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Freizeit

26.03.2013

Innsbruck – Augsburg – Annapolis

Übers Wochenende von Innsbruck nach Monte Carlo – selbst mit dem Fahrrad ist das für den Tiroler Wolfgang Mader kein Problem. Damit der Innsbrucker für solche Strecken fit ist, trainiert er in den Wintermonaten in Augsburg.
Bild: Michael Hochgemuth

Der Tiroler Wolfgang Mader gehört zu den wenigen, die auf dem Rennrad in knapp zwölf Tagen beim Race Across America die USA durchqueren. Trainiert hat er in Lechhausen

In sanftem Tirolerisch klingen die Worte so entspannt: „Ich bin permanent am Weg“, sagt Wolfgang Mader. Aus dem Lächeln im gebräunten Gesicht grinst Tiefstapelei. Wenn der 48-Jährige „am Weg ist“, wären die meisten am Ende. Er radelt übers Wochenende gerne mal von Innsbruck nach Monte Carlo. 2012 fuhr er auf dem Rennrad in weniger als zwölf Tagen von der West- zur Ostküste der USA – Schmerzen und Halluzinationen inklusive. Das Race Across America führt über fast 5000 Kilometer. Und heute brauste er für ein paar Trainingsstunden auf der Radrennbahn in Lechhausen nach Augsburg. Obendrein ist Wolfgang Mader Marketingchef eines Energieunternehmens.

Trotzdem wirkt er entspannt, als er im Büro der RSG Augsburg sitzt. Jedem drängt sich sofort eine Frage auf, die er erwartet: „Allein die Frage, wie ich das unter einen Hut bringe, ist falsch. Der Job hat mit der Freizeit und dem Radfahren nichts zu tun“, sagt er. Seine These: Jeder hat etwa gleich viel Freizeit. Die Frage ist nur, wie er sie nutzt. Wolfgang Mader verbringt sie auf dem Fahrrad. 26 bis 30 Stunden kommen so pro Woche zusammen – vor allem am Wochenende. Als ahnte er die nächste Frage, sagt er, dass die Kinder schon groß sind und ihn ebenso begleiten wie seine Frau: „Als die Kinder kleiner waren, habe ich nicht in diesem Ausmaß trainiert.“

75 Prozent des Marathonrennens seien mentales Training

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Doch auch damals war er ganz schön viel „am Weg“. Er lief Marathonrennen und es wird immer klarer: Der Mann sucht die Herausforderung und er ist das, was amerikanische Sportler gerne „focused“ nennen. Fokussiert. Ein Ziel im Blick, dem er vieles unterordnet.

Dazu passt, was er über seine Vorbereitung auf das Race Across America erzählt: „75 Prozent waren mentales Training.“ Der Rest spielte sich auf dem Rad ab. Mal im Freien, mal auf dem Ergometer in der Sauna und immer wieder in Augsburg. Die Radrennbahn der RSG in Lechhausen war für den Innsbrucker die nächstgelegene Chance, um im Winter unter Dach zu fahren. Viele Sportler nutzen die. Doch ein fitter Körper ist nur die Mindestvoraussetzung für das Race Across America. Mader nennt es „unbeschreiblich“, was er in den 11 Tagen, 16 Stunden und 19 Minuten zwischen San Diego und Annapolis auf 4900 Kilometern erlebte. Es klingt, als ober er an seine Grenzen gegangen wäre. „Nein, man überschreitet seine Grenzen permanent“, sagt der Radsportler.

Er saß täglich 21 Stunden auf dem Rad, drei schlief er. Der Tiroler trank bis zu 22 Liter am Tag. Bald ernährten ihn nur noch Flüssigkeit und Fett-Gel – 600 Mal 25 Gramm pures Fett. Der Schlafmangel war die größte Herausforderung – „er lässt sich nicht trainieren“.

Mit jedem Tag begann Wolfgang Maders Körper mehr zu rebellieren. „Erst hat er nur gesagt: Hör auf!“ Doch der Tiroler hatte das Bild der Ziellinie fest im Kopf. Weiter. „Dann hat der Körper begonnen, einzelne Organe wie den Magen auf Stand-by zu schalten.“ Weiter. „Irgendwann hat der Körper auch begonnen, das Gehirn herunterzufahren.“

Wolfgang Mader fuhr wie in Trance. Er sah Hirsche, wo keine waren. Der Arzt im Begleitwagen war angespannt. Aber er ließ ihn noch fahren. „Ich bin getreten wie eine Maschine“, erinnert sich der Radler. Dann war die Ziellinie da und die Maschine stoppte.

Es dauerte „Tage und Wochen“, bis Wolfgang Mader klar wurde, was er erreicht hatte. Als 16. zählte er zu den 18 Sportlern, die das Ziel erreicht hatten. 33 kamen nicht so weit.

Er hat das härteste Radrennen der Welt überstanden. Und nun? Auch diese Frage pariert der Innsbrucker: „Ich habe noch keinen Bergsteiger gehört, der nach dem Mount Everest aufgehört hat, in die Berge zu gehen.“

Wolfgang Mader will nie mehr quer durch Amerika radeln, denn er hätte mehr zu verlieren als zu gewinnen. Ihm fallen andere Rennen ein. Als Nächstes denkt er an die Crocodile-Trophy mit dem Mountainbike in Australien. „Gibraltar – Nordkap wir leider nicht mehr ausgetragen“, sagt er und lächelt. Dann ist es Zeit, zu radeln. Heute auf der Bahn in Augsburg. Wolfgang Mader ist wieder „am Weg“.

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