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Augsburg

13.12.2019

In knapp drei Jahren einmal um die ganze Welt

Nach knapp drei Jahren sind Leonore Sibeth und Sebastian Ohlert wieder in Augsburg angekommen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Leonore Sibeth und Sebastian Ohlert sind vor knapp drei Jahren in Augsburg losgezogen. Nun sind sie wieder zurück und sprechen über ihre Erlebnisse, über das Nachhausekommen und ihre Pläne.

Die Augsburger Leonore Sibeth und Sebastian Ohlert hatten sich bewusst für eine Auszeit entschieden, ihre Wohnung gekündigt, den einen Teil ihrer Einrichtungsgegenstände verkauft, den anderen bei Freunden untergestellt. „Sie sind dann mal weg“ lautete die Überschrift des Artikels, als sie sich auf den Weg machten, um möglichst nachhaltig, also ohne Flugzeug, die Welt zu bereisen. Knapp drei Jahre später sind sie zurück in Augsburg – die Auszeit dauerte viel länger als gedacht.

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Im März 2017 machten sich Leonore Sibeth und Sebastian Ohlert auf den Weg, die Welt möglichst nachhaltig zu entdecken. Heißt: ohne Flugzeug.
Bild: Bernd Hohlen

Doch einmal auf Reisen, das Hamsterrad und die Verpflichtungen des Alltags hinter sich gelassen, genoss das Augsburger Paar die entschleunigte Lebensweise, lernte viele Länder und deren Bewohner kennen. 1011 Tage waren sie unterwegs, 97000 Kilometer haben sie auf ihrer Reise zurückgelegt. Sie führte sie von Augsburg aus zur Donau, dann bis zum Schwarzen Meer und über die Türkei, Iran, Turkmenistan, Usbekistan immer weiter in Richtung Osten.

Sie besuchten Kasachstan, China, Pakistan, Indien, Nepal, Tibet, sie radelten durch Vietnam und reisten durch Laos, Thailand und Malaysia bis sie in China ein Frachtschiff bestiegen, um von dort aus nach Mexiko zu fahren. „Dort waren wir ein halbes Jahr. Das lag unter anderem daran, dass wir ein Visum für 180 Tage hatten“, erklärt Sebastian Ohlert. Einen Monat lang begleiteten die Eltern von Leonore Sibeth das Paar, ansonsten hielten sie über das Internet Kontakt mit Familie und Freunden. „Glücklicherweise kann man über das Internet kostenlos telefonieren. Das ging immer ganz gut“, sagt Leonore Sibeth.

In knapp drei Jahren einmal um die ganze Welt

Die beiden 35-Jährigen ließen sich viel Zeit, nutzten die Gelegenheit des „Housesittings“, um kostengünstig in verschiedenen Orten zu verweilen. Dabei wohnten sie in Häusern, deren Besitzer im Urlaub weilten, währenddessen das Augsburger Paar die Tiere fütterte und die Blumen goss. Auf der Reise lebten sie von ihrem Ersparten. Rund 50000 Euro hat das Paar in den drei Jahren ausgegeben und versucht, möglichst günstig zu reisen.

2019 reisten die Wahl-Augsburger Leonore Sibeth und Sebastian Ohlert durch Mittelamerika. Vulkane, wie am Crater Principal in Costa Rica, beeindruckten das Paar.

Mit dem Bus erkundeten sie Mexiko, bevor es nach Guatemala weiterging. Dort beeindruckten sie die Vulkane, im Nachbarland El Salvador die Gastfreundlichkeit der Menschen. Sebastian Ohlert überstand dort einen Verkehrsunfall mit Prellungen und Schürfwunden. „Ich hatte totales Glück. Wir sind in einem Camper-Van einer Spanierin mitgefahren, die nur einen weiteren Sitz mit Gurt hatte“, erzählt er. Der Augsburger nahm deshalb im hinteren Teil des Wagens auf einer Kiste Platz. Als sich ein Reifen löste und der Wagen bei voller Fahrt zur Seite kippte, krachte er ungebremst gegen die Innenseite des Fahrzeugs. Im Krankenhaus von San Salvador wurde er geröntgt und war froh, dass nicht mehr passiert war.

