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Musik

07.04.2012

„Ich bin ein Augsburger!“

Das Augsburger Schaezlerpalais nutzte Regisseur Bernhard Graf, um seine Mozart-Dokumentation mit Spielszenen an Originalschauplätzen zu bebildern.
Bild: Bayerischer Rundfunk

Bernhard Graf vertieft in seinem Film „Mozart – die wahre Geschichte“ bilderreich Amadés Bezug zur Geburtsstadt seines Vaters – die Dokumentation läuft am Ostersonntag im Bayerischen Rundfunk

Viele arbeiten seit Jahren und Jahrzehnten daran, dass Wolfgang Amadeus Mozarts schwäbische beziehungsweise Augsburger Herkunft überall zum Begriff wird: Wissenschaft und Fremdenverkehr, Professoren, Privatgelehrte, Publizisten, Leopold-Mozart-Violinwettbewerb, die hier beheimatete Deutsche Mozartgesellschaft, Magisterarbeiten (Gabriele Krist-Krug), Festivalerfinder (Bernhard Häußler, Mozartiade) und die Regio Augsburg. Nun ist weitere Schützenhilfe hinzugekommen, um Augsburgs unschlagbaren Mozart-Bezug noch mal der Welt ans Herz zu legen. Bernhard Graf, Spezialist beim BR für Kulturdokus, präsentierte im Thalia als Preview „Mozart – die wahre Geschichte“. Am Ostersonntag wird der Film im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt.

Die Deutsche Mozartgesellschaft hatte eingeladen, der Kinosaal war überfüllt, und wohl die meisten Zuschauer waren Mozart-Kenner, wussten mindestens um Vater Leopolds Augsburger Herkunft. Doch Bernhard Graf vertiefte und bereitete das Thema „Mozart und Augsburg“ noch einmal mit liebevoller Mühewaltung und den bewegten Bildern des Films auf. Herausgekommen ist eine Mischung aus penibler Recherche, Auswertung der archivalen Quellen und Bücher – die historische Materie wurde umrankt von Spielszenen, gipfelnd in der legendären Zusammenkunft von Amadé und seinem „Bäsle“ Maria Anna Thekla, den verliebten zwei Wochen im Jahr 1777.

Die Spur der Ahnen führt bis ins 15. Jahrhundert zurück

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Bevor der Abend „Mozart – die wahre Geschichte“ erzählte, war Grafs bereits im kürzlich im TV ausgestrahltes rein dokumentarisches Vorläuferwerk zum Thema zu sehen: „Eingetaucht in die Ewigkeit. Augsburg – die bayerische Mozartstadt“. Dieser Film verfolgt die Verzweigung der Mozart’schen Stammfamilie im Augsburg-schwäbischen Raum bis ins 15. Jahrhundert.

Die Spur der Ahnen führt von den Stauden südlich von Augsburg immer näher heran an die freie Reichsstadt. Wir sind im Jahr 1486: Ändris ist nachweisbar der erste echte Mozart („Motzhart“), der im Weiler Heimberg bei Fischach als kleiner Bauer die Früchte seiner Arbeit beim Reichsabt von Kaisheim abliefern musste. Dessen Sohn Hanns erwirbt in Leitershofen eine Sölde, ist abhängig wie die nächsten Generationen vom Kloster St. Georg. Ende des 16. Jahrhunderts ist es Peter Motzhardt, der nach der bäuerlichen Prägung der Familie als Zimmerer das Fundament der gestalterischen Berufsausrichtung gelegt hat. Entscheidend aber ist der Schritt des David (II.): Ihm gelingt es, 1643 in Augsburg Bürgerrecht und Maurergerechtigkeit zu bekommen. Er steht, als Amadés Ururgroßvater, für den Beginn der Künstlerfamilie Mozart.

