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Augsburg

07.01.2020

Immer mehr Besucher: So geht es dem Tourismus in Augsburg

Die Zahl der Gäste in Augsburg steigt seit Jahren kontinuierlich an.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Plus Fuggerei, Dom, Goldener Saal: Die Zahl der Gäste in Augsburg steigt seit Jahren kontinuierlich an. Und es könnte so weiter gehen. Doch ein Faktor bremst das Wachstum.

Augsburg schmückt sich mit vielen Namen – Brechtstadt, Fuggerstadt, Mozartstadt, Römerstadt. Seit Juli 2019 ist es auch Unesco-Welterbestadt, zu verdanken ist das dem einzigartigen und geschichtsträchtigen Wassermanagement-System. All diese Marken locken Gäste an – Tendenz steigend.

Zu Beginn des Jahrtausends lag der Augsburger Tourismus im Dornröschenschlaf

Tourismusdirektor Götz Beck kennt die Zahlen: „Vor 15 Jahren hatten wir etwa 450.000 Übernachtungen, in den kommenden Jahren wird die Millionengrenze deutlich überschritten.“ Dabei befand sich Augsburg lange Zeit im touristischen Niemandsland.

Immer mehr Besucher: So geht es dem Tourismus in Augsburg

Zu Beginn des Jahrtausends waren die Ankunftszahlen der Besucher gar rückläufig, wie in einer Auswertung des Amtes für Statistik und Stadtforschung der Stadt Augsburg nachzulesen ist. Der „Megatrend Städtereise“, so nennt es Beck, schien an Augsburg vorbeizugehen. Doch 2009 setzte ein Boom ein: Die Übernachtungszahlen verdoppelten sich bis 2018, die Ankunftszahlen beinahe.

478.000 Gästeankünfte gibt die Statistik für 2018 an, rund ein Viertel der Besucher kommt aus dem Ausland. Insbesondere bei Italienern, Österreichern und Schweizern wächst das Interesse an der Stadt. Insgesamt war 2018 auch bei der Anzahl ausländischer Gästeankünfte ein Rekordjahr. Und aktuell?

Perlachturm und Römisches Museum schmerzen den Tourismussektor in Augsburg

Beck erklärt, „auch 2019 erwarten wir ein Rekordjahr“. Übernachtungen und Ankünfte sollen um 1,5 bis zwei Prozent gewachsen sein. Und das, obwohl im Tourismusbereich der Stadt nicht alles nach Wunsch läuft. So ist die Sanierung des Perlachturms vorerst verschoben, auch die Übergangslösung fürs Römische Museum im Zeughaus stellt nicht jeden zufrieden.

Den Tourismusdirektor „schmerzt“ insbesondere der Perlachturm. „Hier verschaffen sich Gäste einen ersten Eindruck der Stadt und gehen auf Entdeckungstour.“ Vor der Schließung wuchsen die Besucherzahlen des Wahrzeichens von Jahr zu Jahr, nachzulesen in der Veröffentlichung des Statistikamtes: Erklommen 2007 etwa 27.000 Menschen die über 200 Stufen, waren es 2016 fast 40.000. Etwas besser ist die Situation des Römischen Museums: Immerhin rund 21.000 Besucher fanden sich 2018 dort ein. Vor der Schließung des Standorts in der Dominikanerkirche waren es aber rund 30 Prozent mehr Besucher pro Jahr.

Beck sagt, „wir haben Verständnis für die Situation an den beiden Standorten, schade ist es dennoch.“ Gerade die Marke Römerstadt könne Augsburg eigentlich noch besser einsetzen, schließlich sei man eine der ältesten Städte Deutschlands.

