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Ausstellung

12.07.2019

Im Räderwerk des Todes

Ein solcher Güterwagen wurde zur Deportation von Juden in der NS-Zeit verwendet. Der Bahnpark erinnert nun an die Verantwortung der Reichsbahn für Deportation und Mord im Dritten Reich.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Bahnpark erinnert an die Verantwortung der Reichsbahn für Deportation und Mord in der NS-Zeit

Ohne die Reichsbahn hätte das Deutsche Reich seine Kriege nicht führen können. Auch die Deportationen und die Vernichtung von Millionen nationalsozialistisch „unpassenden“ Menschen waren nur im engen Zusammenspiel von Beamten der Reichsbahn auf den unzähligen Gleisen, Bahnsteigen und an den Weichen des Reichs möglich, über die die Deportationszüge in Richtung der Vernichtungslager rollten. Meist waren es gedeckte Güterwaggons, sogenannte G-Wagen, die über Tage und Wochen durch ganz Europa ratterten. Auf standardisierten 23,6 Quadratmetern transportierten sie ab 1942 Menschen statt Kartoffeln und Kohle. 100 Männer, Frauen und Kinder wurden zusammengepfercht, ein Blecheimer auf dem kahlen Holzboden nahm die Notdurft von allen auf. „Es war der Horror, der Tod allgegenwärtig, vor allem im Winter. Aus Buchenwald ist belegt, dass Leichen auseinandergesägt werden mussten, um die Waggons zu entladen und für den nächsten Transport fertig zu machen“, sagt Walter Rothschild.

Den britisch-deutschen Historiker und Rabbiner aus Berlin konnte der Bahnpark Augsburg für die Eröffnung seiner Ausstellung „Deportation, Flucht und Vertreibung“ gewinnen. Vor zwei Jahren tauschte Markus Hehl, Geschäftsführer des Bahnparks, bei der Österreichischen Bundesbahn einen originalgetreuen G-Waggon ein, der jetzt als Erinnerungsort dient. Wände und Boden aus Holz, das Dach aus Blech, zwei kleine Luken mit Stacheldraht davor. Innen ein Blecheimer und ein Koffer – mehr braucht es nicht, um eine Ahnung des Grauens zu vermitteln. An den Wänden ein Bild des Augsburger Hauptbahnhofs mit großer Parade, davor Hitler, der im Stehen aus seinem offenen Wagen winkt.

Rothschild, der auch Herausgeber einer Eisenbahnzeitschrift ist, betont, dass Zugfahren Teamarbeit ist, damit es funktioniert. Mit Dokumenten der Reichsbahn zeigt er den Aufwand, den SS und Bahn für die sogenannten „Umsiedlungssonderzüge“ oder „Gesellschaftssonderzüge“ betrieben, es wird klar, dass diese Dienststellen und deren unzähligen Beamten das reibungslose Rollen der Todeszüge garantierten. Das Aktionswochenende läutete die „Baustelle Rundhaus Europa“ des Bahnparks ein. Hier sollen im Endausbau insgesamt 19 Lokomotiven und andere Großexponate aus ganz Europa den Weg des Kontinents auf seinem Weg zur Einigung dokumentierten. Das Wochenende stand unter der Schirmherrschaft des Europäischen Parlaments.

Ein Güterwagen dieser Bauart beherbergt nun eine Ausstellung. Sie ist zukünftig zu den Öffnungszeiten des Bahnparks dauerhaft zu sehen. Das nächste Mal am Sonntag von 11 bis 16 Uhr.

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