Eindrucksvoll weitet sich in der Genealogie die Liste der kreativ-handwerklichen und künstlerischen Mozart-Ahnen aus, mit Baumeistern, Zunftvorstehern, Bildhauern, Schnitzern, Buchbindern. Im Mittelpunkt strahlt der Stern des Baumeisters Hans Georg Mozart, Amadés Urgroßonkel. Er nahm als hoch angesehener Domwerkmeister u.a. Baumaßnahmen am Dom, am Kloster St. Georg vor, gestaltete das Gut Mergenthau, verlieh den Türmen von St. Adelgundis Anhausen, St. Michael Pfersee, St. Blasius Hirblingen Gesicht.

So weit die Aussagen des ersten Mozart-Films von Bernhard Graf. Dieses schöpferische Ahnengeflecht, in dem Pfarrer Florian Geis von St. Georg die Vorprägung des gestalterischen Musikgenies Wolfgang Amadeus Mozart angelegt sieht, ist als historischer Hintergrund mit Archivzitaten und sorgfältig kostümierten Szenen wichtiger Bestandteil im uraufgeführten Dokumentarspiel „Mozart – die wahre Geschichte“.

Darin lässt der Regisseur auch die schrecklichen Seiten der Zeitläufte eine Rolle spielen: Mit Schlachtenszenen der Bauernaufstände in den Stauden, später des Dreißigjährigen und des Spanischen Erbfolgekriegs wird die Geschichte der Mozarts begleitet.

Als Gegenpol spielt die Augsburger Liebesstory von Amadé (dargestellt von Florian Kreis) und dem Bäsle (Sandra Pagany) die Hauptrolle. Sie fand im Herbst 1777 in Augsburg statt, erste Station von Wolfgang Amadés Reise nach Mannheim und Paris, die er mit seiner Mutter unternahm. Sie ist eine der biografischen Schnittstellen, die sein Leben am nachhaltigsten veränderten: die vorläufige Entlassung in Salzburg, wo Leopold zurückbleiben musste, um seine Existenz als Fürsterzbischof Colloredos Salzburger Vizekapellmeister nicht ganz aufs Spiel zu setzen, die Begegnung mit dem Bäsle, die ihn wohl zum Manne reifen ließ, dann der Tod der ihn begleitenden Mutter in Paris, der ihn zutiefst erschütterte.

Das Dokuspiel verzichtet auf erfundene Dialoge

Das Dokuspiel mit dem verliebten Paar Amadeus/Bäsle verzichtet indes auf erfundene Dialoge, stattdessen werden von Sprechern Dokumentzitate und erläuternde Kommentare zum erzählenden Moment, sodass sich die Handlung ohne bemüht dramatisch-literarische Ambitionen entwickeln kann: das in dunklen Augsburger Kneipen (gedreht in der Schlossbrauerei Schmiechen) scherzende Paar, seine Spaziergänge durch Augsburg, die Konzerte im Fuggerhaus, die Begegnung mit dem großen Klavierbauer Johann Andreas Stein, der Besuch in St.Ulrich und Afra, wo auch Leopolds erste musikalische Schritte als Chorbub rückwirkend bebildert wurden, beim Augustiner-Chorherrenstift Hl. Kreuz, beim fürstbischöflichen Hof (Fronhof), der neben Mannheim zu den bedeutendsten europäischen Musikstätten gehörte. Dies alles ist eingefangen in signifikanten Kameraperspektiven, die noch vorhandenes bauliches Augsburger Flair mitteilen, am gelungensten die Kutschfahrt über die Rote-Tor-Wallanlagen.

Viele musikalische Aktionen und Personen werden von Augsburger Musikern und Ensembles dargestellt, darunter der Suevica-Chor, Schulklassen, eine entzückende „Zauberflöten“-Version der Puppenkiste, oder der Organist und Cembalist Peter Bader in mehreren Rollen. Er und die junge Sopranistin Teresa Tiéschky beschließen als Rokokoduo im Schaezlerpalais den Augsburger Mozart-Reigen mit dem „Veilchen-Lied“. Bernhard Grafs Mozart-Hommage scheint mit Wolfgang Amadeus frei nach John F. Kennedy ausrufen zu wollen: „Ich bin ein Augsburger!“ Das ist indes auch faktisch nicht verkehrt, denn Leopold hatte seine Bürgerschaft der Reichsstadt Augsburg gültig auf die Kinder übertragen.

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