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Augsburg

16.08.2017

In Augsburg sterben immer mehr Vögel an Fensterscheiben

Dieses Rotkehlchen und dieser Sperber haben den Zusammenprall mit einer Scheibe nicht überlebt. Vogelschützer haben sie vor einem Wartehäuschen in Haunstetten gefunden,
Bild: Peter Fastl

Weil Glas als Baustoff sehr beliebt ist, sterben Millionen Vögel. Warum sie mit transparenten Fronten kollidieren und die Raubvogelsilhouetten zum Aufkleben kaum nützen.

Man hört einen dumpfen Knall an der Glasscheibe. Am Boden liegt ein Vogel mit gebrochenem Genick. In Deutschland sterben jährlich Millionen Vögel durch Kollisionen mit Fensterscheiben oder Glasfronten, das schätzen Experten. Auch in Augsburg komme das immer öfter vor, warnen Vogelschützer. Denn bei Bauvorhaben wird seit Jahren immer mehr Glas verwendet. Mit dieser transparenten Architektur kommen viele Vögel nicht zurecht.

Beim Landesamt für Umwelt (LfU) in Augsburg hat man sich das Phänomen genauer angeschaut. Denn auch der Bau des Landesamtes in Haunstetten hat große Glasfronten. Als das Gebäude 1999 in Betrieb ging, sei relativ schnell klar geworden, dass Vögel mit den Scheiben kollidieren, sagt Bernd-Ulrich Rudolph, Referent für Arten- und Lebensraumschutz beim LfU. Er untersuchte deshalb schon 2001 und 2002, wie viele Vögel an den Gebäudefronten zu Tode kommen. Das Ergebnis: Innerhalb von zwei Jahren fand er 52 Todesopfer durch den sogenannten „Vogelschlag“. Heimische Brutvögel waren genauso darunter wie Zugvögel, die nur zu bestimmten Jahreszeiten in Augsburg Station machen. Besonders groß war die Zahl der toten Vögel in den Bereichen des Gebäudes, wo sich in großen Glasfassaden die Natur in der Umgebung spiegelt. Aber auch verglaste Verbindungswege zwischen den Gebäuden erwiesen sich oft als tödliche Falle, so Rudolph. „Transparente Durchblicke sind ein Problem für Vögel.“

Wie lassen sich Vögel vor Kollisionen schützen?

Aus dem Monitoring hat man im Landesamt Konsequenzen gezogen. „Wir sind aktiv geworden“, sagt Rudolph. So wird auf eine vorausschauende Bauweise Wert gelegt. Die neuen Durchgänge für Fußgänger vom Hauptgebäude zum Labortrakt sind mit mattiertem Glas gestaltet, das besser zu sehen ist. An den bestehenden großen Glasfronten wurden transparente Markierungen angebracht, die UV-Licht absorbieren. Dadurch entsteht ein Streifenmuster an den Scheiben, das Menschen kaum wahrnehmen. Vögel können es dagegen gut sehen. Die Wirkung des sogenannten „Bird Pens“ sei wissenschaftlich zwar noch nicht nachgewiesen, sagt Rudolph, „nach unserer Erfahrung scheint es aber zu funktionieren.

Im LfU gibt es aber auch noch eine dritte Maßnahme, um Vögel besser vor Kollisionen zu schützen: Die Scheiben werden seltener gereinigt. Früher kamen die Fensterputzer zweimal jährlich. Inzwischen rückt der Reinigungstrupp für die Glasfronten nur noch einmal in eineinhalb Jahren an. Weil sich dadurch mehr Staub an den Scheiben ablagert, nehmen Vögel das Glas besser wahr. Dazu kommt laut Rudolph, dass mit der selteneren Glasreinigung im Landesamt viel Geld gespart werden kann.

Solche schwarzen Vogel-Aufkleber an Fensterscheiben werden oft verwendet. Nach Einschätzung von Vogelschützern nützen sie aber nur in bestimmten Fällen.
Bild: Peter Fastl

All diese Maßnahmen haben Erfolg gebracht. Das LfU führte inzwischen ein weiteres Monitoring durch. Es dauerte ebenfalls zwei Jahre. Diesmal seien kaum noch tote Vögel gefunden worden, freut sich Rudolph.

"Andere Vögel sehen sie nur als schwarzen Fleck"

Doch insgesamt sehen auch Fachleute im Landesamt den Vogelschlag als großes Problem. Rudolph verweist auf Schätzungen der staatlichen Vogelschutzwarten in Deutschland, wonach jährlich rund 100 Millionen Vögel mit Scheiben kollidieren und sterben. In diese Schätzung sei der vorhandene Gebäudebestand in Deutschland eingeflossen. Zwar gibt es schon seit längerem Schutzmaßnahmen wie Aufkleber. Sie sollen die Zahl der Todesopfer verringern. Doch nicht alle haben die erwünschte Wirkung. Wenig effektiv sind offenbar die schwarzen Silhouetten von Greifvögeln, die sehr oft auf Scheiben kleben. „Andere Vögel sehen sie nur als schwarzen Fleck“, sagt Rudolph. Wenn sie nicht sehr zahlreich angebracht werden, versuchen andere Vögel drum herum zu fliegen und prallen dann trotzdem gegen die Scheibe.

Nach Beobachtungen der Augsburger Vogelschützer sind gerade auch transparent verglaste Wartehäuschen an Bushaltestellen Todesfallen für Wildvögel. Dabei könnte man leicht Abhilfe schaffen. Rudolph verweist auf einen verglasten Übergang am Augsburger Vincentinum. Er sei durch eine gestreifte Folie gut sichtbar. Ähnliche Folien gebe es in verglasten Wartezonen vieler Bahnhöfe. Daheim kann manchmal schon ein Vorhang, ein feines Netz oder Fliegengitter am Fenster ausreichen, damit keine Vögel mehr an der Scheibe sterben.

Weitere Tipps, wie man Scheibenopfer vermeiden kann, gibt es beim LBV auf der Webseite www.lbv.de/glas.

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