Und seit vergangenem Juli eben auch eine von 43 Weltkulturerbestätten der Bundesrepublik. Laut Beck ist dies zukünftig ein elementarer Bestandteil der Tourismusstrategie Augsburgs. „Im Mai öffnet am Rathausplatz die Infostelle zu den Strukturen des Wassermanagements. Damit ist es aber natürlich noch lange nicht getan.“

Das Unesco-Weltkulturerbe wird den Tourismus in Augsburg lange begleiten

Weitere Projekte sind in Planung: Man wolle die Geschichte des Wassers in Augsburg erzählen, einen Rundweg dazu schaffen und manches mehr. „Das Unesco-Thema können wir über Jahrzehnte kontinuierlich entwickeln, da braucht es keinen Schnellschuss.“

Mithilfe des Welterbes soll ein weiterer Megatrend der Tourismusbranche auch in Augsburg gestärkt werden: die Kongress- und Messesparte. Sie habe, erklärt Beck, in den vergangenen zehn Jahren ein rasantes Wachstum erlebt – insbesondere in den Bereichen Medizin und Bildung. Zuvor habe sie in Augsburg allerdings nur wenig Beachtung gefunden. Auswertungen des Statistikamtes zeigen, dass zwar die Anzahl der Veranstaltungen auf dem Messegelände in den vergangenen Jahren zugenommen hat, nicht aber die der Besucher.

2018 kamen 420.000 zu 64 Veranstaltungen, 2015 und 2017 waren es circa 20.000 Besucher mehr bei acht Veranstaltungen weniger. Eine der Ursachen dafür dürfte die nur alle zwei Jahre stattfindende Messe „interlift“ sein, die weltweites Renommee genießt. 2019 könnte daher auch im Messebereich ein Rekordjahr werden. Die Regio Augsburg Tourismus arbeitet aktuell an einer Kampagne für Tagungen und Kongresse der Wasserwirtschaft in der Stadt. So soll das Messegeschäft auch in der neuen Themensparte ausgebaut werden.

Regio Augsburg Tourismus sieht Belastungsgrenze bei Hotelbetten in Augsburg erreicht

Um die Gästekapazitäten zu erhöhen, setzt die Regio auf den Hotelbau.Die Bettenauslastung der Stadt liegt über dem deutschen Durchschnitt und befindet sich laut Beck an der Belastungsgrenze. „Für eine weitere positive Entwicklung“, erklärt er, „brauchen wir rund 7000 Betten“. Das wären rund 2400 mehr als heute.

Im Vergleich der Bettenanzahl der acht bayerischen Großstädte liegt Augsburg laut der statistischen Auswertung auf dem vierten Platz. Verglichen mit der Einwohnerzahl ist es allerdings nur der Vorletzte. In der Stadt gibt es etwa 4600 Betten, ab 2022 soll die Wunschkapazität zur Verfügung stehen. Und die braucht es.

Denn der Tourismus in Augsburg ist bereits heute ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor: Über 700 Millionen Euro Umsatz generierte er 2018 laut des Jahresberichts der Regio Augsburg Tourismus. Den Löwenanteil von 578 Millionen Euro machten rund 19 Millionen Tagesreisende aus, von denen 16 Millionen durch das Statistikamt als Tagestouristen bezeichnet werden. Deren Zahl lag vor zehn Jahren noch bei etwa 9,4 Millionen.

Mehr Gäste bedeuten auch mehr Arbeit im Tourismussektor. Mittlerweile seien 20.000 Menschen im Augsburger Tourismusbereich beschäftigt, erläutert Beck. Drei Viertel von ihnen arbeiten in Vollzeit. Und die Perspektive der Branche ist gut: Nach dem Unesco-Weltkulturerbe 2019 steht 2021 die 500-Jahr-Feier der Fuggerei an. Sie soll Augsburg international noch bekannter machen.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Tourismus in Augsburg: Das Wachstum hat Grenzen

Lesen Sie auch: Tourismusdirektor: "Man muss nicht mehr erklären, wo Augsburg liegt"

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Die Diskussion ist geschlossen.

07.01.2020

Es war eine goldrichtige Entscheidung, nach dem zweiten Weltkrieg das historische Stadtbild wieder aufzubauen. Die zweite richtige Entscheidung war, die Stadt für den Autoverkehr unattraktiv zu machen. Manche Touristen kennen vielleicht nur sterile Städte mit "moderner" Architektur. Eigentlich kann man nicht viel mehr richtig machen, außer vielleicht den trostlosen Ulrichsplatz endlich aufzuhübschen und die Tram dort wieder fahren zu lassen. Airbnb ist für viele wegen der Wohnungsknappheit ein rotes Tuch, aber ich sehe eher eine Chance darin, zusätzliche Übernachtungskapazitäten zu schaffen.

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