Operette

03.03.2014

Im Land des Schmelzes

Ein Besuch im Parktheater zeigt: Strauß, Lehár & Co. haben anhaltend Konjunktur

Die Operette ist tot – es lebe die Operette: Ihr Zauber feierte im Parktheater fröhliche Auferstehung, war doch das ausverkaufte Gögginger Kurhaus an diesem Faschingswochenende fest in Operettenhand. Schauplatz war eine Wiener Ausnüchterungszelle unter Aufsicht des authentischen Harald Volker Sommer, der als gebürtiger Wiener und Theaterexperte sich diese Rolle auf den Leib geschneidert hatte. Teilnahmsvoll nahm er die Protagonisten Cathrin Lange, Roman Payer und Manuel Wiencke in seine Obhut.

Und es war jenes Dulliäh-Fluidum, jene heiter ausgelassene Stimmung, jener feuchtfröhliche Schwips, der zum optimalen Wiener Operetten-Nährboden geriet, als fielen Fasching und Neujahr auf einen Tag, was ja auf den 1. März einst durchaus zutraf. Aus dieser Zellenwelt heraus begann Strauß’ „Nacht in Venedig“ greifbar nahe zu rücken: Zuerst von Payer in hellstem Tenorglanz begrüßt, darauf von Wienckes Bariton im „Pappacoda-Couplet“ versiert verdichtet und von Langes Sopran verlockend in „Frutti di Mare“ profiliert.

Aber schon rückte China mit Franz Lehárs „Land des Lächelns“ in den Focus. Das Salonorchester Frank Lippe – der Chef leitete vom Flügel aus – fing dieses fernöstliche Flair im Sextett (zwei Violinen, Cello, Bass, Klarinette) kammermusikalisch ein, bevor vokal die Leidenschaft entbrannte. Von Payers lyrisch gefärbtem Apfelblüten-Kranz zum Liebesduett – der Tenor und Sopranistin Lange als innig verklärtes Paar – war es ein kurzer Schritt. Die Konstellation weitete sich zum Dreieck, entflammten doch auch Bariton und Sopran liebesselig in „Meine Liebe, deine Liebe“.

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Nüchtern betrachtet, saß man jedoch in der Zelle, die jetzt Harald Volker Sommer mit Lyrik von Josef Weinheber – als NS-Poet attackiert, als „Heurigenhölderlin“ geschätzt – voller Esprit wienerisch anreicherte. Die frivolen, sentimentalen wie grotesken Dimensionen brachen pointiert auf, gewann doch der „Zigeunerbaron“ voll baritonale Präsenz, ehe sich in „Der Dompfaff hat uns getraut“ das Ehepaar glühend seiner Liebe versicherte, worauf Wiencke verblüffend reagierte. In „Ich bin eine Frau ohnegleichen“ travestierte er cool zur Femme fatale.

Pariser Leben brachte Offenbach ins Spiel: hier Ouvertüren-Finesse, dort kulminierte Lange/Wienckes vifes Streitduett aus „Orpheus in der Unterwelt“. Voller Sentiment sah sich darauf Payer einsam am Wolgastrand, bevor Wienckes dunkelrote Millöcker-Rosen das Liebesglück zu dritt beflügelten: „Ein Glück, dass man sich so verlieben kann“. Natürlich hing der „Himmel voller Geigen“ und es galt: „Das Leben ist lebenswert“.

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