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Augsburg

20.08.2018

"Ich liebe meine Arbeit": Dieser Mann leert 800 Tonnen am Tag

Karl Almus (links) ist „Müllkutscher“, wie er es nennt, aus Leidenschaft. Seit über 20 Jahren ist er bei der Müllabfuhr tätig. Er wird auf dieser Fahrt von den Müllwerkern Daniele Joas und Isik Mürsel begleitet.
Bild: Bernd Hohlen

Karl Almus und sein Team leeren täglich Augsburgs Mülltonnen. Auch wenn es in der Fahrerkabine streng riecht, lässt er sich die Freude an der Arbeit nicht nehmen.

Wenn Karl Almus seine tägliche Tour durch Augsburg fährt, dann schaut er nicht auf den Kilometerzähler. Er berechnet seine Strecke anders: in Mülltonnen. 800 Stück muss er jeden Tag mit seinem Lkw ansteuern und deren Inhalt entsorgen. Dann hat er seinen Job erfüllt. Almus ist Lkw-Fahrer beim städtischen Abfallwirtschaftsbetrieb. Oder wie er selber sagt: „Ich bin Müllkutscher.“

Müllabfuhr? Kann das ein attraktiver Job sein? Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen: Der gebürtige Augsburger macht seinen Job bei der Müllabfuhr gerne, und das seit über 20 Jahren. „Ich liebe meine Arbeit“, sagt Almus mit Nachdruck. Und man glaubt ihm das.

Früher einmal hat er eine Lehre als Kaufmann gemacht. Doch Lastwagenfahren hat ihm immer am meisten gefallen. Als Almus heiratete, suchte er einen krisensicheren Arbeitsplatz mit familiengerechten Arbeitszeiten. Den fand er als Lkw-Fahrer beim städtischen Abfallwirtschaftsbetrieb.

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Augsburger Müllabfuhr: "Aufpassen muss man schon"

An diesem Tag ist Almus im Stadtteil Göggingen unterwegs – zusammen mit seinen beiden Kollegen. Die Müllwerker hinten auf dem Lastwagen sind Isik Mürsel und Student Daniele Joas. Er ist in den Sommerferien als Aushilfe bei der Müllabfuhr, um sein Budget aufzubessern. Die Schicht läuft von 6.30 Uhr bis 16.20 Uhr. Die drei Männer sind ein eingespieltes Team. Sie verstehen sich auch ohne Worte. Aber alle drei müssen gut aufpassen. Denn mitten im Verkehrsgewühl einer Großstadt sind Umsicht, viel fahrerisches Geschick und gute Nerven gefragt. Auf den größeren Straßen in Göggingen sind am Vormittag viele Lieferwagen, Pkw und Radler unterwegs. Fast alle haben es eilig, sie kurven um den Mülllaster herum, wenn er neben einer Tonne anhält. Nur wenige warten. Dann wuselt auch noch ein kleiner Junge auf einem Kettcar vorbei. Der ist zwar auf dem Bürgersteig unterwegs, aber dort kaum zu sehen.

Immer, wenn eine schmale Stichstraße kommt, sind die Männer von der Müllabfuhr besonders gefordert. Beim Rangieren ist noch mehr Umsicht und Konzentration gefragt. Almus muss mit seinem Lastwagen rückwärts in Sackgassen oder Innenhöfe hineinstoßen – vorbei an parkenden Autos, Hausmauern und Gartenzäunen. Da kommt es auf jeden Zentimeter an.

Normalerweise würde man bei solchen Manövern schon als Pkw-Fahrer ins Schwitzen kommen. Almus hat Routine und die Ruhe weg. „Aufpassen muss man schon“, sagt er, der Verkehr nehme auch immer mehr zu. Größere Unfälle habe er glücklicherweise aber noch nicht gehabt.

Der Lkw, der rund eine Viertelmillion Euro kostet, ist allerdings auch mit Sicherheitstechnik vollgestopft. Über eine Kamera hat der Fahrer ständig die Müllwerker hinter seinem Fahrzeug im Blick. Wenn die beiden Tonnenleerer auf ihren Trittbrettern stehen, ist der Lkw so programmiert, dass er nicht schneller fährt als Schrittgeschwindigkeit. Rückwärts mit den Müllwerkern hinten drauf fährt das Müllauto aus Sicherheitsgründen gar nicht.

Familien mit begeisterten Kindern als Zuschauer

In der Fahrerkabine riecht es ein wenig streng, wenn draußen die grauen Tonnen in die Lkw-Schüttung geleert werden. Aber richtig schlimm ist es nicht. Und Almus stört es nicht. Ihm ist wichtiger, dass ihm seine Arbeit Freude macht. Und das sei fast immer der Fall, sagt er. „Bei der Müllabfuhr kommt man unter die Leute.“

Wenn Almus mit seinem Mülllaster unterwegs ist, schauen häufig Familien mit kleinen Kindern zu. „Jedes Kind ist begeistert vom Müllfahrzeug“, sagt er. Bei großer Hitze bekommen die Männer von der Müllabfuhr von Anwohnern ab und zu ein Getränk mit auf den Weg. „Manchmal sagt auch jemand einfach danke“, erzählt Almus.

Unangenehmer kann es für ihn werden, wenn die Müllabfuhr in der Augsburger Innenstadt ansteht. Dort gibt es besonders viele enge Gassen. Bei der Tonnenleerung müssen Pkw hinter dem Lastwagen warten. Dann kommt es vor, dass Autofahrer schimpfen. Besonders, wenn sie morgens zu spät aufgestanden sind und es eilig in die Arbeit haben. „Aber da muss man durch“, sagt Almus, „ich kann meinen Lkw ja nicht wegzaubern.“

Nach 800 Tonnen ist die tägliche Tour zu Ende. Insgesamt sammeln 18 städtische Müllautos jährlich 84.000 Tonnen Abfall ein. Das entspricht einem Gewicht von 13.000 Elefantenbullen. Für Almus ist der Tag erfolgreich verlaufen, wenn er seine Arbeit gut erledigt hat. „Ich liebe meine Stadt, und für mich ist es ein gutes Gefühl, wenn ich für Sauberkeit sorgen kann“, sagt er und stellt noch schnell klar: „Ich leiste einen kleinen Beitrag“. Den großen Beitrag für eine saubere Stadt leiste der Abfallwirtschaftsbetrieb.

Almus macht es aber auch zufrieden, wenn er nach der Arbeit einen Schlussstrich ziehen und sich auf seine Familie freuen kann. Bevor er nach Hause geht, duscht er noch schnell im Abfallwirtschaftsbetrieb. Was sagt dann seine Frau zu ihm? „Sie hat sich jedenfalls noch nie beschwert, dass ich streng rieche“, meint Almus – gut gelaunt wie fast immer.

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