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Augsburg

14.02.2019

Ihr Herz schlägt für die Synagoge Kriegshaber

Barbara Staudinger (links) und Souzana Hazan stehen im Betsaal der ehemaligen Synagoge Kriegshaber. Ihr gemeinsames Ziel: Sie wollen den zweiten Standort des Jüdischen Museums noch stärker ins Bewusstsein der Bürger rücken.
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Barbara Staudinger (links) und Souzana Hazan stehen im Betsaal der ehemaligen Synagoge Kriegshaber. Ihr gemeinsames Ziel: Sie wollen den zweiten Standort des Jüdischen Museums noch stärker ins Bewusstsein der Bürger rücken.
Bild: Annette Zoepf

Barbara Staudinger und ihre Mitarbeiterin Souzana Hazan wollen den zweiten Standort des Jüdischen Museums noch bekannter machen. Mit dem Thema „Kinder auf der Flucht“ gehen sie auch auf die Straße.

Die ehemalige Synagoge Kriegshaber fällt inmitten der sie umgebenden Häuser auf den ersten Blick nicht sonderlich auf. Dennoch rückt der zweite Standort des Jüdischen Museums immer mehr ins Bewusstsein der Menschen. „Kürzlich am Sonntag kamen 47 Besucher zu unserer Führung“, sagt Mitarbeiterin Souzana Hazan. Barbara Staudinger, die neue Leiterin des Jüdischen Museums, hört das mit Freude. Denn für sie ist das Haus in der Ulmer Straße 228 viel mehr als ein Anhängsel. „Ich habe mich während meiner Forschungszeit viel mit der jüdischen Geschichte Kriegshabers auseinandergesetzt“, sagt sie. Dies habe wohl mit den Ausschlag gegeben, dass sie als Nachfolgerin von Benigna Schönhagen mit der Leitung des Jüdischen Museums betraut wurde.

Synagoge Kriegshaber vor fünf Jahren wiedereröffnet

Wenn die Wienerin den ehemaligen Betraum der Stadtteil-Synagoge betritt, huscht ein Lächeln über ihr Gesicht. Die Synagoge Kriegshaber sei wunderschön saniert worden, „nicht wie in anderen Orten, wo die Geschichte weggebügelt wurde.“ Nach mehrjähriger Renovierung wurde sie 2014 wiedereröffnet. Das fünfjährige Bestehen ist für Staudinger Anlass, das Museum bekannter zu machen. Zusammen mit Hazan und ihrem Team hat sie eine Reihe von Ideen entwickelt, um ihr Versprechen einzulösen, das Haus mehr in der Öffentlichkeit zu verankern.

Dazu zählen zunächst einmal ausgedehntere Öffnungszeiten. Denn regulär ist der Standort Kriegshaber nur donnerstags von 14 bis 18 Uhr und einmal im Monat sonntags von 13 bis 17 Uhr zugänglich. Während der aktuellen Sonderausstellung „Das Fremde ist nur in der Fremde fremd“ steht die Tür Mittwoch bis Freitag von 14 bis 18 Uhr offen, zusätzlich an diesem Sonntag von 13 bis 17 Uhr. Mittelfristig sei es das Ziel, auch außerhalb von Sonderveranstaltungen mehr Besichtigungszeiten anzubieten. Für angemeldete Gruppen ist das bereits heute möglich. Auch wenn es nicht von heute auf morgen gehe, „wir wissen, wo wir hinwollen“, sagt Staudinger.

Ihr Herz schlägt für die Synagoge Kriegshaber

Im Sommer jedenfalls will die Historikerin mit dem Museum in Kriegshaber „raus auf die Straße“. So werde die Ausstellung zu Kindertransporten in der NS-Zeit mit Projektionen im öffentlichen Raum untermalt. Außerdem stehe sie in Zusammenhang mit der Refugee Week. „Wie viele Flüchtlingskinder leben hier in Augsburg, die auch an einem fremden Ort angekommen sind wie damals die jüdischen Kinder“, sagt Staudinger. Und weil für viele Flüchtlinge der Verein Tür an Tür mit seinen Angeboten eine große Hilfe ist, spielt sich ein Teil des Vernissagen-Programms auch im Café im ehemaligen Straßenbahndepot am Senkelbach ab.

Synagogen-Räume können auch gemietet werden

Wieder zurück zum Standort in Kriegshaber: Die Räume dienen nicht nur als Museum, sondern können auch für Veranstaltungen gemietet werden. So sei hier kürzlich ein Geburtstag mit einem Klezmer-Konzert gefeiert worden, sagt Souzana Hazan. Freilich müsse das Ereignis in den hauseigenen Terminkalender passen und mit der Würde des Raums vereinbar sein. „Essen und Trinken sind im Betsaal und auf der Empore tabu.“

Fast 300 Jahre lang war die Kriegshaber Synagoge das Zentrum für die Juden

In erster Linie geht es den Besuchern ja auch darum, in die Geschichte des Judentums einzutauchen und zu erfahren, welche Rolle Kriegshaber für jüdische Menschen spielte – und immer noch spielt. Barbara Staudinger denkt an „eine Dauerausstellung mit Variationen“. Außerdem können die Besucher demnächst im Foyer die Geschichte der Synagoge in der Ulmer Straße nachlesen. Sie ist das älteste erhaltene (ehemalige) jüdische Gotteshaus in Schwaben. Fast 300 Jahre lang war die Synagoge in dem damals noch selbstständigen Kriegshaber das Zentrum für die Juden, denn nach Augsburg durften sie nicht.

Die Sonderausstellung „Das Fremde ist nur in der Fremde fremd“ zeigt Arbeiten von Studierenden der Kunstpädagogik an der Uni Augsburg. Sie läuft bis 8. März. Nähere Informationen dazu und zu allen anderen Angeboten der beiden Jüdischen Museen gibt es unter www.jkmas.de.

Lesen Sie dazu auch: Die neue Leiterin will das Museum auf die Straße bringen

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