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Augsburg

29.08.2019

In Augsburg fehlen über 500 Betreuungsplätze für Kinder

In sehr vielen Augsburger Kindertagesstätten gibt es Wartelisten.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Plus Obwohl jüngst zahlreiche Kinder noch einen Platz bekamen, ist die Situation genauso angespannt wie vor Monaten. Warum Referent Kiefer dennoch zuversichtlich ist.

Als Fabian K. Anfang des Jahres seine mittlerweile dreieinhalbjährige Tochter in zwei Kindertagesstätten anmeldete, war er noch zuversichtlich. „Es hieß damals, die Chancen seien gar nicht so schlecht.“ Jetzt muss die Kleine zu Hause bleiben. „Wir haben nur Absagen kassiert“, sagt der Vater, der mit seiner Familie in Kriegshaber lebt. Zwar sei seine Frau momentan auch wegen des einjährigen Kindes noch zu Hause. „Wir haben aber so auf einen Platz gehofft, weil wir unserer Tochter soziale Kontakte ermöglichen wollen. Traurig ist sie vor allem deswegen, weil ihre Freunde jetzt in die Kita gehen und sie nicht.“

Wieder neue Namen auf den Kita-Wartelisten

Die junge Familie aus Kriegshaber ist kein Einzelfall. Vor der Sommerpause waren stadtweit rund 500 Kinder noch unversorgt.

Daran hat sich, wie Sozialreferent Stefan Kiefer und Inka Wischmeier vom Jugendamt sagen, nichts geändert. Aktuell stehen 527 Kinder auf den Wartelisten. Es seien zwar 248 Mädchen und Buben vor allem mithilfe der Kids-Stützpunkte in den vergangenen Monaten noch in den diversen Einrichtungen untergebracht worden. „Gleichzeitig kamen neue Namen auf die Wartelisten. Das können Zuzügler sein oder auch Familien, die sich erst jetzt gemeldet haben.“

In Augsburg fehlen über 500 Betreuungsplätze für Kinder

Kiefer will die Situation nicht beschönigen. „Die fehlenden Plätze lassen uns nicht unberührt“, sagt er. Neben der seit Jahren steigenden Geburtenrate und dem generellen Bevölkerungswachstum in Augsburg machen der Stadt die sogenannten Korridorkinder zu schaffen. Das sind die Mädchen und Buben, die zwischen Anfang Juli und Ende September sechs Jahre alt werden. Ihre Eltern können sie jetzt leichter von der Einschulung zurückstellen und noch ein weiteres Jahr in der Kita belassen.

Fast 40 Prozent der betreffenden Familien machen davon Gebrauch. „Das sind 250 zusätzliche Kinder in den Betreuungseinrichtungen“, sagt Kiefer. Ohne die Korridor-Regelung hätte sich aktuell die Situation im Kindergarten (Drei- bis Sechsjährige) deutlich entspannt.

In Augsburg ist der Engpass im Kindergarten am größten

Bezüglich der absoluten Zahlen ist der Engpass in dieser Altersgruppe am größten. Von den 527 unversorgten Kindern entfallen 288 auf den Kindergarten, 58 auf den Hort (Schulalter) und 181 auf die Krippe mit den unter Dreijährigen. Dass trotz des Ausbaus in diesem Bereich eine große Lücke zwischen Bedarf und Angebot klafft, liege auch daran, dass die Krippe für Familien immer selbstverständlicher werde, sagen die Fachleute. Je nach Stadtteil stellt sich die Situation unterschiedlich dar.

Relativ gut ist die Versorgungssituation nach Angaben Wischmeiers in der Firnhaberau, in der Hammerschmiede, im Univiertel und im Hochfeld. Überdurchschnittlich viele Plätze in der Krippe und im Kindergarten fehlten hingegen in Lechhausen, Göggingen und Haunstetten. Darüber hinaus täten sich Familien von Drei- bis Sechsjährigen in Oberhausen, Pfersee und Hochzoll besonders schwer, ihr Kind unterzubringen. „Auch Kriegshaber müssen wir im Auge behalten.“ Ausgesprochene Notgruppen, um den Engpass abzufedern, gebe es nicht. Dafür fehle es an den Räumlichkeiten und am Personal. Vereinzelt würden zusätzliche Plätze in bestehende Gruppen eingestreut, sagt Wischmeier.

Insgesamt stehen in Augsburg rund 13300 Betreuungsplätze für die verschiedenen Altersstufen zur Verfügung. Viele sind erst in jüngster Zeit entstanden. Kiefer: „Ende des Jahres haben wir rund 2000 Plätze mehr als im Jahr 2014.“

Demnächst eröffnen zwei große Neubauten. Das ist zum einen die Kita Schwimmschulstraße zwischen Plärrer- und Familienbad mit insgesamt 137 Plätzen, davon zwölf Krippen-, 100 Kindergarten- und 25 Hortplätze. Zum anderen feiern die Kleinen Freunde in Kriegshaber die Eröffnung ihrer zweiten Einrichtung. Sie bietet insgesamt 124 Kindern Platz.

Die Kindertagesstätte Schwimmschulstraße soll noch in diesem Jahr eröffnen. Insgesamt entstehen dort 137 Plätze von der Krippe bis zum Hort.
Bild: Michael Hochgemuth

Sozialreferent Kiefer ist zuversichtlich, dass sich die Situation in den nächsten Jahren entspannt. „Ich halte es für realistisch, dass 2020 mit dem Bau von rund 1000 Betreuungsplätzen begonnen wird.“ Etliche Grundstückskäufe seien getätigt, andere Projekte befänden sich im Genehmigungsverfahren.

Augsburger Kids-Stützpunkte helfen weiter

Unter anderem rechnet Kiefer damit, dass die Projekte im Dehner-Park in Kriegshaber (99 Plätze), im Martini-Park im Textilviertel (123 Plätze) und auf dem Areal des Hintermayr-Stifts im Antonsviertel (99 Plätze) bald verwirklicht werden. Hat die Stadt einen Tipp, was Familien tun können, die jetzt händeringend einen Platz suchen? Wischmeier rät, mit den Kids-Stützpunkten in Kontakt zu bleiben. Diese Stellen hätten den besten Überblick, was sich auch unter dem Jahr in den Betreuungseinrichtungen tut.

Eine Alternative könnte auch die Betreuung durch eine Tagesmutter bzw. einen -vater oder ein Platz in der Großtagespflege sein. Im Rahmen einer Offensive entstünden in diesem Bereich rund 80 Plätze in insgesamt acht Einrichtungen.

Informationen für Familien gibt es unter https://www.augsburg.de/umwelt-soziales/kindertagesbetreuung-in-augsburg/

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