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Augsburg

20.04.2015

Immer mehr Besucher in der Bahnhofsmission am Hauptbahnhof

Die Blauen Engel sind immer ein Ansprechpartner: v.l. Angelika Karg und Ulrich Becker (Ehrenamtliche) und Dagmar Kunkel-Epple und Einrichtungsleiterin der Diakonie Lisa Hagins.
Bild: Anne Wall

Die Bahnhofsmission am Augsburger Hauptbahnhof verzeichnet wachsende Besuchszahlen. Dort suchen Einsame Gesellschaft und bekommen Flüchtlinge etwas zu essen.

Mohnkuchen und Hefezopf stehen in der kleinen Küche bereit, Kaffeemaschine und Wasserkocher für die Teezubereitung laufen. Gut 15 Frauen und Männer aller Altersgruppen sitzen an den Tischen. Manche schweigsam und zurückgezogen, andere in lebhafter Unterhaltung. Das ist Alltag bei der Bahnhofsmission. Am Südende von Gleis 1 treffen sich Menschen, deren Leben irgendwann aus dem Ruder gelaufen ist oder die einsam sind und Gesellschaft suchen. Das war auch am Samstag nicht anders, als Mitarbeiter zum Tag der Bahnhofsmission die Reisenden über ihre Arbeit informierten und Lose verkauften. Sie wollen Geld in die chronisch klamme Kasse der von den beiden großen Kirchen unterhaltenen Einrichtung bekommen.

„Unsere Mittel werden leider nicht erhöht, obwohl wir ständig mehr Gäste betreuen. Allein 2014 hat sich deren Zahl im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt – auf inzwischen über 11.000“, sagt Dagmar Kunkel-Epple, die Leiterin der Station. Darunter sind nicht nur die Gäste der Kaffeerunde. „Die Bundespolizei bringt regelmäßig Flüchtlinge zu uns, die sie in den Zügen aufgegriffen hat. Sie haben Hunger und oft auch nur die Kleidung an, die sie gerade tragen. Bei uns können sie sich stärken, ehe sie den Asylbehörden übergeben werden,“ so Kunkel-Epple.

Auch Bettler aus der Innenstadt seien regelmäßige Gäste. Wer kann, bezahlt 50 Cent für den Kaffee, das Gebäck dazu spenden zwei im Bahnhof ansässige Backbetriebe. Für Ulrich Becker ist sein Engagement als Helfer der Bahnhofsmission eine Art Dankeschön. „Mir geht es gut und hier kann ich etwas davon zurückgeben“ sagt der pensionierte Realschullehrer zu seiner Motivation. Sechs Stunden steht er jede Woche in der Küche, kocht Kaffee und gibt Kuchen aus. Er versucht, Not zu lindern, wenn er die Besucher bedient, Kleiderspenden entgegennimmt oder hilft, einem Obdachlosen ein Nachtquartier zu besorgen.

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Bahnhofsmission übernimmt immer mehr Aufgaben

Die Aufgabengebiete der Bahnhofsmission haben sich in den letzten Jahren verändert. So würden heute, anders als in den 1990er Jahren, kaum noch Spätaussiedler betreut. Dafür würden viele Flüchtlinge, vor allem aus Südeuropa, kommen. „Auch der Kaffeebetrieb, in dem unsere Gäste ein warmes, trockenes Plätzchen finden, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Immer häufiger betreuen wir auch allein reisende Kinder. Ihre alleinerziehenden, oft berufstätigen Mütter schaffen es einfach nicht, mit ihnen zu fahren“, erläutert Lisa Hagins, Bereichsleiterin bei der Diakonie.

Und was sagen die Gäste? Der Hunger treibe ihn und seine Freunde regelmäßig her, sagt ein Mann in den Dreißigern, der sich Heino Wolf nennt. „Wir haben Hunger und kein Geld in der Tasche. Hier bekommen wir wenigstens einen Kaffee und eine Kleinigkeit zum Essen“ sagt er. Zum Schlafen geht er in eine Notunterkunft. Doch einer der Kumpel habe ein paar Tage bei einer Bekannten übernachtet und dürfe jetzt nicht mehr dort schlafen: „Die haben ihn rausgeschmissen, weil er ja angeblich eine Unterkunft hat.“ Er schlafe jetzt unter einer Brücke. „Das ist alles entwürdigend für uns.“ Seit Jahren tourt der Schweizer Robert Gujert durch Süddeutschland. Er sei Elektrotechniker und habe sich auf „innovative Beleuchtung“ spezialisiert, sagt er.

Mit Jobs bei Firmen, die seine Dienste brauchen können, schlage er sich durch. „ Augsburg gefällt mir gut und hier gibt es was für mich zu tun. Jetzt will ich mir eine kleine Wohnung und Arbeit suchen, um mein Leben zu finanzieren.“ Begeistert erzählt er von Projekten, die er hier verwirklichen möchte. Warum er „auf der Walz“ ist und wo er derzeit wohnt, verrät er dagegen nicht. Auch er fühlt sich hier wohl und gehört zu den Stammgästen der Bahnhofsmission.

Die Station ist an den Werktagen von 9 bis 15.30 Uhr, samstags bis 12.30 Uhr, geöffnet. Auskunft zur ehrenamtlichen Mitarbeit gibt Dagmar Kunkel-Epple unter der Telefonnummer 0821/519238.

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