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Obersalzberg

18.10.2019

Institut für Zeitgeschichte wertet NS-Dokuzentrum als Erfolgsgeschichte

Das NS-Dokumentationszentrum Obersalzberg: Am Sonntag feiert die Einrichtung mit einem Festakt ihr 20-jähriges Bestehen.
Bild: Matthias Balk, dpa (Archiv)

Exklusiv Institutschef Wirsching betont die Wichtigkeit der offensiven Auseinandersetzung mit NS-Verbrechen angesichts aktueller rechtsnationaler Entwicklungen.

Der Chef des Instituts für Zeitgeschichte Andreas Wirsching hat das 20-jährige Bestehen des NS-Dokumentationszentrums am Obersalzberg als aktuell wichtiges Beispiel für eine offensive Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus gewürdigt. Seit der Eröffnung hätten über drei Millionen Menschen die Dokumentation besucht, sagte der Münchner Historiker unserer Redaktion. "Diese Erfolgsgeschichte zeigt gerade mit Blick auf die kontroversen Anfänge, wie wichtig es ist, eine offensive Aufklärung über die NS-Vergangenheit zu betreiben", betonte Wirsching, dessen Institut das Zentrum betreibt.

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"Trotz der aktuellen Baustelle, die wir seit 2017 wegen des Erweiterungsbaus haben, war auch heuer der Andrang sehr groß", berichtete Wirsching. Der Historiker führt dies auch auf den aktuellen Aufstieg rechtsnationaler Strömungen wie der AfD zurück: "Ich glaube, dass viele auch durch die beunruhigenden politischen Entwicklungen der Gegenwart ein sehr feines Sensorium dafür haben, wie wichtig es ist, sich mit der NS-Zeit auseinanderzusetzen."

NS-Dokuzentrum Obersalzberg feiert 20-jähriges Bestehen

Dies sei auch eine Reaktion auf gefährliche Tendenzen, die Verbrechen der NS-Zeit zu verharmlosen und die Zeit des Nationalsozialismus zu relativieren, umso wichtiger: "Gerade die AfD hat hier mit Björn Höckes Forderung nach einer erinnerungspolitischen 180-Grad-Wende und Alexander Gaulands 'Vogelschiss'-Vergleich immer wieder versucht, die Aufarbeitung der NS-Zeit in Frage zu stellen", kritisierte Wirsching. "Solche Vorstöße sind Gift für das gesellschaftliche Klima", betonte er.

Institut für Zeitgeschichte wertet NS-Dokuzentrum als Erfolgsgeschichte

Allerdings könne man die Fälle von rechtsextremen Terror wie jüngst in Halle nicht einfach auf eine mangelnde Auseinandersetzung mit der NS-Zeit reduzieren. "Ich glaube, das wäre zu kurz gesprungen", sagte Wirsching. "Bei solchen Tätern kommen sicher viele Faktoren zusammen und das Muster erinnert doch sehr stark an Vorläufer wie Anders Breivik in Norwegen oder den Attentäter von Christchurch", betonte der Historiker. "Hier wollte jemand offenbar sein verpfuschtes Leben mit einer vermeintlich großen Tat, einem Tabubruch kompensieren und sich dafür weltweit im Internet feiern lassen", fügte er hinzu.

Am Sonntag feiert die Einrichtung mit einem Festakt in Gegenwart des bayerischen Finanzministers Albert Füracker (CSU) ihr 20-jähriges Bestehen.

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