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Augsburg

10.10.2016

In der Stadt gibt es immer weniger Bäume

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Im Hofgarten musste ein großer Tulpenbaum weichen, weil er vom Pilz befallen war. Aktuell stehen in der Stadt zahlreiche Fällaktionen an.
Bild: Silvio Wyszengrad

In Augsburg werden mehr Bäume gefällt als nachgepflanzt, womit der Bestand langsam schwindet. Woran liegt das?

Augsburg gilt als grüne Großstadt. Allein an Straßen und in Parks stehen an die 70.000 Stadtbäume, schätzen Experten. Doch Augsburgs Baumbestand droht langsam und stetig zu schwinden. Immer wieder werden Bäume gefällt, aber nicht ersetzt. Die Gelder im städtischen Haushalt reichen nicht aus, um das öffentliche Grün auf dem gleichen Stand zu halten. Das bestätigt Umweltreferent Reiner Erben auf Anfrage unserer Zeitung.

Einer, der die Entwicklung beobachtet und mit Fotos dokumentiert, ist Stadtrat Christian Pettinger (ÖDP). Allein in seinem Umfeld wurden in den vergangenen Jahren acht Bäume an Straßenrändern gefällt und nicht ersetzt. Pettinger geht davon aus, dass im gesamten Stadtgebiet immer mehr Bäume verschwinden. Deshalb hat er eine Anfrage an die Stadtspitze gestellt. Sein Argument: „Das Stadtgrün ist wesentlich für die anerkannt hohe Lebensqualität in Augsburg.“

Dieses Jahr nur rund 5000 Euro für Baumpflanzungen

Pettinger vermutet, dass es schlicht und einfach am Geld fehlt. Vielleicht fehle es aber auch am Überblick im Amt für Grünordnung, welche Bäume schon seit längerem nicht mehr da sind. Er verweist darauf, dass im städtischen Haushalt in diesem Jahr nur rund 5000 Euro für neue Baumpflanzungen vorgesehen seien. Bei Kosten zwischen 150 und 500 Euro pro Exemplar sei diese Summe wohl nicht ausreichend. Gerade im Herbst stehen wieder größere Fällungen im öffentlichen Grün an.

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Nach einer Zwischenbilanz von Umweltreferent Erben wurden allein in den Monaten September und Oktober 15 größere Bäume im öffentlichen Grün, die als „ortsbildprägend“ gelten, zur Fällung freigegeben. Die Gründe sind unterschiedlich. Einige seien ganz abgestorben, so der Referent, andere nicht mehr verkehrssicher.

Zeitnah keine ausgeglichene Bilanz

Zwar soll nach Möglichkeit noch in diesem Winter nachgepflanzt werden, wo es sinnvoll ist, kündigt Erben an. Die Mittel seien aber begrenzt. Auch der Referent geht davon aus, dass zeitnah wohl keine ausgeglichene Bilanz im Stadtgrün zu erreichen ist. Wegen der angespannten Haushaltslage müsse ein Großteil der vorhandenen Gelder für sicherheitsrelevante Baumpflege und Mäharbeiten verwendet werden.

Verlässliche Zahlen über das Verhältnis von Fällungen und Neupflanzungen städtischer Bäume erwartet Erben erst Ende des Jahres. Die Bilanz muss aufwendig erstellt werden. Bislang verfügt das Amt für Grünordnung nicht über ein digitales Baumkataster. Auch diese Investition sei seit 2011 überfällig, kritisiert Stadtrat Pettinger. Denn nur mit diesem Kataster sei ein aktueller Überblick über den Baumbestand möglich. Wenn die Mitarbeiter des Grünamtes ausrücken, um Schäden zu ermitteln, müssen sie derzeit noch auf ein System mit Notizzetteln zurückgreifen. Was neue Baumpflanzungen an Straßen und in Parks angeht, hofft der Umweltreferent in den kommenden Jahren wieder auf mehr Geld. Finanzreferentin Eva Weber habe dies bereits signalisiert. Die Entscheidung über die Genehmigung der Gelder liege aber letztendlich beim Stadtrat.

13 neue Stellen im Fachamt

Eine gute Nachricht ist für Erben aber, das für die Grünflächenpflege 13 neue Stellen geschaffen werden. Das Fachamt ist inzwischen für wesentlich größere Bereiche zuständig, etwa, weil neue Parks entstanden sind. Mit mehr Personal soll es ab Anfang kommenden Jahres eine neue Abteilung für Baumpflege und Baumkontrolle geben. Eine halbe Stelle mehr hat die Untere Naturschutzbehörde bekommen.

Mit mehr Personal will die Stadt auch die Baumfällungen von privaten Grundeigentümern besser im Blick behalten. Allein seit April wurden rund 60 Anträge auf Fällungen von größeren Privatbäumen genehmigt. Hauptgrund waren Schäden an den Bäumen oder auch Schäden an Gebäuden durch Wurzelwerk. In allen Fällen wurden laut Erben Ersatzpflanzungen vorgeschrieben.

Sturm der Entrüstung in Göggingen

Als größtes Überlebensproblem für Stadtbäume gelten aber Bauarbeiten. Für einen Sturm der Entrüstung sorgte bei Bürgern zuletzt die Fällung von zwei über 100 Jahre alten Kastanien und eines großen Spitzahorns an der früheren Gaststätte Eisernes Kreuz in Göggingen. Die Baumriesen waren zuvor bei Bauarbeiten stark beschädigt worden und nicht mehr standsicher.

Erben will nun mehr Sicherheitsmechanismen im Vorfeld einführen. Vorschläge liegen auf dem Tisch. Danach soll der Wert von gefährdeten Bäumen auf dem Grundstück geschätzt werden. Baufirmen sollen dafür eine Rücklage in entsprechender Höhe bilden. Ein weiterer Vorschlag ist, die Planungen für Bauvorhaben früher und umfassender mit der Naturschutzbehörde abzustimmen. Noch im Oktober soll es dazu einen runden Tisch bei der Stadt geben. In Göggingen warten Bürger aber auch noch auf eine Bestrafung der Verantwortlichen. Die Bäume fielen im Mai. Das Bauordnungsamt hat inzwischen ein Verfahren gegen die am Bau beteiligten Firmen eingeleitet. Ein Bußgeld sei aber noch nicht verhängt worden, sagt Erben."Kommentar

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10.10.2016

Woran das liegt? An den Grünen, insbesondere an Reiner Erben. Ich war auch früher mal so naiv, in Augsburg Grün zu wählen. Das ist aber lange her... Spätestens nachdem auf meinen Gassistrecken kein Schatten mehr ist, das Landschaftsschutzgebiet Wolfzahnau mit Rindern besetz wurde, um von der EU Subventionen zu ergaunern und Augsburg immer grauer statt grüner wird, weiß ich, dass ich dieses (edit) nie wieder wähle. Es ist schade um jeden Baum und es ist kein Ende in Sicht. Ab 2017 wird auch noch das Gögginger Wäldchen zerstört. Wer dann im Sommer was Kühles sucht, muss mit dem Auto woandershin fahren oder eine Klimaanlage anschafft. Toll Grün!

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