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Augsburg

07.06.2018

In Lechhausen entsteht ein neues Gewerbegebiet

Die Flächen in Lechhausen (rechts verläuft die Derchinger Straße) könnten frühestens in zwei Jahren mit Gewerbe bebaut werden.
Bild: Silvio Wyszengrad

Auf Ackerland an der Grenze zu Friedberg soll in Zukunft auf rund 90 Hektar Platz für kleinere und mittelgroße Firmen sein. Naturschützer kritisieren die Pläne.

Das bebaute Gebiet auf Augsburger Flur soll im Osten in den kommenden Jahren um rund 125 Fußballfelder wachsen. Die Stadt will das Lechhauser Gewerbegebiet um knapp 90 Hektar erweitern – das entspricht in etwa der Fläche der Jakobervorstadt. Entsprechende Überlegungen gibt es schon länger, inzwischen konkretisieren sie sich. In frühestens zwei Jahren, wenn ein Bebauungsplan steht und Grundstücksfragen geklärt sind, könnten auf den Ackerflächen die Bauarbeiten starten.

Vor allem Platz für kleine bis mittelgroße Firmen im Gewerbegebiet Lechhausen

Das Lechhauser Industriegebiet samt Umweltpark würde mit der Erweiterung zwischen Derchinger und Südtiroler Straße um etwa ein Viertel wachsen. Die Stadt geht damit flächenmäßig das größte Stadtentwicklungsprojekt seit vielen Jahren an. Das neue Siedlungsgebiet Haunstetten-Südwest wird erst deutlich später fertig werden.

Geplant sind Grundstücke ab 1000 Quadratmetern, die flexibel vergrößert werden können. „Wir planen kein Gewerbegebiet wie früher, bei dem Firmenbau an Firmenbau steht. Es geht bei den Gewerbegebieten der Zukunft genauso darum, die Vereinbarkeit zwischen Arbeit und sozialen Nutzungen sicherzustellen“, sagt Wirtschaftsbürgermeisterin Eva Weber (CSU). In dem neuen Gebiet zwischen Derchinger und Südtiroler Straße soll das durch ein parkartiges keilförmiges Areal geschehen, das im Gewerbegebiet liegt. Dort sollen auch Gebäude für ein Restaurant oder eine Kita entstehen.

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Mit dem neuen Gebiet will die Stadt den prognostizierten Bedarf an Gewerbeflächen bis zum Jahr 2030 mit abdecken. In Lechhausen soll vor allem Platz für kleinere bis mittelgroße Firmen sein. Das Gebiet wird bei der Ansiedlung neuer Firmen in Augsburg in den kommenden Jahren eine tragende Rolle spielen – andere Gebiete wie der Innovationspark sind flächenmäßig deutlich kleiner, wobei es dort mit Firmen aus Forschung und Entwicklung eine andere Ausrichtung geben wird.

Ein Gutachten im Auftrag der Stadt geht davon aus, dass sich zwischen 2015 und 2030 ein Bedarf zwischen 163 und 277 Hektar an Gewerbeflächen ergibt, der nur zum Teil durch die Reaktivierung von aufgegebenen Firmenarealen befriedigt werden kann. Die Stadt versucht auch, das in die Jahre gekommene Bestandsgebiet in Lechhausen aufzumöbeln, um künftige Leerstände zu vermeiden.´

Augsburgs Unternehmen sind auf der Suche nach Platz

Bei der Industrie- und Handelskammer begrüßt man die Entwicklung. „Die Wachstumsdynamik Augsburgs ist sehr stark und korrespondiert mit einer entsprechenden Flächennachfrage auch im gewerblichen Bereich, die die Stadt nur schwer bedienen kann“, sagt Peter Lintner, stellvertretender Hauptgeschäftsführer. Auf Dauer sei der Bedarf im Stadtgebiet ohnehin nicht zu stillen, das Gebiet an der Derchinger Straße spiele aber im verbliebenen Handlungsspielraum eine wichtige Rolle, weil es über die AIC25 neu gut an die A8 angebunden sei.

Grundsätzlich kommt die Untersuchung zum Ergebnis, dass mit der Entwicklungsfläche in Lechhausen in Zukunft genug Gewerbeflächen zur Verfügung stehen. Allerdings hängt dies auch davon ab, wie sich der Logistik-Bereich entwickelt. Im Güterverkehrszentrum im Norden der Stadt wurden in den vergangenen Jahren große Flächen mit Lagerhallen bebaut. Perspektivisch möchte die Stadt in diesem Sektor nicht mehr stark zulegen – die Hallen benötigen viel Platz, bringen in der Relation aber relativ wenig Arbeitsplätze.

Der Bund Naturschutz sieht die Lage kritisch

Nicht miteingerechnet beim künftigen Flächenangebot ist das Thema Haunstetten-Südwest, weil die Überlegungen zum Entstehungszeitpunkt der Studie noch zu wenig konkret waren. Die Entwicklungsfläche im Süden der Stadt soll neben Wohnnutzung und Freiflächen auch ein 60 Hektar großes Gewerbegebiet entlang der B17 beinhalten, die Bebauung ist allerdings eher eine Frage von Jahrzehnten als von Jahren.

Beim Bund Naturschutz sieht man die Planungen für Lechhausen kritisch. „Grundsätzlich meinen wir, dass auch bei Gewerbegebieten und Ansiedlungen von Betrieben auf flächenschonende Bauweisen geachtet werden muss“, so Irene Kuhn vom Bund Naturschutz. Hier seien die Möglichkeiten nicht ausgereizt. Zudem gebe es noch Lücken in bestehenden Gebieten wie dem Güterverkehrszentrum oder dem Lechhauser Industriegebiet. Wenn man bedenke, dass es gedauert habe, diese Areale zu füllen, stelle sich die Frage nach dem Bedarf, zumal Haunstetten-Südwest bereits in Vorbereitung ist. Die IHK kontert, dass das Areal auch deswegen gut geeignet sei, weil es von anderem Gewerbe umgeben sei. Insofern gehe es um eine möglichst effiziente Nutzung des vorhandenen Bodens.

Stadt entscheidet gegen Wohnungen im Gewerbegebiet

Im Wirtschaftsausschuss des Stadtrates kam zuletzt die Überlegung auf, ob die Fläche in Lechhausen nicht auch in Teilen als Wohnbebauung geeignet sein könnte. Seit vergangenem Jahr können Kommunen sogenannte „Urbane Gebiete“ ausweisen, wo Gewerbe und Wohnen enger als bisher nebeneinander stattfinden können.

Die Bundesregierung hatte diese Möglichkeit auch als Reaktion auf den steigenden Wohnungsdruck in Großstädten eingeführt. Zumindest ein Versuch wäre wertvoll, so die Anregung von Stephanie Schuhknecht (Grüne) und Rainer Schaal (CSU) im Ausschuss. Allerdings hat die Stadt Augsburg Bedenken, weil die zulässigen Lärmwerte höher als in einem klassischen Mischgebiet sind. Im Fall der Lechhauser Fläche gibt das Stadtplanungsamt zu bedenken, dass das Areal von bestehenden Gewerbegebieten eingeschlossen ist – Wohnungen würden dort wie Inseln inmitten von Firmen stehen.

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