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Augsburg

08.06.2020

"Idioten-Rennen" in der Maxstraße: Konsequenzen für Autoposer?

Unnützes Hin- und Herfahren ist verboten. Unlängst fand in der Maximilianstraße eine Kontrolle statt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Der neue Bußgeldkatalog bestraft nicht nur Temposünder stärker. Auch „unnützes Hin- und Herfahren“ kostet mehr. Das wirkt sich wohl auf die Maxstraße aus.

Wummernde Bässe, aufheulende Motoren, quietschende Reifen – Anwohner in der Maximilianstraße sind von dieser Geräuschkulisse seit vielen Jahren genervt. Immer wieder nutzen Autofahrer Augsburgs Prachtmeile, um vor Publikum zu zeigen, was sie unter der Motorhaube haben. Nach dem neuen Bußgeldkatalog kann das „unnütze Hin und Herfahren“ jetzt allerdings ziemlich teuer werden. Anwohner monieren, es bräuchte dazu mehr Kontrollen. Eine fand unlängst statt.

Neuer Bußgeldkatalog: Autoposer müssen mehr zahlen

Auf die vier Autofahrer an einem Mittwochabend Ende Mai in der Maximilianstraße hatte ein Zeuge die Polizei aufmerksam gemacht. „Die Fahrer wurden beobachtet, wie sie teilweise mit quietschenden Reifen und aufheulendem Motor anfuhren“, bestätigt Polizeisprecher Michael Jakob auf Nachfrage. Die Polizei kontrollierte die Fahrer im Bereich des Ulrichsplatzes und beanstandete deren Fahrweise. Im neuen Bußgeldkatalog sind die Strafen nicht nur für zu schnelles Fahren erheblich angestiegen. Auch sogenannte Autoposer werden jetzt stärker zur Kasse gebeten.

Dabei handelt es sich um Autofahrer, die mit ihrem Fahrzeug auffallen wollen und dafür meist unnötigen Lärm erzeugen. Oftmals sind die Autos getunt. Nach dem neuen Bußgeldkatalog müssen Autofahrer für unnötigen Lärm nun 80 Euro statt wie bisher 10 Euro zahlen. Die Strafe für unnützes Hin- und Herfahren innerorts wurde von 20 Euro auf 100 Euro angehoben. In Augsburg hat die Polizei dazu bislang keine gezielten Kontrollen durchgeführt. Das hat einen Grund.

Was Augsburger Polizei zu Kontrollen sagt

„In der Innenstadt war derartiges Hin- und Herfahren vor allem im Zusammenhang mit dem Nacht- und Partyleben zu beobachten. Das war die letzten Monate natürlich eingeschränkt“, erklärt der Polizeisprecher. Bislang sei in diesem Jahr der Tatbestand nur einmal angezeigt worden. Aber die Polizei werde hier die weitere Entwicklung beobachten.

„Wir werden dies im Rahmen der polizeilichen Präsenz im Innenstadtbereich mit ihrer Partyszene schwerpunktmäßig überwachen, aber auch an bekannten Treffpunkten der Tuningszene.“ Jakob denkt hier etwa an Großtankstellen, wo sich die Autonarren gerne treffen. Der Polizeisprecher glaubt, dass der aktuelle Bußgeldsatz abschreckend wirken dürfte. Das kann sich auch Wolfgang Doßmann vorstellen. Trotzdem hat der Anwohner und Vorsitzende der „Aktionsgemeinschaft Maximilianstraße“ erhebliche Zweifel, denn dazu müsste die Polizei seiner Meinung nach viel stärker kontrollieren.

Die Polizei kontrollierte in der Maximilianstraße unlängst vier Autofahrer, die dort auch lautstark umherfuhren.
Bild: Wolfgang Feldmayer

„Allein mit Appellen an die Vernunft erreicht man nichts.“ Doßmann sagt, er spreche aus Erfahrung. Er wohnt seit 55 Jahren mit seiner Familie in der Maximilianstraße. Das ist ein langer Zeitraum, um die Entwicklung der Prachtmeile zu beobachten. Das Problem der Autoposer und Raser habe es schon immer gegeben, sagt Doßmann. Aber es werde schlimmer.

