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Wetterphänomen

07.12.2016

Industrieschnee bedeckt Augsburg - Sind die Flocken giftig?

Augsburg ist wieder mit Industrieschnee bedeckt.
Bild: Lichtbild - fotolia.com

Industrieschnee sieht aus wie echter Schnee. Bei dem Wetterphänomen, das derzeit in Augsburg auftritt, handelt es sich allerdings um gefrorenen Feinstaub. Ist das gefährlich?

Straßen, Dächer, Autos und Bäume - auch heute ist Augsburg wieder in winterliches Weiß gehüllt. Doch wie in den vergangenen Tagen handelt es sich laut Klaus Hager, früherer Chefmeteorologe der Luftwaffe am Lechfeld, wieder nicht um echten, sondern um sogenannten Industrieschnee. Das ungewöhnliche Wetterphänomen wirft bei vielen Augsburgern Fragen auf.

Wie entsteht Industrieschnee?

"Industrieschnee ist kein gefrorener Niederschlag, sondern ein letztlich vom Menschen verursachtes Wetterphänomen, das relativ selten auftritt", erläutert der Wetterexperte. Nach seinen Worten funktioniert das so: Wenn es neblig ist, kondensiert Luftfeuchtigkeit an kleinen Schmutzteilchen in der Luft, die für das normale Auge gar nicht sichtbar sind. Dabei handelt es sich größtenteils um Verbrennungsrückstände aus der Industrie oder privaten Holzheizungen. Wenn die Temperaturen unter null Grad sinken, gefriert dieses Staub-Wasser-Gemisch und fällt zu Boden. Im Grunde handelt es sich also um gefrorenen Feinstaub.

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Wann und wo tritt das Wetterphänomen auf?

Damit das Phänomen zustande kommt, braucht es laut Hager neben Minusgraden und Nebel noch einen weiteren entscheidenden Faktor: eine Hochdruckwetterlage. "Das bedeutet, dass ab einer Höhe von 200 bis 300 Meter bereits wieder Plusgrade herrschen." Die warme Luftmasse wirke dann wie eine Decke und verhindere, dass der vorhandene Feinstaub nach oben aufsteigt. Das Phänomen komme vor allem in Großstädten vor, weil es dort meist vergleichsweise viel Feinstaub gebe.

Ist der Industrieschnee giftig?

Wetterexperte Hager gibt Entwarnung: "Letztlich handelt es sich ja nur um ganz feine Asche." Wenn nun also ein Kind auf die Idee kommen sollte, den vermeintlichen Schnee zu essen, ist das seiner Einschätzung nach unbedenklich. "Für Asthmatiker und Allergiker kann Feinstaub in der Luft problematisch sein", sagt Hager. Daher könne es für betroffene Personen sogar besser sein, wenn der Feinstaub aus der Luft gefiltert werde. "Industrieschnee kann aber für Autofahrer und Fußgänger zur Gefahr werden", warnt Hager, "denn wenn er auf unterkühlten Boden fällt, kann er extrem rutschig werden."

Wie kann man Industrieschnee von echtem Schnee unterscheiden?

"An der Form", erklärt der Wetterexperte. Denn echter Schnee besteht nach seinen Worten immer aus sechseckigen Kristallen. Der Industrieschnee dagegen aus ein bis zwei Millimeter feinen Stiften. Daher klumpe der Industrieschnee auch weniger zusammen und lasse sich beispielsweise vom Auto leicht herunterfegen.

Und wann schneit es denn nun wirklich?

"Das ist bisher noch nicht abzusehen", sagt Hager. "In den nächsten acht Tagen auf jeden Fall nicht." Denn die Temperaturen sollen bis Mitte kommender Woche erst mal wieder steigen, so der Meteorologe.

 

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