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Augsburger Philharmoniker

13.11.2014

Im Bruckner-Himmel

Roland Techets Interpretation der Siebten im Sinfoniekonzert wird noch lange im Gedächtnis bleiben – auch dank des großartigen Orchesters

Augsburg sucht den Generalmusikdirektor – und kann doch ganz gelassen dieser Aufgabe entgegensehen. Denn Theater und Orchester verfügen derzeit über eine Riege an Kapellmeistern – also die dem GMD nachgeordneten Dirigenten –, die bei ihren Pult-Einsätzen die geforderten Aufgaben ganz ausgezeichnet lösen. Das hat jetzt auch Roland Techet gezeigt, als „koordinierter 1. Kapellmeister“ gewissermaßen auf Augenhöhe mit dem Augsburger Kapellmeister-Primus und kommissarischen GMD Lancelot Fuhry – gezeigt mit einer herausragenden Wiedergabe von Anton Bruckners 7. Sinfonie in der Kongresshalle.

Wie oft hat man Dirigenten nicht schon scheitern hören an der Aufgabe, die gewaltigen, zeitlich sich weit über eine Stunde dehnenden Dimensionen dieses Werks in eine Abfolge zu bringen, bei welcher der Spannungsfaden nicht irgendwo auf der Strecke reißt. Scheitern daran, die blockhaften, oft durch Generalpausen getrennten Abschnitte zum sinnhaften Ganzen zu reihen. Und nicht zuletzt, das enorm aufgestockte Instrumentarium – allein 16 Blechbläser – zu bändigen, die Maximallautstärke nicht gleich bei der ersten Tutti-Gelegenheit zu verpulvern. Nichts von alledem bei Roland Techet. Man nehme nur das Klangbild: Weit und breit nichts Lärmiges, breiig Verschwommenes. Über weite Strecken schimmerte die E-Dur-Sinfonie in warmen, schubertisch-romantischen Farben, was nicht heißt, dass hier geglättet worden wäre. Im Gegenteil, Techet, auswendig dirigierend, machte die kompositorische Substanz erst hörbar, Bruckners außerordentliche Kontrapunktik, das unablässige Umkehren und Spiegeln von Motiven und Themen.

Wie stark die Interpretation im Detail durchgearbeitet war, das ließ sich, immer wieder gerade dann vernehmen, wenn die Streicher die Melodieführung hatten. Wie bewegend artikuliert, wie sprechend-schmelzend die Violinen in den ersten zwei Dutzend Takten des Adagios und noch einmal, ergreifende Klage, an dessen Ende nach der großen Klangkulmination – alles nicht nur tadellos nach Noten musiziert, sondern voller Wahrhaftigkeit.

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Von der Kunst des Spannung-Haltens war bereits die Rede. Bei Techet war vor allem interessant, dass er sie beherrschte ohne den Einsatz irgendwelcher Mätzchen, die eine wie auch immer geartete Neuhaftigkeit suggerieren sollen. Allenfalls die ein oder andere Tempo-Beschleunigung stach heraus aus einem ansonsten klassisch-gemäßigten, sich in unaufgeregtem Fluss entwickelnden sinfonischen Geschehen. Klingt konventionell, klang im Konzert aber fesselnd, selbst an Stellen, wo Bruckner von aller Soundüberwältigung absieht und den Orchestersatz derart ausdünnt, dass zuletzt nur noch ein einzelnes Instrument, eine Flöte etwa, übrig bleibt. Bei Techet hörte man gerade da gebannt hin.

Kein gelungener Bruckner ohne gelungene Steigerungen, ohne dieses urhafte, manchmal minutenlange Anschwellen. Großartig, wie das immer wieder gelang, in einer Klangfülle, die doch nie als brutale Gewalt daherkam, sondern die Möglichkeit einer Transzendenz mit sich trug. Glänzend das Orchester, die machtvoll auftrumpfenden Streicher (diesmal kurioserweise mit hinter dem Blech postierten Kontrabässen), das für die Klangmischung so bedeutsame Holz, und natürlich die Blechbläser mit den vier sonoren Wagnertuben und einer gerade im Finale alles überstrahlenden ersten Trompete. Eine Bruckner-Siebte, die man noch lange in Erinnerung haben wird.

Kontraststark dazu der erste Teil des Konzertabends mit Mozarts Hornkonzert in Es KV 495. Radek Baborak war der Solist, ein Staunen machender Souverän seines Instruments, gilt ja gerade das Horn in Sachen Tonbildung als nicht wenig zickig. Baboraks plastischer und fester Ton stand Mozart gut zu Gesicht, in der Kadenz des ersten Satzes kehrte der frühere Solohornist der Berliner Philharmoniker sein Können nicht zuletzt mit einigen zweistimmig geblasenen Passagen hervor. Und doch, vielleicht hätte dem ganzen Vortrag ein Gran weniger jagdmännische Selbstgewissheit und statt ihrer ein klein wenig mehr Mozart-Geheimnis gut getan.

" Bruckner im Himmel (Auflösung): von links Bruckner, Franz Liszt, Richard Wagner, Franz Schubert, Robert Schumann, Carl Maria von Weber, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Christoph Willibald Gluck, Joseph Haydn, Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach.

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