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Augsburg

11.02.2017

Hunderte Augsburger protestieren gegen Abschiebungen

Etwa 500 Augsburger haben am Samstag auf dem Moritzplatz gegen die neue Flüchtlingspolitik der Bundesregierung protestiert.
Bild: Silvio Wyszengrad

Der Flüchtlingsrat plädiert unter anderem für einen sofortigen Abschiebestopp nach Afghanistan. Zahlreiche Vereine - darunter der FC Augsburg - unterstützten die Demonstration.

Etwa 500 Augsburger haben am Samstag auf dem Moritzplatz gegen die neue Flüchtlingspolitik der Bundesregierung protestiert. 31 Initiativen und Vereine aus Kultur, Religion, Politik und Sport, darunter der Aufsichtsrat des FC Augsburg, der Regionalverband der Sinti und Roma, VVN Bund der Antifaschisten, Deutsche Friedensgesellschaft, evangelische und katholische Kirche – unterzeichneten den Aufruf zur Demonstration.

Der Flüchtlingsrat, der die Veranstaltung angemeldet hatte, plädiert für einen sofortigen Abschiebestopp nach Afghanistan und für die Einhaltung der Schutzverpflichtungen nach der Genfer Flüchtlingskonvention. Susanne Thoma, Mitglied der Initiative, fordert: „Wir wollen, dass die Stadt langjährig Geduldeten einen dauerhaften Aufenthalt in Augsburg ermöglicht.“

Prominentes Beispiel: Die Abschiebung von Shakib Pouya

Deutschland müsse seine Verantwortung gegenüber den Menschen, die vor dem Krieg in Afghanistan hierher flohen sind, wahrnehmen. Thomas Körner-Wilsdorf vom Vorstand des Beratungszentrums "Tür an Tür" erklärt: „Derzeit werden vorwiegend integrierte Afghanen, die schon mehrere Jahre hier sind, abgeschoben. Das Beispiel von Shakib Pouya soll den Geduldeten in Deutschland und den Menschen in Afghanistan zeigen: Wenn der es nicht schafft, schaffst du es erst recht nicht.“ Auch für die zahllosen Helfer in Augsburg sei diese Praxis ein Schlag ins Gesicht.

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Der Demonstrationszug marschierte zum Rathausplatz, um dort zum Zeichen des Protests Luftballons steigen zu lassen. Die Veranstalter bezeichneten die Kundgebung als Erfolg und als Zeichen, dass die Bevölkerung zunehmend sensibilisiert sei. An den beiden vorangegangenen Antiabschiebungs-Demonstrationen in diesem Winter beteiligten sich jeweils etwa 250 Menschen.

Demonstrationen in sieben bayerischen Städten

Auch in Nürnberg, Kronach, Bayreuth, Memmingen, Amberg und Eichstätt haben am Samstag Menschen gegen die Abschiebung afghanischer Staatsangehöriger in ihr Heimatland demonstriert.

Nach Angaben der Polizei versammelten sich in Nürnberg bis zu 800 Menschen. Initiativen und Verbände forderten deutschlandweit ein Bleiberecht für Schutzsuchende aus Afghanistan mit Verweis auf einen aktuellen Bericht des UN-Flüchtlingshilfwerks, nach dem sich die Sicherheitslage in Afghanistan verschlechtert hat.

Die Angst vor einer Abschiebung sei unter den in Bayern lebenden Afghanen groß. "Die Leute trauen sich teilweise nicht mehr in die Berufsschule", sagte Johanna Böhm vom Bayerischen Flüchtlingsrat. "Wir fordern, dass die Bayerische Staatsregierung diesem Klima der Angst und Panik ein Ende setzt." 

Nach Angaben des Bayerischen Flüchtlingsrates leben derzeit 831 afghanische Staatsangehörige in Bayern, die abgeschoben werden sollen. Die Zahl aller in Bayern lebenden Menschen mit afghanischer Staatsangehörigkeit betrage etwa 19 000. mit dpa

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