1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. In Augsburg kommt das Taxi auf Wunsch ohne Sex-Werbung

Augsburg

06.05.2016

In Augsburg kommt das Taxi auf Wunsch ohne Sex-Werbung

Etwa 20 Taxen mit erotischer Werbung sind in Augsburg unterwegs – doch vor allem Kundinnen wollen da nicht immer einsteigen.
Bild: Andreas Zilse

In Augsburg muss keiner mehr mit einem Wagen fahren, auf dem Sex-Werbung klebt. Mehrere Frauen haben diese Idee durchgesetzt. Das Ganze dient sogar dem Frieden im Rotlichtmilieu.

In der Sache soll es sogar schon mal ein Protestschreiben an den Oberbürgermeister gegeben haben. Eine Frauenrechtlerin kam in Augsburg am Hauptbahnhof an. Sie musste in der Stadt zu einem Termin – und traf am Taxistand gleich auf mehrere Wagen, die mit Werbung für ein örtliches Striplokal beklebt waren. Die Frauenrechtlerin war darüber so empört, so erzählt man es sich unter Taxifahrern, dass sie ihrem Ärger in einem Brief an den Rathaus-Chef Luft machte.

Doch die Zeiten haben sich geändert in Augsburg. Inzwischen muss keiner mehr mit einem Taxi fahren, auf dem für erotische Dienstleistungen geworben wird. Die Augsburger Taxi-Genossenschaft bietet seit kurzem an, dass Kunden bereits bei der Bestellung einen Wagen ohne Erotik-Werbung anfordern können. Seit die städtische Wirtschaftsreferentin Eva Weber (CSU) das in einer Pressemitteilung bekannt gemacht hat, erregt die Angelegenheit bundesweites Aufsehen. Sie wählt große Worte für das neue Angebot der Taxi-Genossenschaft. Es sei ein „praktischer Beitrag zur Friedensarbeit“, lässt sich Eva Weber zitieren, und es diene dem „Frieden zwischen den Geschlechtern“.

Taxis ohne Sex-Werbung: Etwa zehn Prozent sind betroffen

Bei der Augsburger Taxi-Genossenschaft wollte man das Thema gar nicht so hoch hängen. Die Verantwortlichen sind überrascht von dem Wirbel. „An uns wurde dieser Wunsch herangetragen“, sagt Vorstandsmitglied Ferdi Akcaglar. „Da wir großen Wert auf den Service legen, haben wir das ermöglicht.“ Betroffen sind etwa zehn Prozent der Taxis in der Stadt. 209 Wagen gibt es, an rund 20 Fahrzeugen klebt Werbung für Tabledance-Bars oder Sex-Klubs. Deren Wagennummern wurden registriert. Auf diese Weise kann die Zentrale jetzt den Wunsch nach einem Taxi ohne erotische Werbung erfüllen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Für die Taxi-Genossenschaft ist die Erotik-Werbung nur ein Merkmal von vielen, das die Kunden heutzutage bei ihrer Wagenbestellung angeben können. Wer möchte, der kann auch eine spezielle Automarke ordern oder festlegen, ob er lieber mit Limousine oder Kombi kutschiert werden will. Möglich ist es auch, einen Fahrer zu engagieren, der eine bestimmte Fremdsprache spricht – etwa Englisch, Französisch oder Türkisch. Auch ein Taxi ganz ohne Werbung kann bestellt werden. Allerdings gebe es davon nicht allzu viele, sagt Ferdi Akcaglar. Und es kann sein, dass man bei ausgefallenen Wünschen eine längere Wartezeit in Kauf nehmen muss.

Anti-Erotik-Service: Augsburg ist Vorreiter

Augsburg ist bundesweit die erste Stadt, in der es den Anti-Erotik-Service gibt. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich. In den sozialen Netzwerken überwiegt der Spott. Ein Nutzer fragt sich etwa: „Ist jetzt Augsburg total verklemmt?“ Eine Frau kommentiert: „Als wenn wir sonst keine Probleme hätten.“ Bei der Taxi-Genossenschaft sind allerdings positive Rückmeldungen eingegangen. Und Wirtschaftsreferentin Eva Weber berichtet von E-Mails, in denen Frauen sich bedankten, nicht mehr in Taxis steigen zu müssen, auf denen die Umrisse nackter Frauen abgebildet seien.

Auf islamkritischen Internetseiten wird spekuliert, der Vorstoß sei ein Zeichen für die voranschreitende Islamisierung. Diese Deutung ist allerdings falsch. Denn die Initiative ging von der Frauenhilfsorganisation Solwodi aus. Deren Gründerin ist die katholische Ordensschwester Lea Ackermann. Für ihren Kampf gegen Zwangsprostitution wurde sie vor zwei Jahren mit dem Augsburger Friedenspreis geehrt. Mit Sigrid Gribl, der Ehefrau des Augsburger Oberbürgermeisters, hat die Organisation eine einflussreiche Fürsprecherin. Das hat dem Anliegen vermutlich nicht geschadet.

Vom Service der Taxi-Genossenschaft profitieren auch die Erotik-Klubs. Deren Chefs mögen es nicht, wenn sie für einen Kunden ein Taxi bestellen – und dann ein Wagen vorfährt, auf dem Werbung für die Konkurrenz gemacht wird. Früher soll es deshalb schon Ärger gegeben haben. Da alle Taxen mit Erotik-Werbung registriert sind, können solche Zwischenfälle im Milieu vermieden werden.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

11.05.2016

In Düsseldorf gibt es in der Genossenschaft seit Jahren eine Übereinkunft, dass keine Puffwerbung auf die Taxis geklebt wird

Permalink
08.05.2016

Es bewahrheitet sich fast täglich: Kleingeister und Kleinbürgertum. Selbst Weiler mit 100 Einwohnern scheinen mental weiter zu sein.

Permalink
08.05.2016

ich kann mich dem dem Kommtator vorher nur anschließen

Permalink
07.05.2016

aber so ganz stimmt es nicht was die Taxizentrale hier von sich gibt !!1 wenn man am Bahnhof ankommt und als erstes 4 Taxen mit Frauenfeindlicher Werbung stehen und Mann da nicht einsteigen will muß man warten bis diese Fahrgäste haben !!! denn bei den Sturen Fahrern gilt nicht das recht der freien Wahl !!! l Eine Beschwerde beim Ordnungsamt wurde leider auch ignoriert , aber das ist ja in Augsburg Üblich !!!

Permalink
Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20180929_FAS_1202(1).tif
Augsburg

Deutsch-Tschechisches Freundschaftskonzert

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket