1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Hunderte nehmen bei Trauerfeier Abschied von getötetem Feuerwehrmann

Augsburg / Neusäß

14.12.2019

Hunderte nehmen bei Trauerfeier Abschied von getötetem Feuerwehrmann

Der Getötete arbeitete nicht nur bei der Berufsfeuerwehr, sondern engagierte sich auch bei der Freiwilligen Feuerwehr Neusäß.
Bild: Marcus Merk

Familie, Kameraden und Bevölkerung haben bei einem Trauergottesdienst Abschied von dem in Augsburg getöteten Feuerwehrmann genommen. Redner lobten ihn als selbstlosen Menschen.

Mit einem ergreifenden Gedenkgottesdienst haben Familie, Freunde, Feuerwehrkameraden und die Bevölkerung am Samstag Abschied von dem 49-jährigen Neusässer genommen, der vor einer Woche auf dem Augsburger Königsplatz gewaltsam zu Tode gekommen war.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Die Pfarrkirche St. Ägidius in Neusäß war so mit Trauernden gefüllt, dass Besucher des Gottesdienstes stehen mussten. Feuerwehrleute aus dem ganzen Landkreis waren gekommen, um ihrem Kameraden, der bei der Augsburger Berufsfeuerwehr tätig war, die letzte Ehre zu erweisen. Sie saßen in ihren dunkelblauen Ausgehuniformen in den Bänken oder standen in voller Einsatzmontur an den Rändern des Kirchenschiffs.

Hinter dem Altar drängten sich dicht die Fahnenträger der Feuerwehren, die mit ihren bunt bestickten Fahnen und Standarten der Veranstaltung einen stimmungsvollen Rahmen gaben. Vor dem Altar blickte der getötete Feuerwehrmann von einem Porträtfoto mit einem leichten Lächeln in die Menge, neben ihm war sein Helm auf einem roten Tuch aufgebaut – zerschrammt und von vielen Einsätzen sichtbar abgenutzt.

Auch Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl kam zur Trauerfeier für den getöteten Feuerwehrmann.
Bild: Marcus Merk

Trauerfeier für getöteten Feuerwehrmann: Redner loben selbstlosen Einsatz

„Der Helm trägt Gebrauchsspuren von seinem Einsatz für andere“, sagte Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl, der sehr bewegt wirkte. Die Stadt Augsburg sei ihm zu großem Dank verpflichtet und verbunden, so der OB. Viele Menschen würden gerade mit der Familie mitempfinden, wie Gedenkveranstaltungen in der Moritzkirche oder dem Königsplatz zeigten. Das Geschehene mache sprachlos, so der OB. „Eine solche Tat hätte in unserer zivilisierten Gesellschaft niemals passieren dürfen – es muss Grundkonsens sein, dass Gewalt keinen Platz in unserer Mitte hat“, betonte er.

Neusäß Bürgermeister Richard Greiner berichtete von einem Gespräch, nach dem der Feuerwehrmann ihm vor kurzem gesagt hatte, dass er sich jetzt in Neusäß wirklich zu Hause fühle. Er war vor zehn Jahren in die Stadt gezogen und hatte sich in seiner Freizeit ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr Neusäß betätigt. Er habe für seine Familie und sich ein Haus gekauft und dort ein Nest errichtet, in dem sie sich wohlfühlten – noch vor seinem 50. Geburtstag wollte er mit den Renovierungsarbeiten fertig sein.

In einer aktuellen Folge unseres Podcasts erklärt Reporter Stefan Krog die Hintergründe der Tat am Königsplatz – und erzählt, wie Journalisten mit dem Fall umgehen. Den Podcast "Augsburg, meine Stadt" finden Sie auf Spotify, iTunes und überall sonst, wo es Podcasts gibt.

Feuerwehrmann in Augsburg am Königsplatz getötet: "Wir alle verstehen das nicht"

Zufriedenheit, Freude, Begeisterung und Engagement im Einsatz für andere Menschen – so beschrieb ihn Augsburgs Feuerwehrchef Andreas Graber. Wenn es darum ging, anderen zu helfen, habe er immer alles gegeben. Sich für andere einzusetzen, das war sein Leben. „Du warst immer da, stark, engagiert – und jetzt wurdest du plötzlich und ohne Sinn aus dem Leben gerissen. Wir alle verstehen das nicht, und das macht es so schwer“, brachte er die Gefühlslage der Kameraden auf den Punkt. „Wir werden deiner Familie helfen, so wie sie es möchte und wie sie es braucht – so wie du es immer getan hast“, versprach der Feuerwehrchef.

Hunderte Menschen haben am Samstagvormittag von dem bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung in Augsburg getöteten 49-Jährigen Abschied genommen. Der Feuerwehrmann war am Nikolaustag bei einer Auseinandersetzung mit Jugendlichen getötet worden.
Video: dpa

Neusäß Feuerwehrkommandant Christian Kanner berichtete, der Getötete habe seine Kenntnisse als Brandinspektor gerne in der Ausbildung der Kameraden zur Verfügung gestellt und sei auf Wunsch der Mitglieder zuletzt auch im Vorstand der Feuerwehr tätig gewesen. Sein Tod habe eine große Lücke hinterlassen.

Landrat Martin Sailer zitierte Adolph Kolping mit dem Satz: „Die Gesellschaft lebt von Menschen, die mehr tun, als ihre Pflicht“. Dieser Satz habe den Getöteten charakterisiert – er habe nicht nur bei der Berufsfeuerwehr seine Pflicht getan, sondern selbst in seiner Freizeit als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Neusäß Menschen geholfen. Sailer hofft, dass der sinnlose Tod als Denkanstoß dienen könnte. „Wir sollten ihn zum Anlass nehmen nachzudenken, wie wir einer kälter werdenden Gesellschaft entgegentreten können“, so der Landrat.

"Du bist als Retter geboren, Du gingst als Engel"

Nach dem Gottesdienst standen die Fahnenabordnungen der Feuerwehren vor der Kirche Ehrenspalier. In der Kirche bildete sich eine lange Schlange von Menschen, die sich in das Kondolenzbuch für den Getöteten eintragen wollten.

Mit einem besonderen Spruch auf dem Grabstein will sich die Familie verabschieden, sagte Pfarrer Karl Freihalter zum Ende des Gottesdienstes: „Du bist als Retter geboren, Du gingst als Engel.“

Übersicht: Alle Artikel zur tödlichen Attacke in Augsburg auf einen Blick

In einer aktuellen Folge unseres Podcasts erklärt Reporter Stefan Krog die Hintergründe der Tat am Königsplatz – und erzählt, wie Journalisten mit dem Fall umgehen. Den Podcast "Augsburg, meine Stadt" finden Sie auf Spotify, iTunes und überall sonst, wo es Podcasts gibt.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

16.12.2019

Ich glaube, an erster Stelle war er Familienvater, bitte vergesst dies nicht in Euren Berichterstattungen.

Permalink
14.12.2019

Ruhe in Frieden! Als Neusässer und Angehöriger der Stadtpfarrei St. Ägidius wünsche ich der Familie viel Kraft.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren