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17.11.2017

Im Donaumoos wird nicht die Welt gerettet

Die Schorner Röste ist ein moormächtiges Gebiet an der Landkreisgrenze zwischen Walda und Schorn. Auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie der Regierung von Schwaben möchte der Donaumooszweckverband das Gebiet wieder vernässen, doch bei den Anliegern stößt das Vorhaben auf großen Widerstand.
Bild: Sebastian Englschall

Bürgerversammlung Die geplante Renaturierung der Schorner Röste stößt bei den Anliegern auf harsche Kritik

Ehekirchen-Walda Der Gasthof Daferner in Walda war rappelvoll am Donnerstagabend. Offenbar traf die von der Gemeinde anberaumte Bürgerversammlung zur geplanten Renaturierung der Schorner Röste den Nerv der Menschen vor Ort. Eine von der Regierung von Schwaben initiierte Machbarkeitsstudie schlägt die Wiedervernässung eines 339 Hektar großen Gebiets an der Landkreisgrenze vor. Vor allem bei den privaten Grundbesitzern ist das Modellprojekt höchst umstritten. „90 Prozent von uns wollen das einfach nicht“, brachte Landwirt Hubert Bauer aus Schainbach die aufgeheizte Stimmung im Saal auf den Punkt. Eine ökologische Aufwertung großer Moosflächen komme einer „nassen Enteignung“ gleich, stand als Vorwurf im Raum. Und so mancher Anlieger möchte einfach kein wachsendes Moor vor der Hautüre haben.

Der Unmut der Versammelten zielte auf den Donaumoos-Zweckverband (DZV) als Projektträger, der in Walda durch Abteilungsleiter Willi Riss und Projektbetreuer Michael Hafner vom Landratsamt vertreten war. Sie hatten keinen leichten Stand. Bodenproben im Untersuchungsgebiet an der Bezirks- und Landkreisgrenze haben Moormächtigkeiten von bis zu 6,60 Meter ergeben. Überwiegend sei der Torfkörper jedoch durch starke Zersetzung gekennzeichnet, heißt es in der Machbarkeitsstudie. Das Gebiet wird zu drei Vierteln als Grünland genutzt. 25 Prozent sind Ackerland, der große Rest Wald und Gehölze. Aus fachlicher Sicht sei das Gebiet für eine Wiedervernässung geeignet, so die Schlussfolgerung. Idealerweise könnte der Grundwasserspiegel von jetzt bis zu einem Meter auf zehn bis 15 Zentimeter unter Flur angehoben werden. Extensive Grünlandnutzung oder Vernässungskulturen wären die Optionen für die Landwirtschaft. Wegen der Topographie, das Gebiet liegt in zwei Talsenken, wird eine Beeinträchtigung für die benachbarten Siedlungen ausgeschlossen.

Moor- und Klimaschutz tut Not, argumentierte Michael Hafner, denn mehr als 200 Jahre Entwässerung über Gräben und Kanäle haben dem Torfkörper im Moos zugesetzt. Von ehemals 18000 sind noch 10000 Hektar Niedermoor übrig. Durch Mineralisierung, also Abbau der organischen Substanzen, kommt es zu klimaschädlichen Ausgasungen, starkem Bodenschwund und hohem Nitrateintrag ins Grundwasser. Jährlich löst sich eine rund 1,5 Zentimeter dicke Torfschicht in Luft auf, das entspreche sechs Kipperladungen Torf pro Jahr und Hektar, veranschaulichte der Projektberater. Deutschlandweit summiert sich der Moorschwund auf fünf Prozent der Treibhausgase. Die von der Bundesregierung ausgerufenen Klimaziele, verwies Hafner auf die derzeit in Berlin laufenden Koalitionsverhandlungen, würden den politischen Druck verstärken. Im Zuge des Klimaschutzprogramms 2020 der Staatsregierung könnten 90 Prozent Fördermittel für das Modelprojekt fließen. Der DZV möchte Flächen aus dem Projektgebiet heraustauschen, lautet das Angebot an die Landwirte. „Wir wollen keine Existenzen gefährden, sondern uns mit Ihnen abstimmen“, versuchte Hafner, Befürchtungen auszuräumen. Und Willi Riss versicherte: „Alles basiert auf Freiwilligkeit. Wir werben bei Ihnen für ein offenes Ohr und wollen einen kritisch-konstruktiven Denkprozess anstoßen.“

Allein die gut gemeinten Appelle verhallten weitgehend ungehört. Zustimmend äußerte sich lediglich Albert Häusler (Schainbach), der eine Exkursion zu gelungenen Renaturierungsprojekten vorschlug, um sich dort selbst ein Bild machen zu können. Paul Strixner, Ehekirchener Gemeinderat und Landwirt, führt eine Vielzahl von Gegenargumenten an: ein Rückstau durch Moorsackung sei nicht zu befürchten, die Moossole liege 15 Meter höher als das Donautal; bei einer Wiedervernässung dagegen drücke Wasser in die Gehöfte; außerdem sei eine Insektenplage zu befürchten. „Ich bin sehr für Naturschutz, aber über so eine große Maßnahme muss besser informiert werden“, meinte Karl-Heinz Schmidl aus Klingsmoos. „Das hat einen ganz wesentlichen Einfluss auf unsere Lebensqualität.“ Und Gemeinderat Thomas Braun folgerte: „Ich bin schon bereit, etwas für den Klimaschutz zu tun, aber nicht auf Kosten der Bürger. Im Donaumoos werden wir nicht die Welt retten. Das ist ein Gebiet mit vielen Konflikten.“ Bürgermeister Günter Gamisch, der die hochkochenden Gemüter immer wieder beruhigte, sieht das Vorhaben auf einem langen Weg. „Die Angelegenheit ist noch zu unausgegoren. Es gibt eine Vielzahl von Dingen, die besser erklärt werden müssen. Man muss den Leuten ein schlüssiges Konzept vorlegen und Bedenken ausräumen.“ Und falls landwirtschaftliche Betriebe in ihrem Bestand gefährdet wären, werde sich der Gemeinderat sehr schwer mit einer Zustimmung tun. "Kommentar

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