Autorin in Augsburg

27.12.2012

Ihr erster Fall

Die gebürtige Berlinerin Katrin Jacob hat sich in Augsburg verliebt. Ihr erster Krimi spielt unter anderem im Oberhauser Gaswerk.
Bild: Anne Wall

Kathrin Jacob hat ihren ersten Augsburg-Krimi „Versteckt und zugenäht“ veröffentlicht. Die Hauptfigur ist Mutter, Journalistin und trägt ein Hörgerät – wie sie selbst

Von Miriam Zissler

Das mit Augsburg, das war Liebe auf den ersten Blick, da hat sich die gebürtige Berlinerin gleich wohlgefühlt. „Den Dialekt finde ich niedlich“, sagt sie und lacht. Seit 14 Jahren lebt Katrin Jacob in Augsburg und das ebenfalls der Liebe wegen. Ihr Mann, den sie im Studium in Leipzig kennenlernte, wollte zurück in seine Heimat. Der Rieser fand hier Arbeit, sie ging mit. Die Journalistin hat nun ihr erstes Buch veröffentlicht. Und es ist auch so etwas wie eine Liebeserklärung: Es ist ein Krimi, ein Augsburg-Krimi.

Aber der Reihe nach: Nach ihrem Abitur will die Ostberlinerin Lehrerin werden. Doch das geht nicht. Sie fällt in der DDR durch den Gesundheitstest. „Ich bin auf dem linken Ohr taub. Ich hätte in einem Klassenzimmer nicht orten können, welches Kind gerade ratscht“, sagt sie. Zuerst bricht eine Welt für sie zusammen, Lehrerin werden, das wäre ihr Traum gewesen.

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Doch schon bald lebt sie einen neuen Traum. Durch Dreharbeiten an ihrer Schule erhält sie Einblick in das DDR-Fernsehen, kann dort nach dem Abitur volontieren. „Wir haben Zirkussendungen gemacht oder Sendungen über Heimatmusik. Eine hieß ,Auf Schusters Rappen‘“, sagt sie. Viel habe sie dort von der Pike auf lernen können.

Sie will aber noch mehr lernen und studiert nach der Wende Journalismus in Leipzig. Ans Schreiben denkt Jacob zu dieser Zeit noch nicht. Spannende Jahre hat sie direkt nach der Wende in Leipzig hinter sich, als sie das Angebot einer Fernsehproduktionsfirma annimmt. Es geht für die heute 43-Jährige nach Köln.

Dort arbeitet sie für die Firma, die heute „DSDS – Deutschland sucht den Superstar“ produziert. „Wir haben damals ,Hast Du Worte‘ mit Jörg Pilawa gedreht“, sagt sie. Nach ein paar Jahren wird sie schwanger, zieht mit ihrem Mann nach Augsburg, kümmert sich die ersten beiden Jahre um Töchterchen Tabea und lernt Augsburg kennen. „Ich war ja zuvor noch nie da. Ich kannte es vor allem wegen Bert Brecht, der ja in der DDR immer ein großes Thema war“, sagt sie. Sie findet Gefallen an der Stadt, in der sie alles fußläufig erledigen kann. „Ich habe hier alle Geschäfte, die ich brauche, Theater und Kino, und die Ruhe und Muße, die mir in einer Großstadt fehlen würde.“

Nach einer zweijährigen Elternpause beginnt sie tatsächlich mit dem Schreiben. Zwar noch nichts Kreatives, aber zumindest eine Abkehr vom Fernsehen. „Nach so vielen Jahren wollte ich einfach etwas anderes machen.“ Sie arbeitet als freie Mitarbeiterin für den Online-Dienst eines Fachmagazins. Dort schreibt sie Nachrichten, tagein, tagaus. Das wird sie bald leid, beginnt Gedichte auswendig zu lernen, um „geistig nicht zu verarmen“. Bald schreibt sie Kurzgeschichten.

Und sie findet Gefallen daran, will noch mehr. An der Volkshochschule besucht sie den Kurs „Krimi-Schreiben“, arbeitet an ihrem Text und wird motiviert, dranzubleiben. Das Ergebnis kann sie jetzt in ihren Händen halten. „Versteckt und zugenäht“ heißt der erste Fall von Charlotte Schwab. Das ist ihre Protagonistin, die nicht etwa eine Kommissarin ist. Sie ist Journalistin, trägt ein Hörgerät und hat eine Tochter. „Natürlich gibt es Parallelen zwischen uns und dann auch wieder nicht. Ich rauche beispielsweise nicht“, sagt Katrin Jacob.

Darum geht es in ihrem Krimi: Nicht nur die beste Freundin von Charlotte Schwab, die Designerin Sara Blair, verschwindet spurlos, auch deren Kollektion ist plötzlich weg. Die Lokalreporterin ermittelt. Es ist keine blutige Geschichte. Katrin Jacob sagt. „Mir ist die Spionage viel wichtiger. Im Grunde bin ich leicht Stasi-geschädigt. Vielleicht ist mein Interesse deshalb so groß.“

Nun geht es vorerst nicht nach Berlin, Leipzig oder Köln. Bei der anstehenden Lesereise sind es kleinere Orte, die die 43-Jährige anziehen. Ismaning, Adelsried oder Stadtteile wie Pfersee und Göggingen. Mit dem Unterschied, dass sie dort nun ihr eigenes Buch vorstellen kann, sich über die ersten positiven Reaktionen freut. „Ich hoffe, dass den Leuten mein Buch gefällt und ich weitermachen kann. Ich habe bereits weitere fünf Fälle im Kopf.“

 

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