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Sheridan-Park

22.07.2019

In dieser Kirche sind alle willkommen

Pfarrerin Alexandra Caspari vor der Kirche
Bild: Annette Zoepf

Pfarrerin Alexandra Caspari erzählt, wie sich die alt-katholische Gemeinde in Pfersee entwickelt hat. Auf einige Besonderheiten ist die 45-Jährige besonders stolz.

Die Apostelin-Junia-Kirche ist ein Blickfang im Sheridan-Park, auch wenn der Betrachter den modernen, 2012 fertiggestellten Holzbau, auf den ersten Blick gar nicht als Gotteshaus erkennt. Der Glockenturm, der seit dem vergangenen Sommer das Ensemble komplett macht, erleichtert die Identifikation. Pfarrerin Alexandra Caspari spricht von einem „sicht- und hörbaren Zeichen.“

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Längst fühlt sich Caspari in ihrer Kirche zuhause. Und das in mehrfacher Hinsicht. Denn mit dem Neubau hat sich die 125 Jahre alte Augsburger Gemeinde den Traum von einem eigenen Gotteshaus erfüllt – zuvor war sie immer zu Gast in protestantischen Kirchen. Hinzu kommt, dass die Apostelin-Junia-Kirche mit ihrem Gemeindezentrum und drei Wohnungen nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch Lebensraum ist – unter anderem für die 45-jährige Pfarrerin.

Dass neben den Gemeindemitgliedern Gäste die Kirche besichtigen und sogar den Gottesdienst besuchen, freut Caspari sehr. Für sie ist die Tafel mit dem Hinweis „Unsere Kirche ist offen“ mehr als eine Höflichkeitsgeste. Die Offenheit für Andere und Anderes gehöre wesentlich zu den Alt-Katholiken. Und sie führt dazu, dass die Augsburger Gemeinde anders als die große, römisch-katholische Schwester, in den vergangenen Jahren sogar leicht gewachsen ist.

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Offenheit musste eingeschränkt werden

Die Offenheit musste Caspari nur einschränken, was die Vermietung der Gemeinderäume an Externe – etwa für Geburtstagsfeiern – anbelangt. „Das macht manchmal Ärger und viel Arbeit“, sagt die Pfarrerin. Denn die Kleinheit der Augsburger Gemeinde führe dazu, dass „ich quasi die Hausmeisterin bin“. Auch die Jugendlichen im Park, die ihre Partys bis auf den Kirchplatz ausdehnen, und Graffiti auf der Mauer seien ein Problem. „Das hat sich verschlimmert, glücklicherweise ist der städtische Ordnungsdienst aktiver geworden.“

Den Besen in die Hand zu nehmen, gehört für Alexandra Caspari ebenso zum Alltag wie die vielfältigen seelsorgerischen Aufgaben. Ursprünglich studierte sie klassische katholische Theologie. Dabei kam sie mit den Alt-Katholiken in Kontakt, was ihr auch die Chance eröffnete, Pfarrerin zu werden. Ihr Amt, das betont sie immer wieder, könne sie nur dank der vielen Ehrenamtlichen ausüben. „Ich kann die Richtung vorgeben, brauche aber auch Leute mit Ideen und der Bereitschaft, diese umzusetzen.“ Froh ist Caspari dabei über die rüstige Rentnerin genauso wie über die aktive junge Generation. Dass ihr die Jugendarbeit ein besonderes Anliegen ist, zeigt sie durch ihre Teilnahme an Freizeiten.

Mitfiebern mit dem FCA

Wenn es ihre Arbeit zulässt, fiebert die Wahl-Augsburgerin mit dem FCA in der WWK-Arena mit. Ihre Liebe zu dem Verein entdeckte sie bereits, als sie vor 14 Jahren als Vikarin nach Augsburg kam. „Auf der Suche nach Unterhaltung am Samstag bin ich im Rosenaustadion gelandet. Damals spielte der FCA noch in der Regionalliga.“

Die Freizeit – oder gar den Urlaub – zu Hause zu verbringen, sei gar nicht so einfach, hat Alexandra Caspari erfahren. „Ich versuche, den Montag freizunehmen. Aber wenn mich jemand sieht, bin ich schnell mittendrin in einem dienstlichen Gespräch.“ Montags probt auch der neue Gemeindechor, auf den die Pfarrerin stolz ist. Es kämen bis zu 30 Sänger, nur an Bassstimmen fehle es noch.

Vielleicht kehrt demnächst ein Spaziergänger mit tiefer Stimme bei den Alt-Katholiken in Pfersee ein. Das Schild „Unsere Kirche ist offen“ gilt auch für potenzielle Sänger.

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