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Augsburg

17.08.2020

Immobilienpreise: Neubauwohnungen in Augsburg werden teurer

Wenn in Augsburg aktuell Mehrfamilienhäuser gebaut werden, dann sind bei den frei finanzierten Wohnungen auch Preise von etwa 6000 Euro pro Quadratmeter möglich. Zuletzt stiegen die Preise massiv.
Bild: Michael Hochgemuth

Plus Inzwischen sind in Augsburg bei Neubauwohnungen Quadratmeterpreise zwischen 5000 und 6000 Euro realistisch. Das hat auch Folgen für das Mietniveau. Speziell für Familien wird es eng.

Die Immobilienpreise in Augsburg sind zwischen vergangenem Herbst und dem Frühjahr 2020 gestiegen, im Segment von Neubauwohnungen sogar weit drastischer als bisher. Zu diesem Ergebnis kommt die jährliche Auswertung des Maklerverbandes IVD. Die Corona-Krise, die erst nach Ende des Untersuchungszeitraums durchschlug, habe aufs Preisniveau bisher keine großen Auswirkungen gehabt. „Vielleicht läuft der Preisanstieg jetzt etwas gedämpfter, aber es gibt keine Anzeichen, dass Preise sinken“, sagt der Augsburger Makler Florian Schreck, Vorstandsmitglied im IVD-Süd.

5440 Euro pro Quadratmeter werden für Wohnungen fällig

Am massivsten ist die Steigerung bei neuen Eigentumswohnungen. Hier gab es Steigerungen von 4670 Euro pro Quadratmeter (Herbst 2019) auf 5440 Euro (Frühjahr 2020; jeweils guter Wohnwert) – das sind 16 Prozent. Die Preise sind real, wenn man einen Blick auf aktuell vermarktete Wohnprojekte in Augsburg wirft. Hier läuft es auch auf Preise von mehr als 6000 Euro pro Quadratmeter hinaus.

Die Preisspirale trifft zudem Bestandswohnungen und schlägt ebenso am Mietmarkt durch, wenn auch nicht so gravierend. Speziell bei Bestandswohnungen gab es zuletzt keine riesigen Sprünge mehr (siehe Info) – wohl auch, weil in Augsburg ein Niveau erreicht ist, das sich nicht mehr ohne Weiteres steigern lässt. Bei Neubauwohnungen ziehen die Mieten hingegen weiterhin an – wer als Vermieter teuer gekauft hat, muss zwangsläufig teuer vermieten.

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Die meisten Wohnungen in Augsburg kosten mehr als zehn Euro pro m²

Dass die Mieten steigen, registriert auch die Wohnbaugruppe der Stadt. Eine Auswertung von Mietanzeigen in unserer Zeitung und bei Immobilienscout24 fürs vergangene Jahr kommt zum Ergebnis, dass nur knapp die Hälfte der inserierten Wohnungen bei höchstens elf Euro liegt. Nicht einmal ein Drittel der Wohnungen ist für höchstens zehn Euro Quadratmetermiete zu haben (vor fünf Jahren galt das in Augsburg noch als Schallgrenze).

Die Tendenz zur Steigerung, so die Wohnbaugruppe, habe sich 2020 fortgesetzt. Allerdings, schränkt Sprecherin Andrea Wolf ein, handle es sich um Angebotsmieten, bei denen nicht klar sei, ob sie tatsächlich erzielt wurden. Die Wohnbaugruppe liegt mit ihren Mieten von sechs Euro deutlich unter dem allgemeinen Niveau, hat aber Wartelisten für die 10.000 Wohnungen.

30 Prozent des Einkommens gehen für die Miete weg

Speziell für Familien wird das Thema zunehmend zum Problem. Das Suchportal „immowelt“ errechnete vor Kurzem für 79 deutsche Großstädte, wie viel Anteil des Netto-Einkommens eine vierköpfige Familie für eine neu gemietete Wohnung zu zahlen hat. Augsburg kommt dabei nicht gut weg, was am vergleichsweise geringen Lohnniveau, aber auch an den steigenden Mieten liegen dürfte.

