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17.03.2016

„Ich will mich nicht um jeden Preis anpassen“

Doris Schilffarth mit den Arbeiten, die sie für ihre Ausstellung im Theaterfoyer ausgesucht hat.
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Doris Schilffarth mit den Arbeiten, die sie für ihre Ausstellung im Theaterfoyer ausgesucht hat.

Das Theater inspiriert Doris Schilffarth schon lange als Künstlerin. Sie setzt sich in ihrem Atelier aber auch mit dem Weltgeschehen auseinander – etwa dem 11. September oder dem Irak-Krieg

Zum dritten Mal wird für die Augsburger Malerin, Grafikerin und Illustratorin Doris Schilffarth das Theaterfoyer zur Bühne für ihre Leinwandbilder, Aquarelle und Tuschezeichnungen. Sinnfällig deshalb der Titel „Die ganze Welt ist eine Bühne“, zu dem Laudator Erich Payer auf der Vernissage am morgigen Freitag um 17.30 Uhr einiges zu sagen hat.

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Vor Jahrzehnten war als erster Intendant Helge Thoma überzeugt davon, dass Schilffarth-Arbeiten gut ins Ambiente des Großen Hauses am Kennedyplatz passen. Hinzu kam, dass der damalige Herausgeber der Wochenzeitung Neue Presse, Walter K. Schilffarth, seine Theaterkritiken lieber mit den vor Ort entstandenen Skizzen seiner Ehefrau Doris statt mit Szenenfotos bebilderte. Auch Augsburgs Vorgänger von Intendantin Juliane Votteler, Dr. Ulrich Peters, stellte Schilffarth-Theaterbilder aus. Seit einigen Jahren verpflichtet Ballettdirektor Robert Conn die Grafikerin für Plakatentwürfe seiner Ballettproduktionen (zuletzt für „Romeo und Julia“ und „Hamlet“). Das gab den Anstoß zur aktuellen Schau.

Schilffarths Bekanntheit und Präsenz (mit Auszeichnungen und Preisen verbunden) lässt sich aber nicht nur darauf reduzieren, dass sie Tanz und Bewegung mit sicherem Strich in Szenenbildern festhält. Doris Schilffarth setzt sich in ihrer Arbeit immer wieder mit Literatur, gerne mit Versen von Bertolt Brecht (im Theater zu sehen), und mit dem aktuellen Weltgeschehen auseinander. In diesen Kontext gehört ihre Reaktion auf den Terrorangriff vom 11. September 2001 in New York. Sie hatte im Autoradio die Nachricht gehört und musste unmittelbar nach der Ankunft in ihrem Atelier das Geschehen auf einer Leinwand verarbeiten. Dieses Bild hängt nicht im Theaterfoyer, auch nicht ihr Bild „Totentanz“, mit dem sie an den Beginn des Irak-Kriegs erinnert hat, doch ist geplant, die Arbeiten 2017 in einer Retrospektive zu zeigen.

„Ich will mich nicht um jeden Preis anpassen“

Zur Person Doris Schilffarth gehört ihre Direktheit. Sie beteiligt sich seit Jahren nicht mehr an jurierten Gemeinschaftsausstellungen, wehrt sich gegen den kommerzieller werdenden Kunstbetrieb und sagt: „Ich will mir treu bleiben, mich nicht um jeden Preis einem Mainstream anpassen, der gerade als ‚richtungsweisend‘ gilt.“ Diese Unabhängigkeit in Sachen Kunst hat sie von ihrem Vater, dem unvergessenen Hermann „Harry“ Fischer, gelernt. Dieser wurde als Dozent und Landschaftsmaler in Augsburg geradezu verehrt. Seine Landschaftsmotive inspirieren seine Tochter; Impressionen ihrer fränkisch-schwäbischen Heimat und ihres Ferienwohnsitzes in der Südsteiermark hat sie malerisch erfasst. In dem Weingebiet Südsteiermark ist die gebürtige Würzburgerin dazu noch als Grafikerin gefragt; auf Etiketten edler steirischer Weinsorten „klebt“ oft ihr unverwechselbarer Strich.

Zurück zum Theater. Vom Kennedyplatz ist es nämlich nur ein kurzer Fußweg zum Café Dichtl in der Maximilianstraße, wo bereits Ende Februar eine Doris-Schilffarth-Schau mit einem Spezialthema ihres Oeuvres eröffnet wurde. In „Commedia dell’Arte“ tanzen Masken und die Figuren der Stegreifszenerien auf dem Malgrund. Bis heute ist Doris Schilffarth begeistert von dieser italienischen Theaterform; das demonstriert sie im Kaffeehaus.

Zu sehen sind die Präsentationen im Theaterfoyer und im Café Dichtl zu den Öffnungszeiten.

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