1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Hunderte Fujitsu-Jobs in Augsburg werden gerettet

Augsburg

23.04.2019

Hunderte Fujitsu-Jobs in Augsburg werden gerettet

Das Augsburger Computerwerk des japanischen Herstellers Fujitsu wird zwar schrittweise bis September 2020 geschlossen, es können aber einige hundert Arbeitsplätze gerettet werden.
Bild: Andrea Wenzel

Plus Der japanische Konzern Fujitsu schließt zwar sein Computerwerk in der Stadt, will aber einen kleineren neuen Standort im Großraum Augsburg eröffnen.

Seit Februar wurde hart, zum Teil bis in die Nacht hinein verhandelt, jetzt steht fest: Das Augsburger Computerwerk des japanischen Herstellers Fujitsu wird zwar schrittweise bis September 2020 geschlossen, es können aber einige hundert Arbeitsplätze gerettet werden. Wie unsere Redaktion aus Verhandlungskreisen erfahren hat, werden demnach rund 350 von noch knapp 1450 festen Stellen weiter Bestand haben.

Beschäftigte, die bei dem Unternehmen bleiben können, müssen allerdings umziehen. Denn Fujitsu suche dafür, wie es  heißt, einen neuen Standort im Großraum Augsburg. Hintergrund: Die Manager des asiatischen Konzerns bleiben dabei, dass sie das Produktionswerk komplett schließen und den Standort als Ganzes oder in Teilen verkaufen werden. So sucht das Unternehmen für die rund 350 Frauen und Männer an anderer Stelle neue Räume. Auch auf Nachfrage machte der Konzern keine Angaben dazu, welche Beschäftigten in Augsburg weiter eine Zukunft bei Fujitsu haben. Zunächst sollen die Mitarbeiter von Unternehmens- und Arbeitnehmerseite informiert werden. Doch es wird spekuliert, dass sich unter diesen etwa 350 Mitarbeitern viele Fachkräfte befinden, die deutsche Kunden von Fujitsu - etwa Behörden - weiter unterstützen und beraten sollen. Der japanischen Seite war es wohl wichtig, dass bedeutende Geschäftspartner von Experten in ihrer Muttersprache Deutsch betreut werden.

Fujitsu-Konzern will Produktion künftig in Asien bündeln

Fujitsu stellt in Augsburg PCs, Server, Mainbords (Hauptplatinen) und Speichersysteme her. Der Konzern will die Produktion künftig aus Kosten- und Logistikgründen in Asien bündeln. Doch auch wenn das Unternehmen die Fertigung in Augsburg von September 2019 bis September 2020 schubweise dicht macht, besteht Hoffnung auch für Mitarbeiter in der Produktion. Denn wie unsere Redaktion aus verschiedenen Quellen erfahren hat, gibt es mehrere Interessenten für Teile des Standortes. So könnten im besten Fall weitere hunderte Arbeitsplätze gerettet werden. Doch noch sind keine Vereinbarungen mit potenziellen Käufern getroffen worden. 

Auf alle Fälle haben sich damit Informationen unserer Redaktion von November 2018 bestätigt , dass hinter den Kulissen Verantwortliche an einem damals noch geheimen "Plan B" arbeiten und so hunderte Arbeitsplätze erhalten wollen. Die "Variante A" bestand darin, dass nach dem Aus für das Werk alle Jobs in Augsburg wegfallen. Ende 2018 wurde auch diskutiert, dass viele Augsburger Mitarbeiter nach der Schließung des Werkes einen neuen Job bei Fujitsu am Münchner Standort bekommen sollten. Doch nun können sie im Großraum Augsburg bleiben.

Fujitsu-Betriebsratsvorsitzender: "Das war sehr strapaziös"

Am Ende besteht die Chance, dass die Arbeitsplatz-Bilanz aus regionaler Sicht sogar noch besser ausfällt, schließlich gibt es seitens vieler Firmen Interesse an der Übernahme von Fujitsu-Beschäftigten. Ungeachtet dessen haben die Arbeitnehmer- und die Arbeitgeberseite in einem Sozialplan und einem Interessensausgleich ausgehandelt, dass ausscheidende Fujitsu-Mitarbeiter eine Abfindung bekommen sollen. Details wurden hier noch nicht bekannt. Fest steht aber, dass es eine Transfergesellschaft für Beschäftigte, die ihre Stelle verlieren, geben wird. Hier können sich Mitarbeiter weiter qualifizieren, um ihre Chance auf eine neue Tätigkeit bei einem anderen Arbeitgeber zu erhöhen.

Die an den Verhandlungen Beteiligten zeigten sich am Dienstag erleichtert. Mit den Recherchen unserer Redaktion konfrontiert, sagte der Augsburger Fujitsu-Betriebsratsvorsitzende Peter Wagner: "Ich bin sehr froh, dass wir im Raum Augsburg etwa 350 Stellen erhalten konnten. Das ist eine gute Zahl." Dabei seien die Verhandlungen sehr schwierig und zäh gewesen, schließlich hätte sich die Arbeitgeberseite mit ihren deutschen Vertretern immer wieder in Japan rückversichern müssen. "Manchmal haben wir zwölf bis 15 Stunden bis tief in die Nacht hinein verhandelt", berichtete Wagner und fügte hinzu: "Nun bin ich erleichtert. Das war sehr strapaziös." Der 62-jährige Arbeitnehmervertreter arbeitet seit 40 Jahren für die Firma. Seit 20 Jahren gehört er dem Betriebsrat an, davon die letzten fünf Jahre als Vorsitzender.

Einzelheiten des Fujitsu-Sozialplans werden bald bekannt

Auch Repräsentanten der Geschäftsführung zeigten sich zufrieden, dass eine Einigung mit der Beschäftigtenseite erzielt wurde. Rupert Lehner, Zentral-Europa-Chef von Fujitsu, sagte: "Mit dem nun beschlossenen Interessensausgleich und Sozialplan ist ein wichtiger Schritt erreicht, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Klarheit zu verschaffen." Die vereinbarten Regelungen seien ein Beleg dafür, dass Fujitsu den schmerzhaften, aber angesichts der Marktbedingungen erforderlichen Wandel des Unternehmens so sozialverträglich wie möglich gestalte. Und Uwe Romppel, Standortleiter in Augsburg, bedankte sich bei den Arbeitnehmervertretern "für faire und konstruktive Verhandlungen im Sinne der Beschäftigten".  Zudem habe es zahlreiche Unterstützungsangebote durch Politik, Verbände, die Agentur für Arbeit, Unternehmen aus der Region und die Augsburger Allianz für Arbeit gegeben. 

Weitere Einzelheiten des Sozialplans werden ab 30. April bekannt. In den kommenden Wochen könnte sich auch abzeichnen, welche Firmen Interesse an der Übernahme von Teilen des Augsburger Computerwerkes haben. Insgesamt arbeiten für den Standort noch knapp 1750 Frauen und Männer. Zu den 1450 Stammbeschäftigten kommen etwa rund 300 Leiharbeiter hinzu. Was interessant ist: Die befürchtete Abwanderung von Fujitsu-Fachkräften ist weitgehend ausgeblieben. So sollen nur gut 50 Beschäftigte von sich aus das Werk verlassen haben, seit die Japaner am 26. Oktober 2018 die Schließung des Standortes bekannt gegeben hatten.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Japaner zeigen bei Fujitsu am Ende Anstand

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren