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Augsburg

13.08.2019

Im Lechhauser Industriegebiet weiden jetzt Rinder

Die Pinzgauer Rinder von Martin Augustin weiden jetzt in Lechhausen. Die Rasse ist vom Aussterben bedroht.
Bild: Christoph Kölle

Ein ungewohnter Anblick neben Schnellrestaurant und Betrieben: In Lechhausen sind Rinder als Landschaftspfleger im Einsatz. Ihr Fleisch wird später im Hofladen verkauft.

Wer in letzter Zeit im Lechhauser Industriegebiet spazieren gegangen ist, der konnte eine überraschende Entdeckung machen. Denn inmitten von Firmengebäuden, Baumarkt und Schnellrestaurants kann man dort seit einer Woche Rinder sehen, die gemütlich auf einer Weide zwischen Derchinger- und Südtiroler Straße grasen.

Bei den Tieren handelt es sich um Pinzgauer Rinder, einer vom Aussterben bedrohten Rinderrasse aus Österreich. Im Rahmen des Projekts „Weidestadt Augsburg“ werden diese nun als Landschaftspfleger auf einer Wiese am Siebenbrunnenbach eingesetzt, die sich mitten im Industriegebiet befindet. Durch die Beweidung mit den Rindern soll dieses Areal nun zum Grünland weiterentwickelt werden.

Bislang weiden auf dieser Wiese sechs Kühe und sechs Kälber. Die Rinder gehören dem Friedberger Rinderhalter und Landwirt Martin Augustin. Er sagt, das Pinzgauer Rind sei für den Einsatz in der Landschaftspflege gut geeignet: „Die Tiere sind sehr robust und wetterunempfindlich.“

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Wissen, wo das Fleisch herkommt

Die Kälber werden in der sogenannten Mutterkuhhaltung gehalten. „Das bedeutet, dass die Rinder nicht gemolken werden, sondern nur ihre eigenen Kälber säugen“, sagt Augustin. Es werde auch nicht anderweitig zugefüttert. Die meisten Rinder werden nach seinen Worten im Alter von zwei Jahren geschlachtet. Danach werden sie im „Körners Hofladen“ in Friedberg verkauft. „So weiß man genau, wo das Fleisch herkommt“, sagt Umweltreferent Reiner Erben.

Die Beweidung mitten im Industriegebiet bezeichnet Erben als „eine sehr schonende Art der Landschaftspflege“. Denn Erfahrungen aus verschiedenen Beweidungsprojekten zeigen, dass Rinder neben Problemgräsern wie dem Landreitgras, das sich massiv ausbreitet, auch Gehölze zurückdrängen. So schaffen sie blütenreiche Grünflächen. Doch nicht nur ziehen die Blüten allerlei Insekten an, auch vom Dung der Rinder profitieren nach Erbens Worten viele Arten. Vögel und Kleinsäuger finden auf diesen Weiden ein reichhaltiges Nahrungsangebot.

„Indem wir die traditionelle Landwirtschaft wieder aufleben lassen, können wir den Insekten- und Artenschutz unterstützen“, sagt der Umweltreferent. Die Beweidung im Stadtteil Lechhausen schaffe eine wertvolle Verbindung zwischen Landschaftspflege, Landwirtschaft und Naturschutz. Außerdem zeige sie deutlich, dass der Anspruch der Nachhaltigkeit auch im innerstädtischen Bereich verwirklicht werden kann.

Noch weitere Flächen in Augsburg sollen beweidet werden

Doch eines ist Umweltreferent Erben auch bewusst: „Wir tun im Stadtgebiet so viel wie möglich und wollen noch weitere Flächen beweiden. Trotzdem ist und bleibt die konventionelle Landwirtschaft ausschlaggebend, was den Artenschutz betrifft“, sagt Erben. Die Beweidung im Industriegebiet leiste dennoch einen wertvollen Beitrag. Im Stadtgebiet von Augsburg gibt es inzwischen mehrere Beweidungsprojekte des Landschaftspflegeverbands Augsburg.

Schon seit vielen Jahren leben im Stadtwald an der Grenze zu Königsbrunn die Przewalskipferde. In der Wolfzahnau sind Rinder im Einsatz und auch im Süden der Stadt bei Bannacker grasen inzwischen Rinder. Im Rahmen der Weidestadt Augsburg sind zudem Schafe und Ziegen als „Rasenmäher“ unterwegs. Man kann sie zum Beispiel auf den Heideflächen in den Lechauen sehen.

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