30 Prozent des Nettoeinkommens muss demnach eine Familie (Eltern mit Berufsabschluss) in Augsburg für die Wohnung zahlen (bei Akademikern 22 Prozent, bei Ungelernten 39 Prozent). Das ist über dem Durchschnitt. Augsburg liegt damit unter den Top 20 der deutschen Städte. Eine Faustregel besagt, dass die Miete unter einem Drittel des Netto-Einkommens liegen sollte.

Augsburger Immobilienmarkt: Kapitalanleger sind auf dem Vormarsch

Man merke, sagt Makler Schreck, dass Kurzarbeit und die wirtschaftliche Lage Miet- und Kaufinteressenten beschäftigen. Allerdings, so Prof. Stephan Kippes vom IVD-Marktforschungsinstitut, habe dies auf die Preise keine Auswirkungen. „Jetzt sind halt nur noch 15 statt 20 Interessenten da, aber letztlich reicht es ja, wenn einer in der Lage und dazu bereit ist, den verlangten Preis zu bezahlen“, so Kippes.

Was den Immobilienkauf betrifft, seien Eigennutzer etwas vorsichtiger. Das werde aufgefangen durch private Kapitalanleger, die eine Wohnung oder ein Reihenhaus kaufen wollen, um es zu vermieten. Angesichts der Situation auf den Aktienmärkten setzten viele Anleger auf eine Anlage in Beton, so Kippes.

676 Wohnungen wurden im vergangenen Jahr in der Stadt Augsburg fertig

Laut Statistischem Landesamt wurden in der Stadt im vergangenen Jahr 676 Wohnungen fertig. In den Vorjahren lagen die Zahlen bei mehr als 1000. Die Fertigstellung größerer Projekte ist in diesem Jahr nicht abzusehen, wobei es mehrere größere Wohnbauprojekte gibt, die 2021 bezogen werden können.

Mittelfristig könnten es auch wieder mehr werden. Im vergangenen Jahr wurden Baugenehmigungen für 1700 Wohnungen erteilt – so viele wie seit Jahren nicht mehr. Die hohe Zahl resultiert aber auch daraus, dass darunter relativ viele Ein-Zimmer-Apartments sind, die für Anleger attraktiv sind.

Inwieweit all diese Wohnungen gebaut werden, ist eine andere Frage. Wie berichtet verschob die Firma Instone zuletzt coronabedingt ihr Projekt am Hauptbahnhof mit knapp 400 Wohnungen.

Lesen Sie auch den Kommentar zum Thema: Der Wohnungsmarkt teilt sich zunehmend

Und lesen Sie auch:

Außerdem haben wir eine Podcast-Folge zu dem Thema:

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Die Diskussion ist geschlossen.

19.08.2020

Jetzt müssen halt auch teilweise Kosten der neue Sozialquote von 30% auf die frei verkäuflichen übrigen 70% umgelegt werden.

Wenn die staatlichen Vergünstigungen wirklich voll auskömmlich wären, würde mancher Immobilienunternehmer ja einfach auch 40/60 bauen. Es gibt ja in Städten immer Stellen in der 1. Reihe die so eine Quote nahelegen. So wird halt mal wieder umverteilt und mancher Politiker sonnt sich im Glanz der von anderen finanzierten Wohltat.

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17.08.2020

Ich verstehe nicht, warum nicht eine gravierende Ursache öffentlich thematisiert wird. Die Geldwäsche der Mafia's in Deutschland.
Kürzlich gab es im ZDF den Bericht "Die Geheimnisse der Russenmafia" - dürfte noch in der Mediathek sein.
Hier wurde bestätigt, dass das kriminielle Geld in Milliardenbeträgen - hier im Musterländle Deutschland - gerne in Immobilien angelegt und dadurch in sauberes Vermögen umgewandelt wird.
Allein die Italienische Mafia soll allein "JÄHRLICH" 30 Milliarden Euro hier einbringen.

