Newsticker

Steigende Infektionszahlen: Bundesregierung spricht für ganz Belgien eine Reisewarnung aus
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Immer im Juli kommt die Sehnsucht

22.07.2010

Immer im Juli kommt die Sehnsucht

Wenn morgen Abend La Strada startet, werden bei gutem Wetter wieder die Massen in die Altstadt strömen. Trotzdem denken viele mit Wehmut an das Theaterfestival La Piazza, das im Juli 2004 zum letzten Mal über die Bühne ging und von dem nur das Straßenkünstlerfestival übrig blieb. Inzwischen mit der City Initiative (CIA) und dem Altstadtverein als Veranstalter.

Ein Blick zurück zeigt, was verloren gegangen ist. Viele Besucher liebten das afrikanische Fingerfood und die exotischen Snacks, bewunderten die Lichtgirlanden auf dem Platz und vor allem die außergewöhnlichen Produktionen in den Zelten. Für neun Tage verwandelte sich die Innenstadt in eine große Piazza, auf der man staunen, plaudern und genießen konnte. Zirka 10 000 zahlende Zuschauer kamen Jahr für Jahr, zwischen 30 000 und 40 000 Gäste tummelten sich bei Prosecco auf dem Rathaus- und dem Elias-Holl-Platz.

"Mir fehlt La Piazza", gibt Buchhändler Kurt Idrizovic unumwunden zu. Er habe das gemeinsame Erleben der Stadt im Rücken des Rathauses Jahr für Jahr mit seinen Freunden genossen. "Das Festival hat der Stadt sehr gut getan."

So sieht das auch der ehemalige Festivalleiter Hansi Ruile. Man habe vor genau 20 Jahren mit dem Living Theatre und dem Bondstreet Theatre aus New York die Crème de la Crème der etwas anderen Theaterkultur in die Fuggerstadt geholt. "Wir wollten zeigen, wo es hingehen könnte", so Ruile. Am Ende stand ein Defizit von knapp 50 000 Euro, das mühsam abgestottert werden musste. Die Stadt war nicht bereit, eine Ausfallbürgschaft oder einen höheren Zuschuss zu gewähren. Irgendwann wollte Ruile den Kampf ums Geld nicht mehr führen. Er und seine Mitarbeiter gaben auf.

Immer im Juli kommt die Sehnsucht

Vergeblicher Protest

An Kämpfern für das Festival hat es nicht gemangelt. Als die ersten Gerüchte über ein Ende des geliebten Spektakels 2002 die Runde machten, tackerte ein Besucher ein großes Schild "La Piazza darf nicht sterben, Frau Leipprand" an den Zaun. Es hagelte Leserbriefe an die AZ und Beschwerden an die Stadt. Doch das Ende war unabwendbar.

Johanna Gruber und Mike Mayer vermissen noch immer schmerzlich die spezielle Lebendigkeit in der City. Ab Mitte Juli kommt bei ihnen Jahr für Jahr die Sehnsucht, die bisher von keiner anderen Veranstaltung gestillt werden konnte. Auch nicht vom Münchner Tollwood, zu dem das Paar regelmäßig fährt.

Weniger Stress, weniger Sorgen

Und Hansi Ruile, der Mann, der immer vehement für eine etwas andere Kultur kämpfte? Er und sein Team haben seit 2005 bedeutend weniger Stress und vor allem weniger Geldsorgen. Der Kabarettherbst, der im September startet, sei nur ein Trostpflaster, kein Ersatz.

Er sieht nach wie vor in einer hochwertigen Bespielung der Stadt, der Fassaden und der Straßen eine Möglichkeit, Menschen ein anderes Gefühl für ihre Heimat zu vermitteln. "In Frankreich ist das selbstverständlich, dort gibt es wunderbare Festivals". Augsburg habe diese Chance verspielt. Was jetzt noch da ist, sei pure Unterhaltung.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren