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Buch

20.01.2012

Im Mörderlager Dachau

Hans Beimler in Spanien.
Bild: Foto: privat

Stadtrat Hans Beimler kam für seinen Kampf gegen den Nationalsozialismus ins KZ. Nach seiner Flucht schrieb er einen Bericht.

200.000 Menschen begleiteten 1936 in Barcelona den Sarg Hans Beimlers zum Friedhof. Er war im Bürgerkrieg gegen General Francisco Franco erschossen worden. Es war das Ende eines lebenslangen Kampfes gegen den Faschismus. Eine Station davon war Augsburg, wo Beimler Stadtrat war. Später wurde er ins KZ Dachau gebracht. Nach seiner Flucht veröffentlichte er einen Bericht über diese Zeit. Zu seinem 75. Todestag hat der Münchner Friedbert Mühldorfer ihn das erste Mal in der Bundesrepublik veröffentlicht und mit einer Biografie ergänzt. Entstanden ist ein erschütterndes Dokument. Es zeichnet das Bild eines grausamen Regimes und eines aufrechten Menschen, der für seine Überzeugungen einsteht.

Beimler wurde 1895 in München geboren. Ursprünglich als Schlosser und Betriebsrat tätig, widmete er sich seit Mitte der 1920er-Jahre ganz der Arbeit für die KPD, ab 1928 in Augsburg. Er wurde erst in den Stadtrat gewählt, 1932 in den Landtag und Reichstag, weshalb er sein Augsburger Mandat aufgab und wieder nach München zog.

SS-Leute drängten ihn zum Selbstmord

Noch zwei Wochen nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten trat Beimler öffentlich gegen die Nazis auf. Doch im April 1933 wurde er verhaftet. Nach Verhören und Folterungen bei der Polizei wurde er nach Dachau gebracht. Immer wieder wurde er von SS-Männern verprügelt, mit dem Tod bedroht und jeden Tag aufgefordert, sich doch endlich am vorbereiteten Strick aufzuhängen… Der Anblick eines ermordeten Freundes war der letzte Anstoß für die Flucht.

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In der Sowjetunion verfasste er dann seinen Erlebnisbericht „Im Mörderlager Dachau. Vier Wochen in den Händen der braunen Banditen“. Dieser wurde in mehrere Sprachen übersetzt, in internationalen Zeitungen zitiert und in Deutschland illegal verbreitet. Er galt als Sensation.

Später hielt Beimler von Zürich aus Kontakt mit Widerstandsgruppen in Süddeutschland. Seine Frau wurde in dieser Zeit in Sippenhaft im KZ festgehalten und erst nach seinem Tod freigelassen.

Als 1936 Franco putschte, sei für die „Kämpfernatur“ Beimler der Weg nach Spanien folgerichtig gewesen, so sein Biograf Friedbert Mühldorfer. Er betreute deutsche Freiwillige und baute die „Centuria Thälmann“ auf. Bei einem Erkundungsgang an der Frontlinie wurde er im Dezember 1936 wohl von feindlichen Scharfschützen erschossen. Hunderttausende erwiesen ihm beim Begräbnis die letzte Ehre, Zeitungen berichteten über sein Leben. Er wurde zu einem Symbol des Kampfes gegen deutschen Faschismus und für Solidarität mit dem spanischen Volk.

Eine Straße in Pfersee erinnert seit 1948 an ihn

Ein Held im landläufigen Sinne wollte er nie sein – so die Aussage seiner Frau Centa. Aber ein Mensch, der sich und andere nicht schonte, wenn es darum ging, seine Überzeugung mit allen Konsequenzen zu leben. Zum Helden verklärt wurde er vor allem in der DDR, so Mühldorfer. In der Bundesrepublik wurde er meist vergessen – lange auch in seiner Heimat München. Augsburg jedoch würdigte bereits 1948 seinen früheren Stadtrat durch die Beimlerstraße in Pfersee.

Dr. Max Mannheimer, Vorsitzender der Dachauer Lagergemeinschaft, schrieb in seinem Vorwort zu dem Buch, er bewundere Beimlers Mut und Einsatz für den Widerstand gegen das NS-Regime. „Was wäre Deutschland und der Welt erspart geblieben, hätten bereits vor 1933 nicht so viele Menschen weggeschaut und verdrängt, was sichtbar war an Bedrohung durch den Nationalsozialismus.“ Ute Krogull

Buch „Hans Beimler: Im Mörderlager Dachau, um eine biografische Skizze ergänzt von Friedbert Mühldorfer“, PapyRossa-Verlag, 185 Seiten, 12,90 Euro.

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