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27.03.2017

Internet-Star löst am Königsplatz ein Chaos aus

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2 Bilder
Leon Machère bei einem Auftritt.
Bild: imago/Future Image

Fans belagern ein Hotel und einen Handyladen – wegen eines Internet-Filmers. Der hat jetzt Ärger mit der Polizei

Er lässt sich über Nacht bei Ikea einschließen, er steigt in eine Badewanne voller Brennnesseln – und er klopft auch mal einer Frau in der Öffentlichkeit mit einer Fliegenklatsche auf den Po, um zu sehen, wie die Passanten reagieren. All das filmt der Hamburger Leon Machère und stellt es im Internetportal Youtube ein. So hat er es zum Star mit über zwei Millionen Fans gebracht. Am Samstag hat er Augsburg in Aufregung versetzt. Am Königsplatz gab es chaotische Szenen.

Leon Machère, 24, kündigte in den sozialen Netzwerken an, am Samstag im Rahmen einer „Selfie-Tour“ die Stadt zu besuchen. Der Internet-Star sei in einem Hotel in der Nähe des Kös abgestiegen, lautete ein Gerücht. An einem Mobilfunkladen werde er seine Fans treffen, machte es weiter die Runde. Hunderte vor allem jugendliche Anhänger strömten deshalb in die Stadt und trafen sich am Kö. Vor dem Hotel und dem Mobilfunkladen bildeten sich große Menschentrauben. Leon Machère stellte selbst ein Video ins Netz, das er vom Fenster seines Hotelzimmers aufgenommen hat. Es zeigt ein große, kreischende Menge. Jugendliche selbst verständigen schließlich die Polizei, weil sie ein großes Chaos befürchten.

Die Polizei ist verärgert, dass der Youtube-Filmer, der auch als Sänger aktiv ist, seinen Auftritt den Behörden nicht angekündigt hat. So sei es nicht möglich gewesen, einen sicheren Ablauf zu gewährleisten, sagt ein Polizeisprecher. Besonders kritisch war die Situation offensichtlich, als Leon Machère mit mehreren Begleitern mit einem weißen Lieferwagen am Kö vorfuhr. Ein Handyvideo eines Fans zeigt, wie hunderte Jugendliche das Fahrzeug umringen. Sie versuchen, zu ihrem Star vorzudringen, der im Laderaum steht. Leon Machère schreit immer wieder: „Alle zurück, nicht drücken, hier sind kleine Kinder!“ Ein junger Fan ruft: „Oh mein Gott, ich kriege keine Luft mehr.“

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Die Polizei spricht von einem Katz-und-Maus-Spiel. Nach dem Auftritt am Kö sei er in die Fußgängerzone gezogen. Schließlich gefunden wurde Leon Machère in einer Bierbar am Königplatz – von der Polizei. Die war Machère wie die Jugendlichen auf den Fersen. Als sie ihn antrafen, nahmen ihn die Beamten zusammen mit mehreren Begleitern aufs Revier. Dort musste er mehrere Stunden bleiben. Deswegen verpasste er einen Auftritt in München, den er um 17 Uhr absolvieren wollte. Daraufhin soll er Beamte als „Scheißpolizei“ bezeichnet haben. Dafür, so ein Polizeisprecher, erhalte er eine Anzeige wegen Beleidigung in zwei Fällen. Einmal habe er die Schmähung direkt gegenüber den Beamten geäußert, einmal in den Sozialen Netzwerken.

Außerdem müssen sich seine Begleiter verantworten: Einer habe Polizisten beleidigt. Ein weiterer soll den Straßenverkehr gefährdet haben, weil er laut Polizei mit einem schwarzen Mercedes „äußerst verantwortungslos“ über den Kö und durch das Haltestellendreieck gerast ist. Zunächst war hier auch von einem weißen Lieferwagen die Rede. Der Besitzer des Hotels habe laut Polizei Angst ums Inventar gehabt, als Jugendliche gegen die Scheiben pochten, um Einlass zu erhalten. Leon Machère kündigte indes angeblich an, bald ein „Video gegen die Polizei“ zu veröffentlichen. Ärger hat der Youtube-Star nicht nur mit der Polizei, auch das Ordnungsamt kann ein Bußgeld verhängen.

Der Menschenauflauf sorgte für erhebliche Irritationen bei Passanten. Die Polizei spricht von einer Ansammlung von über 1000 Menschen. Augenzeugen sprechen davon, dass es sogar bis zu 2000 gewesen sein könnten. Erst am Freitag hatte Leon Machère in Erfurt für Aufruhr gesorgt. Auch dort erschien er ohne Anmeldung. Bei einem Auftritt in Oldenburg flüchtete er rasch wieder, weil angesichts der vielen jungen Fans fast Chaos ausbrach.

Wer durch den Lieferwagen gefährdet wurde, soll sich bei der Polizei (0821/323-2110) melden.

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