Porträt

06.11.2014

In die Luft gebaut

Drachenbauerin Anna Rubin bringt ungewöhnliche Konstruktionen zum Fliegen. Einige ihrer Arbeiten sind demnächst beim Kunsthandwerkermarkt im Staatlichen Textilmuseum zu bewundern.
Bild: Silvio Wyszengrad

Anna Rubin konstruiert Drachen. Wie sie den Urtraum vom Fliegen wahr macht

Können Berge fliegen? Bei Anna Rubin ja. Die Österreicherin kann so ungefähr alles schweben lassen, wenn sie nur will. Anna Rubin ist Drachenbauerin. Einer ihrer fliegenden Gletscher heißt „Schattenschnee“. Sie ließ ihn im Silvretta-Gebirge in den Himmel steigen.

Fliegen ist ein Urtraum der Menschheit. Anna Rubin hat dieser Traum schon als Kind fasziniert. Dabei ist sie in einem kleinen Dorf in Kärnten aufgewachsen, in einer Gegend, die als eine der windärmsten in Österreich gilt. Fürs Fliegen gab es dort keine idealen Voraussetzungen.

„Ganz am Anfang habe ich versucht, in der Luft zu schwimmen, um zu fliegen“, erzählt sie. Als Mädchen baute sie sich aus Haselruten und Seidenpapier ein Flügelpaar. Aber auch das funktionierte noch nicht. Doch dann studierte Anna Rubin an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und begann Drachen zu bauen. Das ist selbst unter Künstlern ein ungewöhnliches Metier. „Ich hatte aber eine wunderbare Professorin, die Drachenbau als Diplomthema akzeptiert hat“, sagt sie.

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Einen Drachen haben wohl die meisten irgendwann schon mal gebastelt oder aus Fertigteilen zusammengebaut. Anna Rubin wollte ihre Flugobjekte aus der Bastelecke herausholen und zur Kunst machen. Doch bis dahin war es für die Studentin im textilen Gestalten ein weiter Weg. Sie holte sich Rat bei Experten. Sie wälzte Bücher über den Drachenbau und seine Geschichte. Und irgendwann stellte sie fest, dass sie eine Technik ähnlich wie in China und Japan anwenden wollte. Dort baut man Drachen traditionell aus gespaltenem Bambusrohr und handgeschöpftem Papier, und das schon seit 2000 Jahren.

Inzwischen ist Anna Rubin freischaffende Drachenbauerin und sehr gefragt. Denn sie baut ihre Flugobjekte in überraschenden, spektakulären Formen. Oft ist ein Wort, ein Bild oder eine Landschaft der Auslöser für das, was entsteht. Ihr „Auf-und-ab-Drachen“ beispielsweise sieht aus wie die hügelige grüne Landschaft bei ihr daheim in Kärnten. Ein riesiges rundes Modell trägt den Titel „Zweisam“. Sie konstruierte es auf Bestellung für ein Hochzeitspaar. Ein anderes Flugobjekt widmete sie der bekannten mexikanischen Malerin Frida Kahlo.

Anna Rubins flugfähige Objekte sind bei internationalen Drachenfestivals in Japan, Kanada, USA und Europa zu sehen. Auch raumgreifende Installationen und Ausstellungen sind Teil ihrer Arbeit. Demnächst sind Arbeiten der Österreicherin auch in Augsburg zu sehen. Beim Kunsthandwerkermarkt im Textilmuseum am 22./23. November schweben einige ihrer Drachen im Foyer.

Wie so ein fliegendes Kunstobjekt entsteht? Die Arbeit beginnt für die Kärntnerin nicht in ihrem kleinen Atelier in Göltschach. Erst einmal muss Anna Rubin eine Idee im Kopf haben, was sie bauen will. Dann folgen Skizzen und danach der eigentliche handwerkliche Prozess. Aus feinen Bambusstäbchen leimt sie ein Gerüst und verknotet es mit Garn. Auf das Bambusgitter klebt sie japanisches Papier. Danach werden Spannschnüre und Leinen befestigt. Sie machen den Drachen flugbereit.

Denn fliegen sollen sie unbedingt, ihre Kunstobjekte, sagt Anna Rubin. „Das ist mir ganz wichtig.“

mit ausgewählten Kunsthandwerkern und Dracheninstallation findet am Samstag und Sonntag 22./23. November im Staatlichen Textil- und Industriemuseum, Provinostra- ße 46 statt. Die Öffnungszeiten sind an beiden Tagen von 9 bis 18 Uhr.

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