da er außerdem stark frequentiert wird, glaube ich nicht, dass sich die Wildtiere in der Nähe der Wege aufhalten. Das tun sie allenfalls in den frühen Morgenstunden und da wird ohnehin keiner eine Leinenpflicht kontrollieren können. Höchstens der Jäger (gibt es solche im Siebentischwald? Aber ich glaube, ich habe noch nie einen gesehen und ebensowenig einen Hochsitz).

Außerdem - man sollte diesen Gedanken ruhig zulassen, sind auch Hunde Tiere und damit 'Natur'. Katzen lässt man frei laufen, obwohl diese auch Vögel und Mäuse fangen. Ein Fuchs sorgt sich auch nicht darum, dass seine Beute im Naturschutzgebiet besondere Ruhe beanspruchen darf. Ich halte die Maßnahme Leinenpflicht aus den genannten Gründen für überzogen.

Gleichwohl sind mir diejenigen von den Hundelhaltern angenehmer, die ihren Hund per Kommando ablegen lassen oder zumindest erfolgreich bei Fuß rufen, wenn man ihnen joggend oder mit dem Rad begegnet als die, die zu faul sind, sich um das Benehmen ihres Tieres zu kümmern und die es nichts anzugehen scheint, wenn es einen anspringt oder kräftig anbellt etc. pp.

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16.07.2019

Alles richtig, Maja S.
Allerdings gibt es auch nicht wenige Radler, die in hohem Tempo die als Gehweg gekennzeichneten Strecken befahren und/oder nicht in ausreichendem Abstand (von hinten) auf sich aufmerksam machen, so dass man überhaupt reagieren kann, und durch diesen Starrsinn Mensch und Hund in Gefahr bringen und auch die Bremse nicht kennen, wohl weil sie das Recht des Stärkeren/Schnelleren für sich geltend machen. Sünder auf allen Seiten.

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17.07.2019

Dazu kommt. dass die Hundebesitzer/innen insbesondere im nördlichen Teil des Stadtwalds unterwegs sind. Und ja, sie jagen auch. EIne Hundebesitzerin sagte mir, ja ihr Hundhabe auch einen Jagdtrieb, aber das sie nicht so schlimm, denn er würde eh nichts fangen. Ich sehe das anders und wir führen unseren Jagdhund (Herkunft Mailänder Tierheim) an der Leine. Ich würde mich über einen Freilaufplatz freuen.

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