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19.05.2010

Integrationsbeirat wechselt Vorstand aus

Mit einem neuen Namen, neuem Konzept, vielen neuen Gesichtern und einem komplett neuen Vorstand geht der frühere Ausländerbeirat in seine neue Legislaturperiode bis 2016. Er heißt jetzt offiziell Beirat für Integration, Migration und Aussiedlerfragen. Weil das politisch korrekt ist, es aber weder Deutsche noch Migranten so umständlich aussprechen können oder wollen, sagt man kurz Integrationsbeirat. Neuer Vorsitzender ist Ahmet Akcay, Stellvertreterinnen sind Douja Hadjri und Marina Barach.

Ahmet Akcay ist 26 Jahre alt und der Sohn des früheren Ausländerbeiratsvorsitzenden Hasan Akcay. Seine Mutter ist Deutsche. Akcay sieht sich vor diesem familiären Hintergrund als Brückenbauer. "Wenn man die Sichtweise beider Seiten kennt, kann man Probleme besser lösen", glaubt er und plädiert für einen geschlossenen Beirat, der zu allen Nationen, Glaubensrichtungen und Parteien Kontakt hat. Beruflich ist er Geschäftsführer der T&T Logistik GmbH, eines Dienstleistungsunternehmens mit 60 Mitarbeitern. Er ist Mitglied im Bildungs- und Kulturverein (Eschenhofmoschee Oberhausen).

Der Verein hatte bei der Wahl im März gleich mehrere neue Mitglieder in den Beirat gebracht. Es gab den Vorwurf der Wahlmanipulation durch Blockabstimmung, den der Verein zurückweist. Bei der konstituierenden Sitzung des Beirates wurde klar, dass der Verein künftig eine bedeutende Hausmacht stellen wird. Es waren mehrere Vertreter inklusive des Imans anwesend; zwischen ihnen und den neuen Beiräten gab es regen Austausch.

Ein Gremium für 100 000 Menschen aus 140 Nationen

Schon länger war angeklungen, dass einige mit der früheren Beiratsarbeit nicht zufrieden waren. Es sei zu wenig passiert. Der langjährige Vorsitzende Nazim Kücük kandidierte bei der Neuwahl gar nicht erst. Der bisherige Stellvertreter Hüseyin Yalcin von der Alevitischen Gemeinde verlor sowohl die Kandidatur als erster als auch die als zweiter Vorsitzender. Yalcin ist seit Langem dabei und auf Landesebene aktiv. Manche hätten ihn sich als erfahrene, integrative Figur weiter im Vorstand gewünscht. Auf eine Kandidatur verzichtete auch der bisherige 2. Stellvertreter Fazlur Rahman.

1. Stellvertreterin ist jetzt Douja Hadjri, die dieses Amt schon früher zeitweise innehatte und Sprecherin des Kulturausschusses ist. Sie ist gelernte Krankenschwester, stammt aus Tunesien und lebt seit über 30 Jahren in Deutschland. 2. Stellvertreterin ist Marina Barach. Sie stammt aus Russland, ist Musiklehrerin, lebt seit 1995 in Deutschland und ist kulturell sehr engagiert - viele Jahre in der Israelischen Kultusgemeinde. Im Beirat ist sie neu.

In Augsburg leben fast 100 000 Menschen mit Migrationshintergrund - 40 Prozent der Bevölkerung aus 140 Nationen. Dem will der Integrationsbeirat in Zukunft mehr Rechnung tragen. So durfte der Bund der Vertriebenen fünf Vertreter benennen. Überraschend sind davon allerdings nur zwei Aussiedler, die anderen stammen aus Vertriebenenverbänden.

Außerdem soll durch eine Kommission aus Ausländerbeiräten und Stadtrat der Beirat enger an die Politik angeschlossen werden. Um neue Mitglieder dafür fit zu machen, sind Schulungen geplant. Um andererseits den Kontakt mit der Basis zu halten, wird ein Vereinsparlament geben. Als wichtigste Themen gelten Bildung und Arbeit.

In seiner ersten Sitzung nahm sich der Rat außerplanmäßig des Themas Asylbewerber an. Er will ihre Anliegen unterstützen und Augsburger Politiker auffordern, etwas gegen die schlechten Bedingungen in den Unterkünften zu unternehmen (AZ berichtete).

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