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04.06.2009

In jedem Geräusch steckt Musik

Kein Alltagsgeräusch, kein zufällig entstandener Ton ist für Friedemann von Rechenberg uninteressant. "Alles ist Schwingung. Wenn man in Resonanz mit den Dingen geht, spürt man die innere Verbundenheit mit ihnen", lautet seine Maxime. Diesen Schwingungen ist er ständig auf der Spur, experimentiert mit ihnen und setzt sie zu Klangmustern zusammen. Akustisch und elektronisch gefundene und erzeugte Klänge fließen in seine Arbeit als Musiker, Filmkomponist, Sounddesigner und Dozent in Augsburg und München ein.

Er spielt auf zerbrochenen Kacheln, elektronisch präpariertem Kinderspielzeug, auf aus Abfall gebauten Klangobjekten und natürlich auch auf Instrumenten wie Piano, Saxofon und Drums, mit denen er die Munich Jazz School absolvierte. "Ich liebe die unkonventionelle Behandlung traditioneller Instrumente zugunsten neuer Artikulationsmöglichkeiten", erläutert er seine Vorgehensweise. Hinzu kommen elektronisch und elektromagnetisch gewonnene Klänge: "Das menschliche Ohr kann elektromagnetische Schwingungen nicht direkt aufnehmen, mit speziellen Pickups werden Radios, Bildröhren und anderes zu neuen Klangquellen."

Die ständige Suche nach akustischen Phänomenen spiegelt sich auch in Friedemann von Rechenbergs Studio, das er sich nach seinem Studium an der Ludwigsburger Filmakademie in Westerringen eingerichtet hat: eine faszinierende Mischung aus moderner digitaler Technik, Klangobjekten und einer Elektronik-Bastelwerkstatt.

Farbe, Form und die Technik der Collage

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"Beeinflusst durch meinen familiären Hintergrund - meine Mutter ist Malerin - wird Synästhesie für mich immer wichtiger" sagt der 36-jährige Musiker. "Farbe, Form, die Technik der Collage - ich möchte neue Möglichkeiten entdecken, akustische und visuelle Elemente interaktiv zu vereinen."

Ein Ziel, dem er sich in seinen Projekten konsequent nähert. Sei es sein Beitrag als Remixer und Musiker 2004 bei den Händelfestspielen in Halle, für den er den ElectricRenaissance Musikpreis erhielt; sein Jazz-Tanz-Projekt "Round Midnight", das er 2008 im Stadttheater Landsberg und in München zusammen mit der Tänzerin Carola von Herder und dem Bassisten Peter Bockius aufführte, oder in seinen Vertonungen von Spiel- und Dokumentarfilmen, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde.

"Bei der Vertonung eines Films geht es um eine optimale Verschmelzung der auditiven mit der visuellen Ebene. Ein einzelner Ton kann die gesamte Dramaturgie des Films verändern. Zur Musik werden bestimmte Klänge extra für den jeweiligen Film hinzuerfunden, das ergibt einen interessanten Zwischenbereich zu den klassischen Filmgeräuschen."

Im idyllischen Westerringen im südlichen Landkreis fühlt sich der Klangkünstler wohl, findet er die richtige Mischung aus Betriebsamkeit und Ruhe. Gerade war ein vielköpfiges Filmteam da, um Musik und Sound zu dem Spielfilm "Freche Mädchen" aufzunehmen. "Eben noch hat man sich mit kreativen Menschen ausgetauscht, und jetzt beginnt wieder das einsame Arbeiten im Studio."

Eine Klangprobe gibt es im Netz auf

www.mobilfilm.de

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