Das nimmt unseren jungen Leuten die Möglichkeit mit "erarbeitetem Geld" Wohneigentum zu schaffen.

Warum kann - oder will - ein Rechtsstaat solche organisierte kriminelle Machenschaften nicht eliminieren? Wer verdient daran?
Wenn die Justiz das seit Jahrzehnten nicht abstellen kann, ist unser Rechtsstaat am Ende.
Das wäre doch ein lohnenswertes Thema für die Presse - evtl. mit Polizeischutz - denn es kann gefährlich werden?

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17.08.2020

Gibt es überhaupt noch eine Mittelschicht ?
Die konnten es wagen, Eigentum zu erwerben.
Ist heute leider nicht mehr möglich.
Machen Sie doch mal eine Auflistung wer sich solche Neubauten leisten kann !!
Wo bekommt man den Lohn, das man sich so etwas leisten kann ??
Bei uns in der Gegend nicht.
Bist du kleiner als "Reich" dann war's das für dich.
Schmink dir alle Zukunftsträume ab.
Wann reagieren unsere Politiker, auf dieses Thema ???

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17.08.2020

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Herr Krog, Sie schreiben:

"......auch Preise von etwa 6000 Euro pro Quadratmeter möglich."
"......Quadratmeterpreise zwischen 5000 und 6000 Euro realistisch."
"......läuft es auch auf Preise von mehr als 6000 Euro pro Quadratmeter hinaus."

Um Sie auf den aktuellen Stand zu bringen:

Seit dem Frühjahr sind Quadratmeterpreise zwischen 6400 und 6900 Euro
auch schon (nicht nur Einzelfälle!) schon Realität!
.

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18.08.2020

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Nachtrag eines (derzeitigen - wie lange noch?- ) Einzelfalles:

7100 Euro pro Quadratmeter
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17.08.2020

Diese "Blase kann noch sehr gefährlich werden. Büroräume in der Innenstadt werden weniger gebraucht durch Homeoffice, welche auch nach Corona bestehen bleiben (kostengünstiger für Firmen). Wegfall von Arbeitsplätzen in der Industrie wird sich auf den Wohnungsmarkt niederschlagen, auch durch weniger hochwertige Arbeitsplätze. Massiver Ausbau des ÖPNV begünstigt die ländliche Ansiedlung durch günstigere Mieten/Kaufpreise.

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17.08.2020

>> Massiver Ausbau des ÖPNV begünstigt die ländliche Ansiedlung durch günstigere Mieten/Kaufpreise. <<

Staudenbahn mit Zwangsumstieg in Gessertshausen ab 2025 ?

Taktreduzierung Friedberg im Rahmen Deutschlandtakt?

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17.08.2020

Dann bleibt nur zu hoffen, dass die Augsburger auf die Straße gehen, wenn ein Bürgermeister es wagen sollte, die Wohnbaugruppe zu verkaufen.
Ein anderes Thema ist, dass Augsburg wegen des Wegbrechens vieler Industriebetriebe wieder eine höhere Arbeitslosigkeit droht. Auch wenn derzeitige Alptraum kein Ende zu nehmen scheint, Kapitalanlager den Augsburger Wohnungsmarkt mit Geld regelrecht überfluten könnten, werden sich die Preise wieder nach unten korrigieren, weil es gar nicht anders geht, es der Markt nicht hergibt.

Ich warte nur darauf, dass es mit dem Homeoffice wieder eine Landflucht gibt, spätestens dann, wenn der Kauf und Unterhalt eines guten Elektroautos wesentlich günstiger ist, als der Aufpreis für eine Stadtwohnung. Weil warum sollte jemand, nur weil er es sich leisten könnte, viel Geld für eine Etagenwohnung in renditeoptimierter dichter Bebauung ausgeben, anstatt seinen Kindern Platz zum Leben zu geben?

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