Newsticker

Lauterbach: Bundesregierung soll Signal gegen angekündigte Lockerungen in Thüringen setzen
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Im Ausland gesammelte Erfahrung

Augsburg

09.11.2017

Im Ausland gesammelte Erfahrung

Patricia Büdinger
3 Bilder
Patricia Büdinger

Berufs-Bildungszentrum der Lehmbau-Gruppe für Augsburg und Schwaben eröffnet Perspektiven durch Praktika in Spanien, Italien und Deutschland. Was der Austausch im Europa-Projekt den Teilnehmern gebracht hat.

Selbstbewusst und weltoffen ging Sarah Pfeifer ihre berufliche Veränderung an. Zunächst kehrte die 28-Jährige einem Lebensmittelmarkt in Augsburg den Rücken, unterzeichnete einen Auflösungsvertrag beim Arbeitgeber und schloss sich dem EUdoku-Projekt des Beruflichen Bildungszentrums (BBZ) in Spanien an. Was die junge Frau auf keinen Fall wollte, das war, in Hartz IV abzugleiten. Deshalb habe sie sich von Anfang an gesagt: „Ich nehme mir ein Jahr Auszeit, dann ist es auch gut.“ Inzwischen hat sie zu Hause beruflich Fuß gefasst und sich der Dinge entledigt, die ihre Energie fraßen.

Die Pferseerin fand einen neuen Arbeitsplatz im renommierten Geschäft Nr. 7 in der Steingasse. Inmitten von Tabakwaren und erlesenen Spirituosen kann sie nun auch wieder das leben, was sie einmal gelernt hat: Einzelhandelskauffrau. Dabei ist es laut Projektleiterin Patricia Büdinger aus Hochzoll-Nord durchaus nicht so, dass die Teilnehmer an EUduko zielgerichtet dort weitermachen müssen, wo sie vor ihrem Praktikum in Spanien, Italien oder Deutschland aufgehört haben. Denn EUduko will berufliche Perspektiven durch Auslandsaufenthalte in Europa eröffnen.

Gestärkt hervorgegangen

Im Ausland gesammelte Erfahrung

Laut Patricia Büdinger kann es durchaus spannend sein, mal sein bekanntes Umfeld zu verlassen, in etwas Fachfremdes reinzuriechen oder auf Lebensmittel etwas ganz anderes folgen zu lassen. Ihre in Spanien gemachten Erfahrungen haben Sarah Pfeifer, wie sie es schildert, irgendwie stärker gemacht. Zunächst war sie mit anderen Teilnehmern des Projekts in einer von zwei WGs in Galizien untergebracht. Dabei zeigte sich, dass diese Wohnform nicht unbedingt die ihre ist. „Verstanden haben wir uns alle“, sagt sie, „doch es waren einfach die Umstände.“ So wie sie es beschreibt, hält es mit Ordnung oder Sauberkeit eben jeder etwas anders. Mittlerweile wurde nach Auskunft der Verantwortlichen das Wohnkonzept geändert. Statt in Wohngemeinschaften sind die Praktikanten nun im Studentenwohnheim in eigenen Zimmern untergebracht.

Nach Auskunft von Patricia Büdinger und Veronika Wobser, Verantwortlich für das begleitende berufliche Coaching, „geht es in diesem Projekt darum, durchzuhalten, Struktur zu haben, diszipliniert zu sein“. Zwischen 40 und 50 Teilnehmer hätten das Projekt bereits durchlaufen, wobei etwa 65 Prozent wieder ins Berufsleben oder eine Ausbildung zurückgekehrt sind. Finanziert wird der Auslandsaufenthalt vom Europäischen Sozialfonds (EFS) und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Das Berufsbildungszentrum Schwaben kooperiert dabei mit den Job-Centern in Augsburg Stadt und Land sowie darüber hinaus, etwa im Wittelsbacher Land und im Allgäu. Hilfestellung bei der Vermittlung der spanischen Praktikanten leistet unter anderem Ulrico Ackermann vom Freiwilligenzentrum. So bekam Ramiro Benítez Fernández nach Studien der Fotografie in der Heimat die städtischen Medienstelle zugewiesen.

Ramiro und der Nahverkehr

Während Sarah in Spanien in einem Pflanzenlabor tätig war, hilft Ramiro, 23, an seinem Praktikumsplatz bei Bildauswahl und -bearbeitung. Den zweiten Monat lebt er jetzt mitten in der Stadt – genauer in der Frauentorstraße bei Kolping und ist angetan vom öffentlichen Nahverkehr, den er als „sehr bequem“ empfindet. Ramiro drückt sich noch lieber auf Englisch als auf Deutsch aus. Am einfachsten ist es natürlich trotz Intensiv-Sprachkurs, sich in der Muttersprache mitzuteilen und von Patricia Büdinger übersetzen zu lassen. Gut gefallen hat ihm demnach das System der Jugendzentren vor Ort.

Auch kulturell wird den Gästen einiges geboten. Wie Patricia Büdinger und Veronika Wobser erzählen, stand unter anderem der Hochseilgarten in Haunstetten oder die Lechhauser Kirchweih auf dem flankierenden Programm. Und auch zur kalten Jahreszeit ist für die Besucher zwischen 15 und 35 Jahren etwas geboten: „Jetzt erleben sie noch ein paar Tage Christkindlesmarkt.“ Am 20. November beginnt die sechswöchige Vorbereitungsphase für diejenigen, die im Januar nach Sevilla aufbrechen. Die Idee: Sie sollen ihre Chancen auf einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz erhöhen, ihre Fachkenntnisse verbessern und Auslandserfahrung sammeln. Während sich die Teilnehmer sechs Wochen auf das Abenteuer vorbereiten, werden die Erlebnisse nach Rückkehr drei Monate nachbereitet.

Beim Besuch im Jobcenter

Sarah Pfeifer war in Spanien einen Teil des Jakobsweges gegangen und sagt: „Die Ruhe war mein Gewinn. Ich bin viel gelassener geworden.“ Wie die 28-Jährige schildert, arbeite sie nicht gerne gegen ihre Werte und Überzeugungen. Vor allem werfe sie keine Lebensmittel weg. Deshalb habe sie Veränderung gesucht und sie bei einem Besuch im Jobcenter mit EUduko unerwartet gefunden. Ohne sich abschotten zu wollen, suchte und fand sie einen Weg, der ihr guttat. Seit Juni bin ich raus aus dem Projekt“, sagt Sarah Pfeiler, die verblüfft spürte: „Und plötzlich war wieder die Energie da.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren