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Immobilien

16.02.2017

In Augsburg gibt es neue Pläne für eine historische Häuserzeile

So sieht der Gebäudekomplex an Karolinenstraße und Schmiedberg derzeit aus. Die Häuser sind heruntergekommen und ungenutzt. Das soll sich nun ändern.
Bild: Michael Hochgemuth

Der Gebäudekomplex zwischen Schmiedberg und Leonhardsberg wird komplett modernisiert. Es ist eines der größten Projekte im Augsburger Stadtzentrum. Das hat der Investor vor.

Lange war es ein Straßenzug mit verwahrlosten Bauten, nicht weit weg vom Augsburger Rathaus. Jetzt wird die historische Häuserzeile an der Karolinenstraße zwischen der alten Handwerkskammer und dem früheren Kaufhaus Mages komplett modernisiert – samt den dahinter liegenden Gebäuden. Die Investoren sprechen von einem der größten Bauvorhaben, das gerade in der Innenstadt läuft. Das Projekt sei in vieler Hinsicht eine große Herausforderung, sagt der zuständige Architekt Geza Varga.

Es gab immer wieder Anläufe

Wie die Sanierung und neue Nutzung der insgesamt fünf Gebäude zwischen Karolinenstraße, Schmiedberg und Leonhardsberg verträglich fürs Stadtbild realisiert werden kann, darüber wurde in den vergangen Jahren viel diskutiert. Zwar gab es immer wieder Anläufe unterschiedlicher Interessenten. Realisiert wurden die Ideen aber nie. Teilweise wollten die Investoren kostengünstige Neubauten durchsetzen. Aus Sicht von Fachleuten wäre das aber an dieser städtebaulich exponierten Stelle mit Sichtachsen zum Dom und zum Rathaus fatal gewesen.

Auch die Karolinenstraße selbst ist ein wichtiger historischer Straßenzug. Die Bauten am Leonhardsberg, die in kriegsbedingten Baulücken in den 1950er Jahren entstanden, gelten heute ebenfalls als Zeitdokumente des Städtebaus, die erhalten bleiben sollen – auch wenn sie nicht unter Denkmalschutz stehen.

In Augsburg gibt es neue Pläne für eine historische Häuserzeile
So wird das Bau-Ensemble nach der Sanierung aussehen. Bis es zu diesem Entwurf kam, verging über ein Jahr.
Bild: Geza Varga Architekten

Inzwischen wurde der Gebäudekomplex von dem Augsburger Unternehmen ALS Immobilien erworben. Der neue Bauherr fand nun auch in Abstimmung mit der städtischen Bauverwaltung einen Kompromiss, mit dem die meisten Fachleute einverstanden sind. „Der Planungsprozess hat über ein Jahr gedauert“, sagt Wolfgang Fratz vom S&P Family Office, der das Projekt betreut. Doch der Runde Tisch mit allen beteiligten Stellen habe sich gelohnt.

Prägend für den Straßenzug

Fest steht nun, dass der frühere Bau der Handwerkskammer erhalten bleibt. Er gilt als prägend für den Straßenzug in Richtung Dom. Auch das Gebäude des ehemaligen Kaufhauses Mages am Leonhardsberg bleibt im Original stehen. Ein Teil der Gebäudezeile am Schmiedberg darf dagegen um ein Stockwerk höher werden. Dieser Eingriff wurde vom Landesamt für Denkmalpflege kritisch gesehen. Dort plädierte man dafür, das letzte historische Satteldach in diesem Bereich zu erhalten. Ein niedriges Haus neben der alten Handwerkskammer darf abgerissen und der Neubau aufgestockt werden.

Die vorbereitenden Arbeiten auf der Baustelle sind schon in Gang. Zwei Gebäude wurden entkernt. Das Haus in der Karolinenstraße 26 wird gerade abgebrochen. Aktuell laufen die Ausschreibungen für die Modernisierung, sagt Architekt Varga. Sie wird voraussichtlich im April beginnen. Im Herbst 2018 soll der Gebäudekomplex bezugsfertig sein. Nach Angaben der Investoren wird die Modernisierung einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. „Die Kosten werden durch eine teilweise schlechte Bausubstanz in die Höhe getrieben“, sagt Fratz.

Architekt Varga sieht eine weitere Herausforderung darin, dass unterschiedlich alte Gebäude instand gesetzt werden müssen. Das frühere Gebäude der Handwerkskammer stammt aus dem Jahr 1927. Die anderen Bauten entstanden nach dem Krieg in den 1950er Jahren.

Die Regierung von Schwaben zieht ein

Fest steht inzwischen auch, wer in den modernisierten Gebäudekomplex mit insgesamt 10.000 Nutzfläche einzieht. Größter Mieter wird der Bezirk Schwaben sein. Der Mietervertrag sei bereits vom Bezirkstag abgesegnet und unterschrieben, sagt Georg Bruckmeir, Direktor der Bezirksverwaltung. In den beiden Gebäuden am Leonhardsberg sollen die bestehenden Büros und Läden bleiben, sagt Fratz.

Der Bezirk will auf über 6000 Quadratmetern Fläche an der Karolinenstraße eine neue zentrale Anlaufstelle für den Bereich Soziales einrichten. Gleichzeitig sollen die insgesamt neun Standorte für die verschiedenen Fachbereiche auf zwei zusammengezogen werden – auf die Karolinenstraße und die bisherige Zentrale des Bezirks gleich gegenüber am Hafnerberg, die bestehen bleibt.

Bruckmeir sieht in der neuen Lösung viele Vorteile. Zum einen gibt es mehr Platz. Denn die Zahl der Mitarbeiter ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Insgesamt sind es 520 Beschäftigte. Das neue Haus für Soziales an der Karolinenstraße liegt außerdem zentral und verkehrsgünstig. Es sei für Beschäftigte und Besucher gut erreichbar. Kunden sind dort vor allem Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen, deren Betreuer und Familienangehörige. Auch die Logistik für die Verwaltung wird mit zwei benachbarten Standorten einfacher.

Und was passiert drum herum?

„Unterm Strich wurde eine verträgliche Lösung fürs Stadtbild erzielt“, sagt Heimatpfleger und Architekt Hubert Schulz mit Blick auf das schwierige Modernisierungsprojekt. Die Investoren wünschen sich nun aber auch ein angemessenes Umfeld. Wolfgang Fratz hofft, dass weitere Häuser in der Nachbarschaft saniert werden. Insbesondere das Gebäude weiter unten am Schmiedberg müsse zeitnah in Angriff genommen werden.

Das ehemalige Hess-Haus gehört einem Investor aus Dubai. Auch dieses Bauvorhaben erwies sich als problematisch. Zunächst war geplant, die heruntergekommene Immobilie in ein modernes Stadthotel zu verwandeln. Vom Hotelprojekt hat der Investor aber wegen der hohen Kosten wieder Abstand genommen. Mit einem neuen Architekten aus München will man das Gebäude nun in ein modernes Wohnhaus umwandeln.

Zuletzt wurde der Umbau aber vorübergehend gestoppt. Wie ein Sprecher des Investors vor einigen Monaten mitteilte, muss erst die zugehörige Tiefgarage saniert werden, bevor es mit der Sanierung weitergeht.

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16.02.2017

Es ist doch schön, wenn sich in diesem Gebiet endlich etwas tut.

In der Nachkries-Autoschneise und der Gegend drumrum stehen wirklich viele hässliche runtergekommene Nachkriegsgebäude. Da wäre es toll, wenn diese große Änderung eine Initialzündung wäre für eine insgesamte Verschönerung. Als Fußgänger meide ich dieses Gebiet, da alles so trist und kahl ist, z.B. gibt es keinerlei Grün am Obstmarkt, Im Thäle / Hafnerberg. Umso schöner und ein extremer Kontrast ist jedoch dann der Bereich der Regierung von Schwaben mit dem Hofgarten und der Dom.

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