Maxstraße war schon einmal nachts für Verkehr gesperrt

„Was ich da schon alles an vermeintlichen Maßnahmen erlebt habe ...“ Der Augsburger, der sich mit der Aktionsgemeinschaft seit 18 Jahren für die Maximilianstraße und ihre Anwohner einsetzt, winkt ab. Er denkt etwa an die nächtliche Sperrung, die im Jahr 2003 für ein paar Monate ausprobiert wurde. Damals waren zwischen 22 und fünf Uhr morgens Autofahrer von der Maxstraße ausgesperrt. Anlieger waren davon ausgenommen. Das Konzept hielt allerdings nicht stand.

Ein paar Jahre später sei das Tempolimit 20 eingeführt worden. „Doch die Einhaltung wird kaum überprüft“, kritisiert er. „Die Polizei schiebt es auf die Politik, die Politik auf die Polizei.“ Zudem fielen die Tempo-20-Schilder Autofahrern oft nicht auf. Über die Jahre, so ist seine Beobachtung, habe das Problem mit den Autoposern zugenommen. „Die Autos sind PS-stärker und aufgemotzter als früher.“ Auch Anwohner Wolfgang Feldmayer hat die Autos, die lautstark über das Kopfsteinpflaster der Maximilianstraße fahren, satt.

Augsburger Anwohner: "Die Maxstraße wird als Bühne genutzt"

„Dicke Reifen, laute Auspuffe – die Maximilianstraße wird als eine Bühne genutzt“, beobachtet er seit vielen Jahren. Zum Teil würden hier die Autos bis auf 80 Stundenkilometer beschleunigen. „Aber seit Jahren passiert nichts.“ Lediglich die Geschwindigkeitsanzeigen, auf denen sich je nachdem ein lachendes oder ein trauriges Gesicht zeigt, hätten Wirkung gezeigt. „Sie waren vorletztes Jahr vorübergehend angebracht“, erinnert sich Feldmayer.

Ein beliebter Treffpunkt in der Maxstraße: der Herkulesbrunnen. Vor so viel Publikum drehen manche Autoposer besonders gerne auf.
Bild: privat

Er setzt auf die neue Regierung um Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) und deren Pläne für eine autofreie Maximilianstraße und Altstadt. „Eine abendliche Schließung der Maxstraße wäre wirklich sinnvoll. Denn diese ,Idioten-Rennen‘ braucht niemand.“ Überhöhte Geschwindigkeit ist problemlos festzustellen, aber ab wann liegt „unnützes Hin- und Herfahren“ vor?

„Das erfordert die konkrete und tatsächliche Belästigung anderer durch Lärm oder Abgase bei ständiger Benutzung derselben Straßenzüge ohne vernünftigen und verkehrsbezogenen Grund“, erklärt Polizeisprecher Michael Jakob. Die vier BMW-Fahrer von besagtem Mittwoch wurden unter anderem wegen Lärmbelästigung durch das Aufheulen von Motoren angezeigt, heißt es vonseiten der Polizei. Und einen ordentlichen Anpfiff haben sie am selben Abend auch noch kassiert. Nicht von der Polizei, sondern von Gastronom Harry Winderl.

Augsburger Gastronom schimpft mit Autoposern

Der war zufällig Augenzeuge geworden. „In den letzten 15 Jahren fallen diese Jungs unter die Top 3, was die Gefährdung angeht“, erzählt Winderl. „Die Autos schlingerten herum. Das war richtig gefährlich, sie schlugen nach rechts und links aus.“ Ihn habe das so wütend gemacht, dass er sich die Fahrer verbal zur Brust nahm. „Ich sagte ihnen, wie asozial ich ihr Verhalten finde. Sie gefährden damit andere Menschen und außerdem auch das Nachtleben in der Maxstraße.“ Denn je mehr sich solche Leute so benehmen, desto restriktiver werde die Politik“, befürchtet er.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Eine echte Chance für die Anwohner in der Maxstraße

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