Ein ähnliches Gefühl hatte das Paar nach einem Vorfall in Costa Rica, als es nach einem Ausflug in den Nationalpark Cahuita überfallen wurde. „Plötzlich stand ein Mann mit Machete in der Hand hinter uns. Er wollte unser Geld, was wir ihm ohne Diskussion gaben“, erzählt Leonore Sibeth. Tags drauf zeigten sie den Überfall bei der Polizei an und konnten den Mann anhand eines Fotos identifizieren. „Er wurde daraufhin festgenommen“, berichten sie.

Der Schock saß jeweils tief, ihre Reise setzten sie dennoch fort und konnten weitere Wochen Mittelamerika genießen, bevor sie im Oktober erneut per Frachtschiff die Heimreise antraten.

Bereits Anfang des Jahres sprach der 35-Jährige erstmals an, wann wohl die Reise ein Ende finden würde. Für Leonore Sibeth kam die Frage damals ganz unvermittelt – sie hatte sich an das Leben gewöhnt und es noch eine Weile weiter so führen können.

Doch das stete Ein- und wieder Auspacken, das Organisieren, wie es auf der Reise weitergehen würde, hatte Kraft gekostet. „Da war irgendwann die Luft raus“, sagt Sebastian Ohlert. Außerdem hätten sie im nächsten Schritt ihrer Reise den südamerikanischen Kontinent betreten. „Südamerika ist so groß, dass wir ein Jahr gebraucht hätten, um ohne zu hetzen durchzukommen“, sagt Leonore Sibeth. Den Schritt wollte das Paar schließlich nicht mehr gehen und machte sich schließlich auf die Heimreise.

Mit dem Frachtschiff ging es für das Paar von Panama aus zurück nach Europa. Dort gingen sie in den Niederlanden an Land.
Bild: Privat

Ihrem Ziel, möglichst nachhaltig zu reisen, blieben sie in all der Zeit treu. Während ihrer Weltreise be-stiegen sie kein einziges Mal ein Flugzeug. „Es war interessant zu sehen, wie das Thema an Fahrt aufgenommen hat. Als wir loszogen, haben das viele noch nicht verstanden. Durch Greta Thunberg und die Fridays-for-Future-Bewegung wird nun viel darüber diskutiert“, betont die 35-Jährige. Als das Paar schließlich in den Niederlanden an Land ging, radelten sie über Hamburg nach Berlin und besuchten dort Freunde, als das Knie von Leonore Sibeth nicht mehr mitmachte, fuhr sie mit der Bahn.

Mit dem Zug kamen sie im Dezember in Augsburg an. „Zurück in Europa haben wir in den vergangenen Wochen Freunde, Familie und ehemalige Arbeitskollegen besucht. Das war sehr schön, weil wir die meisten die vergangenen drei Jahre gar nicht gesehen haben.“ Zurück in Deutschland genießen sie Weißwürste, Brezen, Kässpatzen und einfach eine „Vesper“ machen, wie es die gebürtigen Baden-Württemberger nennen. „Brot hat mir schon sehr gefehlt“, sagt Leonore Sibeth.

Was das Paar in der Zukunft machen will, das wollen sie in den kommenden Wochen entscheiden. Zunächst verbringen sie die Weihnachtsfeiertage bei ihren Familien, die in der Nähe von Stuttgart wohnen. Im neuen Jahr wollen sie eine Entscheidung fällen, wo sie sich als Nächstes niederlassen wollen. „Augsburg wäre die erste Wahl“, sagt sie. Dennoch wollen sie sich die Entscheidung bewusst offen lassen – was den Ort, aber auch ihren künftigen Beruf angeht.

Zuletzt hatte die Diplom-Pädagogin als Bildungsreferentin in der Umweltstation Augsburg gearbeitet, ihr Lebensgefährte als Teamleiter im Ersatzteilverkauf bei der MAN. „Die Reise hat uns gezeigt, dass man auch was Neues anfangen und lernen kann“, sagt Sebastian Ohlert.

Die Erlebnisse ihrer Reise wollen sie in einem Buch verarbeiten und irgendwann – wenn einmal Zeit dafür bleibt, auch die Orte entdecken, die nicht auf ihrer Reiseroute lagen – etwa in Südamerika, Afrika …

Ihre Reise zum Nachlesen www.eins2frei.com

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